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Promis Claudia Schiffer zeigt es allen
Nachrichten Promis Claudia Schiffer zeigt es allen
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06:00 22.09.2017
Im Mittelpunkt: Claudia Schiffer 1995 bei einer „Valentino“-Kampagne, fotografiert von Arthur Elgort. Quelle: Foto: Arthur Elgort
Berlin

Leicht geöffneter Mund, drei bis fünf sichtbare Zähne, Blick einen Hauch am Betrachter vorbei. Das ist Claudia Schiffer, wie sie Karriere machte, damals 1987, wie sie 500 Magazintitel zierte, wie sie Karl Lagerfeld so sehr begeisterte, dass er sie „Muse“ nannte, seine „Kloodia“. Unantastbar wirkt sie auf den Bildern dieser Ära. Schüchtern, aber fraulich und stark. Egal, ob sie für das Foto auf dem Sofa liegt, im Gästezimmer Zigarette raucht oder mit Jeans und BH durch die Straßen Nashvilles läuft.

Claudia Schiffer. Quelle: Ellen von Unwerth

Nachvollziehbar ist das in einer sehenswerten Ausstellung in der CWC Gallery Berlin, die am Sonnabend öffnet. Über 100 Schiffer-Bilder hängen hier, schlicht gerahmt in Räumen mit Industriecharme, der so beliebt ist bei Berliner Galeristen. Zeugnisse der Ära der Supermodels, zu denen Schiffer neben Kate Moss, Naomi Campbell und Cindy Crawford gehört. Eine Zeit, in der es noch keine Body-Acceptance-Bewegung gab, in der Drogen ein alltägliches Konsumgut der Branche waren, in der Distanz als Marke galt. Model Linda Evangelista sagte damals, für einen Betrag unter 10 000 Dollar stünde sie morgens gar nicht erst auf.

Claudia Schiffer, mittlerweile 47 Jahre alt, hat das nie getan, obwohl ihre Tagesgagen in den Neunzigerjahren zwischen 25 000 und 75 000 D-Mark lagen. Sie war Teil der ganz großen – und doch galt sie stets als Ausnahme mit deutschen Tugenden. Keine Ausraster und keine Gewalt wie Naomi Campbell, keine Drogen wie fast alle. Für ihre Titelseiten mussten sich Boulevardblätter mit Lappalien begnügen, aus denen sie Skandälchen bauten, mehr war nicht drin. Claudia Schiffer ist eine Art Volkswagen (vor dem Dieselskandal!) unter den Models: beliebt, aber unauffällig. „Das machte sie bei Unternehmen umso beliebter“, sagt Alexander Golya von der ausstellenden Galerie. Sein Unternehmen Camera Work vertritt die meisten von Schiffers Fotografen.

Claudia Schiffer. Quelle: Ellen von Unwerth

Mit Volkswagen verbindet Schiffer zudem ihre Zeitlosigkeit. Schiffer vor 30 Jahren entspricht fast eins zu eins Claudia Schiffer heute.

Seit den Neunzigerjahren jedoch hat sich das Geschäft verändert. Heute ist gefühlt jede zweite Frau unter 25 auf Facebook und Instagram ein kleines bisschen Supermodel. Ihre Posen sind freizügiger, ihre Blicke direkter. Models für jeden Geschmack, gefunden mit wenigen Suchworten bei Google; vor allem jedoch nahbar. Sie erzählen in sozialen Medien, was es zum Mittag gab und dass sie sich über das Wetter freuen. Auch Claudia Schiffer hat Instagram, dort folgen ihr zwar 636 000 Menschen, die Beauty-Queens der Zeit jedoch bekommen ganz andere Abonnentenzahlen. Allein die deutschen 15-jährigen Teilzeit-Model-Zahnspangen-Zwillinge Lisa und Lena zählen 11,8 Millionen.

Schiffer war beliebt, aber unauffällig. Quelle: Camera Work

Auch die Veränderung des Model-Images zeigt die CMC Gallery. Noch immer gibt es typische Schiffer-Bilder. Aber es gibt auch Fotos, die weitergehen. Darauf ist jetzt nicht mehr Schiffer das Exklusive, sondern das Gesamtkunstwerk.

So wunderbar fotografierte 2009 beispielsweise Erwin Wurm Claudia Schiffer als Stilmittel in einem traditionell eingerichteten Wohnzimmer. Ihr Kopf liegt auf einem Holztisch, auf ihren Haaren ein Suppenteller. Die Farben sind perfekt aufeinander abgestimmt. Harmonie und Dissonanz aufs Beste vereint. Camilla Arkins zeigt in einigen ihrer Bilder von 2010 nicht einmal mehr Schiffers Gesicht. Da sitzt sie, so verletzlich, abgewandt auf dem Bett und vor einem Fenster. Eine großartige Serie, in der jeder Schattenwurf sitzt, in der so viel Tiefe schlummert wie auf keinem Instagram-Profil. Exklusivität geht heute anders, Unantastbarkeit geht nicht mehr.

Exklusivität geht heute anders. Quelle: Camera Work

Interessant: Im Bildband zur Claudia-Schiffer-Ausstellung, kuratiert vom Model selbst, sind diese neuen Bilder und dieser Wandel nicht enthalten. Dort will sie die sein, die sie einst war: Die Frau mit dem leicht geöffneten Mund, drei bis fünf sichtbare Zähne, Blick einen Hauch am Betrachter vorbei.

Die Ausstellung „Claudia Schiffer“ läuft von Sonnabend an bis zum 11. November in der CWC Gallery Berlin, Auguststraße 11. Der Eintritt ist frei.

Von Julius Heinrichs

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