Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Abwärtstrend der deutschen Wirtschaft
Nachrichten Wirtschaft Abwärtstrend der deutschen Wirtschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:41 22.06.2012
Foto: Die Stimmung der deutschen Wirtschaft ist noch gut - jedoch bereitet die Eurokrise zunehmend Sorgen.
Die Stimmung der deutschen Wirtschaft ist noch gut - jedoch bereitet die Eurokrise zunehmend Sorgen. Quelle: dpa
Anzeige
München

Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in den Abwärtssog der Eurokrise. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Juni auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage zwar etwas besser als im Mai, aber die Erwartungen für das kommende Halbjahr brachen ein. „Die Unsicherheit schwebt wie ein Damoklesschwert über der deutschen Wirtschaft", erklärte ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb am Freitag in München.

Der ifo-Index sank im Juni weiter von 106,9 auf 105,3 Punkte. Die Industrie habe im Moment zwar noch ein recht gutes Auftragspolster, und die Auslastung der Fabriken sei mit zuletzt 85 Prozent noch gut, sagte Nerb. Aber der Auftragseingang sei schon seit Monaten rückläufig. Ob Metall-, Elektro- oder Autoindustrie, „die Erwartungen sind überall deutlich zurückgegangen. Das ist ein Warnzeichen!" sagte der Konjunkturforscher: „Da kommt eine wachsende Skepsis zum Ausdruck."

Die Geschäftserwartungen der Exportindustrie sind nur noch knapp im positiven Bereich. Auch im Inlandsgeschäft sanken sie. Mit Neueinstellungen halten sich die Unternehmen zurück: „Sie versuchen, ihren derzeitigen Personalbestand zu halten", sagte Nerb.
Der ifo-Index für die aktuelle Lage verbesserte sich nach dem Einbruch im Mai zwar leicht von 113,2 auf 113,9 Punkte. Aber der Index für die Geschäftserwartungen bis Dezember stürzte von 100,8 auf nur noch 97,3 Punkte ab.

Etwas erholt hat sich das Geschäftsklima im Einzelhandel. Nach dem überraschenden Einbruch im Mai sehen die Einzelhändler ihre Geschäftslage jetzt wieder deutlich besser und ihre Aussichten nicht mehr ganz so pessimistisch. Angesichts der stabilen Beschäftigungslage und Einkommen sei diese Korrektur zu erwarten gewesen, sagte Nerb. Auf dem Bau hellte sich das Klima leicht auf, während im Großhandel die Skepsis zunahm.

Bankvolkswirte hatten den weiteren Rückgang des ifo-Index erwartet und nannten die Lage in Spanien und Italien als Hauptgrund. Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie steht auf Produktionsrückgang. Auch deshalb sei der Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas im Mai und Juni ein schlechtes Omen für die deutsche Wirtschaft, betonte Commerzbank-Experte Ralph Solveen.

Allianz-Konjunkturexperte Rolf Schneider sagte, die stark verschlechterten Geschäftserwartungen seien „noch nicht so negativ, dass auf eine beginnende Rezession in Deutschland zu schließen ist", er rechne dieses Jahr weiterhin mit 1,0 Prozent Wachstum. „Die Konjunkturrisiken haben aber deutlich zugenommen", es werde eine Gratwanderung.

Der Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Bertram Brossardt, sagte am Freitag, nach dem guten Jahresanfang „spüren die Betriebe zunehmend Sand im Getriebe, wenn es darum geht, neue Aufträge zu gewinnen. Die schwache weltwirtschaftliche Entwicklung und die Unsicherheit aufgrund der Eurokrise machen sich bemerkbar."

Ausländische Investoren glauben einer Umfrage zufolge aber weiter an den Standort Deutschland. Neun von zehn Managern seien zuversichtlich, dass Deutschland die Krise meistere, teilte die Beratungsgesellschaft Ernst & Young mit.

dpa

Mehr zum Thema

Nächste Runde im Kampf gegen die Euro-Krise: Staats- und Regierungschefs der EU wollen am Donnerstag in Brüssel über die Schuldenkrise beraten. Mit einer Entscheidung zur Aufstockung der europäischen Rettungsschirme ist nicht zu rechnen.

01.03.2012

Das zweite Griechenland-Hilfspaket braucht mehr Zeit als ursprünglich angenommen. Daher wird auch das für Mittwoch geplante Ministertreffen nicht stattfinden.

14.02.2012

Verheerendes Urteil über die Merkel-Regierung: 82 Prozent halten das Management in der Schuldenkrise für schlecht. Nach einer Umfrage sind die Euroskeptiker in Deutschland klar in der Mehrheit: Zwei Drittel lehnen Hilfen für Griechenland und andere Partner ab.

16.09.2011
22.06.2012
Wirtschaft Eröffnungstermin und Kosten - Aufsichtsrat tagt zu Hauptstadtflughafen
22.06.2012