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Wirtschaft Abbott streicht 290 von 800 Stellen in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Abbott streicht 290 von 800 Stellen in Hannover
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16:19 22.09.2010
Von Jens Heitmann
Im Gebäudekomplex an der Hans-Böckler-Allee leben Solvay und Abbott noch unter einem Dach.
Im Gebäudekomplex an der Hans-Böckler-Allee leben Solvay und Abbott noch unter einem Dach. Quelle: Michael Thomas
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Der amerikanische Pharmakonzern Abbott will nach der Übernahme der Arzneimittelsparte von Solvay in den kommenden zwei Jahren 3000 Stellen streichen – knapp jede zehnte davon am Standort Hannover. Die Arbeitsplatzabbau trifft alle Bereiche von der Forschung über die Produktion bis zum Vertrieb und zur Verwaltung. So solle zum Beispiel die US-Zentrale von Solvay in Georgia bis Ende nächsten Jahres geschlossen werden, teilte Abbott am Dienstag mit. Rund 500 Stellen fallen durch die Schließung eines Werkes in den Niederlanden weg.

„Wir sind von der Nachricht am Morgen völlig kalt erwischt worden“, sagte die hannoversche Gesamtbetriebsratsvorsitzende Gabriele Zielke. „Das ist ein sehr schlechter Tag für den Standort.“ Nach dem Vollzug der Übernahme durch Abbott im Februar hatten sich Arbeitnehmervertreter noch optimistisch gezeigt – mit einem Stellenabbau sei nicht zu rechnen, hieß es seinerzeit.

Die Zuversicht gründete unter anderem darauf, dass Abbott mit der Solvay-Sparte sein schwächelndes Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten stärken wollte und anders als der bisherige belgische Mutterkonzern auch bereit schien, kräftig in diesen Bereich zu investieren. Solvay und Abbott hatten bereits in der Vergangenheit bei der Entwicklung von Präparaten zusammengearbeitet. Nun streichen die Amerikaner Standorte und Forschungsprojekte zusammen. Wie hoch die Kosteneinsparungen ausfallen sollen, wollte eine Unternehmenssprecherin nicht sagen.

Zunächst kostet der Konzernumbau Abbott viel Geld. Das Unternehmen bezifferte die Belastungen gestern auf 810 bis 970 Millionen Dollar in den nächsten beiden Jahren. Etwa 475 bis 640 Millionen Dollar sollen bereits in diesem Jahr anfallen; rund 430 Millionen Dollar würden bereits im dritten Quartal wirksam, hieß es. Abbott hat für Pharmasparte von Solvay 4,5 Milliarden Dollar bezahlt.

Am Standort Hannover unterhält Abbott bisher knapp 800 Arbeitsplätze – davon sollen nun 290 wegfallen. Von hier aus hatte Solvay sein weltweites Pharmageschäft gesteuert. Nun sei geplant, „die globalen Marketingaufgaben in die bestehenden globalen Strukturen von Abbott an anderen Standorten zu integrieren“, teilte der Konzern mit. Außerdem werde ein Teil der bestehenden Grundlagenforschungs- und Entwicklungsprojekte an anderen Abbott-Standorten weiterzuführen. Einzelne Programme, die nicht zur Konzernstrategie passten, würden ganz eingestellt.

„Das Wissen und die Erfahrung vieler unserer Mitarbeiter sind offenbar wertlos für Abbott“, sagte Betriebsratschefin Zielke. Die Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan sollen demnächst beginnen.

22.09.2010
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