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Promis Heiner Lauterbach: „Wir Schauspieler sind zu Ich-AGs geworden“
Nachrichten Promis Heiner Lauterbach: „Wir Schauspieler sind zu Ich-AGs geworden“
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17:59 28.05.2019
Arbeitet jetzt auch als Honorarprofessor in Berlin: Heiner Lauterbach. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Heiner Lauterbach, Sie wurden in Berlin zum Professor für Schauspiel, Film und Fernsehen berufen und hatten am Dienstag Ihren ersten Workshop. Wie haben sie sich auf die neue Aufgabe vorbereitet?

Mit einer größtmöglichen Flexibilität. Ich muss erst mal abklopfen, wo die Bedürfnisse der Studierenden sind, in welchem Stadium der Ausbildung sie sich befinden, ob sie überhaupt schon was mit der Schauspielerei zu tun haben und wenn ja, inwieweit.

Sie waren selbst früher auf einer Schauspielschule, kann man das mit dem neuen Schauspielstudiengang in Berlin vergleichen?

Nein. Was ich im ersten Workshop mit den Studierenden gemacht habe, war in den klassischen Schauspielschulen eher weniger angesagt. Es war eine Art Schnupperkurs, in dem wir sehr viele Dinge angerissen haben, zum Beispiel wie sich die Schauspieler heute aufstellen in der neue digitalen Welt, aber auch die Unterschiede zwischen Theater, Film und Fernsehen.

Wie sehr hat sich der Beruf des Schauspielers seit Ihrer Zeit an der Schauspielschule verändert?

Heutzutage bewegen wir uns ja zwischen Youtube-Videos und Streamingdiensten, es ist längst nicht mehr nur der Blick zurück im Zorn, mit dem wir uns beschäftigen, sondern der bange Blick nach vorn, zum vielleicht irgendwann komplett digitalisierten und animierten Schauspieler. Wir Schauspieler sind längst zu Ich-AGs geworden, die sehr auf die Art der Selbstvermarktung achten müssen und wie man sich seiner Arbeit nähert.

Was ist für Sie das Wichtigste im Beruf des Schauspielers, das Sie den Studenten mitgeben wollen?

Ich habe im Workshop als erstes die Aufgabe gestellt, dass jeder den Satz „Schauspielerei ist…“ vervollständigt. Meine Antwort war: „Schauspielerei ist der Transport von Gefühlen“. Nur wenn wir es schaffen, wahre, ehrliche Menschen zu bleiben mit glaubhaften, nachvollziehbaren Gefühlen, werden wir es auch schaffen, unser Publikum in den Bann zu ziehen.

Sie sind gerade in „Der Fall Collini“ an der Seite von Elyas M’Barek zu sehen, der ja sehr erfolgreich ist und nie eine Schauspielschule besucht hat. Kann man das Schauspielern also auch durch Learning by Doing erlernen?

Ja, wie man sieht geht das. In der Regel halte ich eine Ausbildung – wie auch immer die aussehen mag – aber für sinnvoll. Ob man das jetzt bei einem Privatlehrer macht, an einer Schauspielschule, in Form von vielen Theaterengagements, die man eingeht und sich da langsam hocharbeitet, das bleibt dahingestellt. Ich glaube wenn man sie nicht hat, wird es einem irgendwann in seinem beruflichen Leben fehlen.

Gibt es andere Schauspieler, von denen sie bei Dreharbeiten oder Bühnenproben etwas gelernt haben?

Ich habe keine Idole in dem Sinne. Aber wir imitieren ja permanent Menschen. Wenn ich in der Straßenbahn fahre, schaue ich mir Menschen und deren Verhaltensmuster an, um das zu adaptieren auf mein Spiel. So machen wir das vermutlich auch mit anderen Schauspielern. Ich würde aber keinem dazu raten, einen Schauspieler bewusst imitieren zu wollen und sich zu fragen: Wir würde der das wohl spielen?

Müssen Sie jetzt für Ihre Arbeit als Professor ihr Schauspielengagement zurückfahren, um Unterrichten, Schauspielern und Familie unter einen Hut zu bringen?

Das wird sich auf zwei bis drei konzentrierte Doppeltage im Jahr beschränken, in denen ich unterrichte, sodass ich da nicht großartig auf irgendwelche Engagements verzichten muss.

Würden Sie ihren Kindern heutzutage raten, Schauspieler zu werden?

Nur wenn sie den dringlichsten Wunsch danach empfinden und wenn Sie die nötige Leidenschaft haben – dann ja, es ist ein sehr schöner Beruf. Meine Tochter möchte Schauspielerin werden, mit der habe ich gerade noch einen Film abgedreht, sie hat großes Talent. Wenn sie das nicht verliert und die Leidenschaft bleibt und sich verstärkt, dann soll sie das machen.

Von Hannah Scheiwe/RND

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