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Wirtschaft Bahn frei für schnelles Internet auf dem Land
Nachrichten Wirtschaft Bahn frei für schnelles Internet auf dem Land
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21:44 21.05.2010
Poker beendet: Netzagentur-Chef Matthias Kurth (Mitte) unterhält sich mit Niek Jan van Damme von der Telekom (rechts) und dem Deutschlandchef von Vodafone, Fritz Joussen.
Poker beendet: Netzagentur-Chef Matthias Kurth (Mitte) unterhält sich mit Niek Jan van Damme von der Telekom (rechts) und dem Deutschlandchef von Vodafone, Fritz Joussen. Quelle: dpa
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Die Mammutaufgabe ist bewältigt: Nach 27 Auktionstagen mit 224 Bieterrunden und einem Gesamterlös von 4,4 Milliarden Euro für die Staatskasse steht dem Internetausbau per Funk in Deutschland nichts mehr im Wege. Jetzt können die Bewohner ländlicher Gebiete hoffen. Sie sollen als erste profitieren und schnellere, bezahlbare Internetanschlüsse via Antenne erhalten.

Die vier deutschen Mobilfunker boten in Mainz für ein Spektrum von 360 Megahertz, das ist mehr als in Deutschland bisher überhaupt für Mobilfunk genutzt wird. Darunter sind auch die begehrten Frequenzen aus dem 800-Megahertz-Bereich. Diese bisher für den Rundfunk genutzten Frequenzen verfügen über besonders gute Ausbreitungsfähigkeiten. So lassen sich große Gebiete mit nur wenigen Sendemasten abdecken.

Nach den Auflagen der Bundesnetzagentur müssen die Mobilfunkbetreiber erst die „weißen Flecken“ beseitigen, bevor sie die 800-Megahertz-Frequenzen auch in Ballungsräumen nutzen dürfen, etwa für breitbandige Anwendungen auf Multimedia-Handys. Der Ausbauplan sieht verschiedene Prioritätsstufen vor – zuerst sollen kleine Gemeinden mit bis zu 5000 Einwohnern erschlossen werden. Die Liste der bundesweit unterversorgten Orte ist 244 Seiten lang. Konkrete Ausbaupläne für Niedersachsen nannten die Unternehmen noch nicht.

Alle halten sich mit festen Zusagen zurück, welche Regionen zuerst an die Datenautobahn angeschlossen werden. Zügig solle der Ausbau vorangehen, lautet das Versprechen lediglich. „Ausgewählte Geschäftskunden“ sollen immerhin noch in diesem Jahr in den Genuss der vierten Mobilfunkgeneration LTE kommen, sagte Bernhard Preilowski, Technik-Chef Nord der Deutschen Telekom. Massenmarkttaugliche LTE-Endgeräte wie Handys oder Laptopkarten soll es aber erst im kommenden Jahr im Handel geben. Deshalb strengt sich die Telekom parallel an, ihr bestehendes UMTS-Netz auf eine Bandbreite von 14,4 Megabit pro Sekunde auszubauen. Das sei bis zum Jahresende erreicht, sagte Preilowski.

E-Plus hingegen plant sogar einen Ausbau auf 21,4 Megabit bis Ende 2012. Bei den für LTE begehrten 800-Megahertz-Frequenzen war das Unternehmen als einziges leer ausgegangen. Analysten werten dies als gravierenden Wettbewerbsnachteil für E-Plus und erwarten bereits eine Konsolidierung des Marktes auf nur noch drei Netzbetreiber.

Bei E-Plus sieht man dies freilich nicht so – und macht eine andere Rechnung auf: Während die Konkurrenten Vodafone, O2 und Telekom jeweils 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro für ihre Frequenzpakete ausgeben müssten, habe E-Plus nur 283 Millionen Euro zu zahlen. „Wir haben viel Geld gespart“, sagte ein E-Plus-Sprecher. „Das werden wir in Reichweite, Kapazität und Geschwindigkeit unseres Netzes investieren.“ Das Geld fließe in den Ausbau der Frequenzen, für die es längst Endgeräte im Handel zu kaufen gebe – anders als bei LTE.

Mit einem Gesamterlös von 4,4 Milliarden Euro wurde die Auktion weitaus günstiger als von Analysten und Ratingagenturen erwartet. Hohe Kosten kommen auf die Mobilfunkbetreiber für den Ausbau nicht zu, erklärt Vodafone-Chef Fritz Joussen. „Wir müssen keine neuen Mobilfunkstationen bauen, sondern lediglich die Technik aufrüsten.“ Joussen will einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in die „weißen Flecken“ investieren. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was etwa die Verlegung von Glasfaserkabeln kosten würde.

Helmut Klausing (mit: dpa)