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Wirtschaft Begehrter Rohstoff: So wollen deutsche Firmen Geld mit Wüstensand verdienen
Nachrichten Wirtschaft Begehrter Rohstoff: So wollen deutsche Firmen Geld mit Wüstensand verdienen
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17:32 20.06.2019
In der Wüste gibt es Sand, so weit das Auge reicht, doch zum Bauen ist Wüstensand nicht zu gebrauchen. Das könnte sich allerdings ändern. Quelle: Foto: Bing Han/EPA
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Frankfurt

Er ist nur 0,063 bis zwei Millimeter groß, aber eines der begehrtesten Güter auf dem Weltmarkt: Sand. Nach Wasser ist er der global am meisten gehandelte Rohstoff, teilte jüngst die Unep, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, mit und bezifferte das Volumen auf 40 bis 50 Milliarden Tonnen im Jahr. Sand steckt in Glas, Kosmetik, Autoscheinwerfern, Smartphonedisplays und Zahnpasta.

Vor allem aber braucht die Baubranche Sand und den gröberen Kies für Beton. Doch obwohl es sie sprichwörtlich wie Sand am Meer gibt, werden die Körner knapp:Wegen des internationalen Baubooms hat sich die Nachfrage nach Sand und Kies binnen 20 Jahren verdreifacht, so die Unep.

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Auch in Deutschland fehlt bereits Sand für den Bau. Zwar gibt es große Vorkommen, doch sie liegen in Naturschutzgebieten, unter Wohn- und Gewerbeflächen, Straßen und Schienen. Dabei gibt es viel Sand in den Wüsten rund um den Erdball – nur ist der nicht nutzbar, weil er zu fein ist und für das Mischen von Beton zu wenig haftet. Selbst Wüstenstaaten müssen daher tonnenweise Bausand importieren.

Hilfe für Krisenregionen

Der Ansatz der Thüringer Firma Polycare zielt nicht nur auf die Bauindustrie, sondern soll auch Armut bekämpfen: Die speziell gegossenen Bausteine können Menschen in Krisenregionen oder nach Naturkatastrophen helfen, schnell mit Material vor Ort Häuser zu errichten. „Der Bau eines Hauses mit 60 Quadratmetern Fläche dauert nur einen Tag“, sagt Gerhard Dust, der die Firma Poly­care 2010 nach dem verheerenden Erdbeben auf Tahiti mitgründete. Sie habe die Zulassung für Afrika und eine erste Fabrik in Namibia aufgebaut. Verhandlungen für weitere würden in Ländern wie Ghana, Senegal, Südafrika und Ruanda derzeit geführt.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, Unep, fordert indes internationale Regeln für den Sandabbau. Das kostbare Gut könne in Gebäuden teilweise ersetzt werden, etwa durch Sägemehl, sagte Projektleiter Pascal Peduzzi. Firmen sollten deswegen Recyclingmaterial für den Bau entwickeln. „Denn unsere Gesellschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut.“

Das kleine Münchner Unternehmen Multicon hat daher eine Technik entwickelt, um feine Sande für Beton nutzbar zu machen. Dabei wird Sand zu Mehl zermahlen und bei schnellem Drehen auf Pelletiertellern zu größeren Granulaten verdichtet, erklärt der technische Direktor Helmut Rosenlöcher. Die Stoffe aus Wüstensand werden dann mit einem in

Hochgeschwindigkeitsmischern hergestellten Zementleim gemischt. „Der Bedarf im Mittleren Osten ist enorm“, erzählt Rosenlöcher. Er habe schon Anlagen nach Dubai und Ägypten verkauft und Geschäftskontakte nach Jordanien, Saudi-Arabien und Kuwait geknüpft. Dabei arbeitet Multicon mit dem Maschinenbauer Haver & Boecker aus Oelde im Münsterland zusammen.

Die Sandmafia blüht

Das Verfahren könnte eines Tages helfen, den illegalen Abbau von Sand einzudämmen. „Flüsse, Deltas und Küsten werden ausgewaschen, Sandmafias blühen“, warnt die Unep. In Marokko etwa hätten Schmuggler den Sand an einem Küstenstreifen so weit abgetragen, bis nur noch Steine übrig blieben.

„Die Sandmafia kann nur arbeiten, weil der Betonbedarf nicht gedeckt wird“, sagt Rosenlöcher. Auch der umweltschädliche Transport von Sand aus Australien mit einem immensen CO2-Ausstoß müsse nicht sein. Stattdessen ließe sich Wüstensand an Ort und Stelle entnehmen, sagt Rosenlöcher.

Multicon ist nicht die einzige Firma, die derzeit an neuen Sandverfahren tüftelt. Gerhard Dust, Gründer des Thüringer Unternehmens Polycare, hat mit seinen Mitarbeitern ein System entwickelt, um vorgeformte Bausteine aus Sand oder Schutt zu gießen. „Es funktioniert wie Lego“, sagt er. Dust verwendet dazu Polyesterharz als Bindemittel, um aus Sand oder Schutt Polymerbeton herzustellen. „Er ist fester als Granit und härtet in 20 Minuten aus“, sagt Dust. Auch Wüstensand sei dazu verwendbar.

Fragen bleiben offen

Der Haken an dem Verfahren: Polyesterharz ist nicht nachhaltig und wird aus Erdöl gewonnen. Polycare aus Gehlberg arbeite daran, ihn zunehmend aus recycelten PET-Flaschen zu gewinnen, so Dust. Noch ist die Bautechnik von Poly­care in Deutschland nicht zu gelassen.

Den globalen Sandmangel werden die Start-ups allerdings so schnell nicht beheben können. „Die Idee etwa von Multicon ist zwar gut, aber es bleiben Fragen offen“, sagt Barbara Leydolph vom Institut für Angewandte Bauforschung Weimar. So müssten die Pellets noch resistent gegen Frost gemacht und nachbehandelt werden, um schwere Lasten auszuhalten. „Da steckt noch viel Arbeit dahinter.“

Von RND/dpa