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Wirtschaft Bei Riester-Rente genau hinschauen
Nachrichten Wirtschaft Bei Riester-Rente genau hinschauen
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21:17 02.07.2013
Von Albrecht Scheuermann
Wer seinen Ruhestand genießen will, muss vorsorgen – doch die Kritik an der Riester-Rente verunsichert viele Sparer.
Wer seinen Ruhestand genießen will, muss vorsorgen – doch die Kritik an der Riester-Rente verunsichert viele Sparer. Quelle: dpa
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Hannover

Statt den Kopf vor dem Problem in den Sand zu stecken, ist es besser, sich rechtzeitig Gedanken zu machen. Dabei wäre es falsch, Riester-Verträge pauschal abzulehnen. Tatsächlich gibt es, auch nach den Untersuchungen von Verbraucherschützern, gute und sogar ausgezeichnete Angebote. Allerdings ist die Spanne groß. Der Unterschied kann im Alter mehrere Hundert Euro pro Jahr ausmachen.

Im Zentrum der immer wieder aufkommenden Kritik stehen die Riester-Rentenversicherungen. Einer der Hauptvorwürfe sind zu hohe Kosten: Weil sich die Anbieter einen zu großen Anteil für die eigene Bürokratie, Provisionen oder die Aktionäre abschneiden, bleibe zu wenig für die Versicherten übrig.

Die Kritik ist nicht aus der Luft gegriffen. So kam etwa der Altersvorsorge-Experte Prof. Thomas Dommermuth kürzlich in einem Vortrag zu dem Schluss, dass zwar die Riester-Rente viel besser sei als ihr Ruf, es aber erhebliche Kostenunterschiede bei den Anbietern gebe. Schlussfolgerung: „Der Kunde muss sich informieren.“

Die Beratungsfirma Morgen & Morgen in Hofheim belegt dies mit konkreten Zahlen. In einem untersuchten Beispielfall betrugen demnach die durchschnittlichen Kosten von Riester-Versicherungen 13,2 Prozent des Beitrags. Die Spannweite ist jedoch enorm: Die günstigsten Anbieter geben sich mit 5 Prozent zufrieden, die teuersten beanspruchen dagegen mehr als 20 Prozent. Am besten schneiden sogenannte Direktversicherer wie Cosmos, Asstel, Huk24 und Hannoversche Leben ab. Aber auch einige Versicherer mit Außendienst wie HanseMerkur, HUK Coburg oder Debeka bleiben mit weniger als 10 Prozent deutlich unter den Durchschnittskosten.

Bei den Anbietern mit den höchsten Kosten fressen diese dagegen mehr als 15 Prozent der Prämien auf. Bei der Ergo lag der Kostenanteil in dem untersuchten Fall bei stattlichen 17,8 Prozent, die Nürnberger schoss mit 22,9 Prozent den Vogel ab.

Solche Kostenunterschiede können sich später in beträchtlichen Unterschieden bei der Monatsrente niederschlagen. In dem Beispielfall reicht die monatlich gezahlte Garantierente von 175 Euro bis zu 208 Euro. Wer also beim günstigsten Anbieter abschließt, hat pro Jahr fast 400 Euro mehr auf dem Konto.

Die Unterschiede bei den Leistungen sind nicht ausschließlich, aber zu einem Großteil auf die Unterschiede bei den Kosten zurückzuführen. Eine wichtige Rolle für die letztlich gezahlte Rente spielt daneben der Erfolg bei der Kapitalanlage. Wegen der Niedrigzinsen dürfte die Bedeutung der Kosten für das Ergebnis künftig aber noch zunehmen: Je weniger Geld am Kapitalmarkt zu verdienen ist, desto stärker drücken die Kosten auf die Vertragsrendite. Für Verbraucher wird die Auswahl eines guten Angebotes noch wichtiger.

Allerdings dürften die meisten Menschen überfordert sein, wenn sie selbst die Angebote vergleichen sollen. Der Vorstandssprecher der Hannoverschen Leben, Frank Hilbert, gibt einen einfachen Ratschlag: „Die Stiftung Warentest ist als unabhängige Verbraucherschutzorganisation ein zuverlässiger Ratgeber.“ Sie veröffentlicht in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ immer wieder auch Tests zur Riester-Rente.

16 Millionen Verträge

Der Begriff „Riester-Rente“ steht für die staatlich geförderte, kapitalgedeckte zusätzliche Altersvorsorge. Benannt ist die im Jahr 2002 eingeführte Förderrente nach ihrem „Erfinder“, dem damaligen Sozialminister Walter Riester (SPD). Im Zuge der Rentenreform wurde seinerzeit das staatliche Rentenniveau gesenkt. Zum Ausgleich sollen möglichst viele Arbeitnehmer einen „Riester-Vertrag“ abschließen. Der Staat gibt eine Grundzulage von 154 Euro jährlich zuzüglich 185 Euro Zulage pro kindergeldberechtigtem Kind. Für 2008 oder später geborene Kinder gibt es sogar 300 Euro.

Für das „Riestern“ gibt es vier Varianten: Versicherung, Banksparvertrag, Investmentfonds oder der „Wohn-Riester“. Obwohl der Anteil der anderen Formen wächst, entfällt von den insgesamt knapp 16 Millionen abgeschlossenen Verträgen die große Mehrheit weiter auf Rentenversicherungen. Insgesamt verfügt heute nicht einmal die Hälfte der Berechtigten über einen solchen Altersvorsorgevertrag. Gerade jene potenziellen Riester-Kunden, die es eigentlich am nötigsten brauchen und zugleich die höchste prozentuale Förderung vom Staat erhalten, haben oft keinen Vertrag abgeschlossen.

02.07.2013