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Wirtschaft Saures für das Zuckerkartell
Nachrichten Wirtschaft Saures für das Zuckerkartell
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09:06 21.03.2015
Von Lars Ruzic
Bahlsen und Co bereiten eine Klagewelle gegen die Zuckerkonzerne vor.
Bahlsen und Co bereiten eine Klagewelle gegen die Zuckerkonzerne vor. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Das Bundeskartellamt brummte der Braunschweiger Nordzucker und den Konkurrenten Südzucker und Pfeiffer & Langen eine Strafe von 280 Millionen Euro auf, weil sie über gut 15 Jahre die Preise abgesprochen hatten. Die Delinquenten zahlten, gelobten Besserung – und hofften, damit habe sich die Sache erledigt.

Weit gefehlt. Der bittere Nachgeschmack kommt erst noch. Die Industrie will die Abzocke – angeblich soll das Kartell stets 10 Prozent auf die Preise draufgeschlagen haben – nicht auf sich sitzen lassen. Die Zahl der Betriebe, die  nun Schadensersatzforderungen prüfen, dürfte sich im dreistelligen Bereich bewegen. Kartellexperten rechnen mit einer „Klagewelle von einem in Deutschland bislang ungekannten Ausmaß“. Auf bis zu 3 Milliarden Euro, berichtet das „Handelsblatt“, könnten sich die Forderungen am Ende summieren.

Den Anfang macht der Bonbon-Hersteller Vivil. Das Unternehmen fordert von Südzucker 1,3 Millionen Euro, wie das Landgericht Mannheim gestern bestätigte. Ein erster Verhandlungstermin steht am 3. Juli an. Das Offenburger Unternehmen gehört unter den Geschädigten zweifelsohne zu den „kleinen Fischen“. Bei Keksherstellern wie Bahlsen oder Lambertz, den Saftproduzenten oder Marmeladeanbietern ist der Zuckerbedarf weitaus höher.

Kein Wunder, dass überall Vorbereitungen für Rückforderungen laufen. „Wir prüfen derzeit mögliche Schritte“, sagte ein Sprecher von Bahlsen. Dass das nicht nur für die Hannoveraner gilt, zeigt die Tatsache, dass beim Kartellamt 94 Anträge auf Akteneinsicht eingegangen sind. Dabei muss es nicht immer zu Klagen kommen – mancher wird eine außergerichtliche Einigung vorziehen. Südzucker soll dafür schon Rückstellungen gebildet haben.

In der Branche gilt als offenes Geheimnis, dass sich auch die großen Handelskonzerne beteiligen werden. Nicht nur, weil sie den (überteuerten) Haushaltszucker von Nordzucker und Co. in ihren Regalen hatten. Sie verkauften auch Süßwaren, die durch den hohen Zuckerpreis teurer waren, als sie hätten sein dürfen.