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Wirtschaft Merkel mahnt mehr Datenschutz an
Nachrichten Wirtschaft Merkel mahnt mehr Datenschutz an
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22:01 09.03.2014
Von Stefan Winter
Angela Merkel und David Cameron treffen zur Eröffnung der CeBIT im HCC ein.
Angela Merkel und David Cameron treffen zur Eröffnung der CeBIT im HCC ein. Quelle: rtr
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Hannover

Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt auf schnelle Fortschritte beim europäischen Datenschutz. „Wir brauchen einen digitalen Binnenmarkt“, sagte sie zur Eröffnung der CeBIT am Sonntagabend in Hannover. Auf diesem Gebiet sei die EU noch nicht so weit wie bei realen Gütern. In den nächsten Monaten  müssten hier Pflöcke eingeschlagen werden. Dabei sollten Deutschland und Großbritannien eng zusammenarbeiten, sagte sie an Premierminister David Cameron gewandt, der das diesjährige CeBIT-Partnerland vertrat. Auch Cameron bot eine engere Zusammenarbeit beider Länder im IT-Bereich an.

Die Politik stehe „erst am Anfang eines Ordnungs- und Rechtsrahmens“ für die digitale Wirtschaft, sagte Merkel. Unter dem Motto Datability ist die Auswertung riesiger Datenmengen in diesem Jahr das Kernthema der CeBIT, und die Forderung nach sicherem und verantwortungsvollem Umgang mit diesen Daten zog sich durch alle Reden der Eröffnungsfeier. Merkel betonte die Abwägung von Chancen und Risiken und ließ hier und da ironische Skepsis angesichts der technischen Möglichkeiten anklingen: Es gehe wohl auch um die „Selbstbehauptung des Menschen kurz vor seiner Überflüssigmachung“.

„Es geht um den richtigen Weg in die digitale Welt“, sagte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf. Verwertung und gleichzeitiger Schutz von Daten erforderten einen Spagat, der aber möglich sei. Big Data, die Datenauswertung in bisher nicht bekannten Dimensionen, biete nicht nur Chancen für Unternehmen, sondern zum Beispiel auch in der Medizin und beim Umweltschutz. Kempf sagte aber auch, dabei würden „Daten in einer Menge und Sensibilität entstehen, die alles übersteigt, was wir uns vorstellen können“.

VW-Chef Martin Winterkorn gab einen Ausblick auf das selbststeuernde Auto und warnte ebenfalls vor grenzenloser Datenauswertung. „Ja zu Big Data und mehr Sicherheit und Komfort, aber Nein zu Bevormundung und Big Brother“, sagte Winterkorn. Angesichts der bei vernetzten Autos anfallenden Datenmengen forderte er eine Selbstverpflichtung der Autoindustrie zum verantwortungsvollen Umgang damit. „Der Volkswagen-Konzern steht dafür bereit.“

Mehr Informationstechnik im Auto bedeute auch neue Industriestrukturen, sagte Winterkorn. „Das intelligente Auto der Zukunft kann niemand im Alleingang entwickeln.“ Die Autoindustrie könne nicht die Leitzentralen für den Verkehr aufbauen, andererseits werde sich die IT-Branche wohl nicht an Motorentwicklung und Karosseriebau versuchen. Um die Digitalisierung im Verkehr voranzubringen, sei der „ganz große Schulterschluss“ beider Branchen sowie von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nötig. Die großen Aufgabengebiete seien Modernisierung der Infrastruktur, die Klärung rechtlicher Aspekte und die Stärkung des IT-Standorts Deutschland.