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Niedersachsen Wulff bedankte sich bei Nahrstedt
Nachrichten Politik Niedersachsen Wulff bedankte sich bei Nahrstedt
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19:16 19.09.2010
Christian Wulff
Christian Wulff Quelle: dpa
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Im Zentrum steht der bisherige Stadtwerke-Sprecher Maik Nahrstedt, ein langjähriger Vertrauter von Karp, der sich selbst der illegalen Arbeit für die CDU bezichtigt. Er sei von Karp angewiesen worden, während seiner Arbeitszeit für die CDU tätig zu sein und Kosten für Benzin, Fotos und Laptops über die Stadtwerke abzurechnen. Mit einem Dienstwagen der Stadtwerke sei er zu CDU-Terminen unterwegs gewesen, erklärte Nahrstedt.

Am Wochenende hatten zwei frühere Führungskräfte der Stadtwerke die Darstellung von Nahrstedt teilweise bestätigt. Über Nahrstedts Rolle in den Stadtwerken heißt es, dass immer dann, wenn er im Tischkalender „Termin“ eingetragen hatte, sich dahinter eine Tätigkeit für die CDU verborgen habe. So seien Fahrten Nahrstedts zum politischen Aschermittwoch nach Passau im Februar 2002 oder zu einem Strategiegespräch mit Karp auf Sylt im Mai 2002 als „Dienstreise“ für die Stadtwerke abgerechnet worden. Beide Termine hätten zum CDU-Landtagswahlkampf für die Wahl 2003 gehört. Dazu sagte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele am Sonntag dieser Zeitung: „Es mag sein, dass Herr Nahrstedt in Passau und auf Sylt war. Aber er war da sicher nicht im Auftrag der Landespartei, denn einen Grund dafür gab es nicht.“

Der „Spiegel“ schreibt in seiner heutigen Ausgabe, zwischen Karp und Nahrstedt, dem Karp den Spitznamen „Mieke“ verliehen hatte, habe über Jahre eine enge Freundschaft bestanden. Karp sei das Hirn, Nahrstedt der Bewunderer gewesen. Nach der erfolgreichen Landtagswahl 2003 habe Nahrstedt sogar eine Dankeskarte vom neuen Ministerpräsidenten Christian Wulff erhalten: „Danke für die Unterstützung und frohe Ostern.“

Aus der CDU hieß es am Sonntag, dies sei nicht ungewöhnlich gewesen, viele hätten solche Karten bekommen. Nahrstedt habe im Wahlkampf keine tragende Rolle gespielt, er sei verschiedentlich aber wegen seiner ungewöhnlichen Kleidung aufgefallen, einem weißen Trainingsanzug, und weil er ständig mit Fotoapparat herumgelaufen sei. Nach Angaben des „Spiegel“ kam es zum Bruch zwischen Karp und Nahrstedt, weil Nahrstedt als erfolgreicher Torschütze in einem Anzeigenblatt gefeiert worden war, dies Karp aber nicht behagt habe. Zwischen Wulff und Karp sei das Verhältnis abgekühlt, nachdem Karp 2003 eine Sekretärin von Wulff geheiratet hatte.

Nahrstedt erklärte auch, sein Einsatz im Oberbürgermeisterwahlkampf in Brandenburg 2003 an Karps Seite sei ebenfalls über die Stadtwerke abgerechnet worden. Dazu erklärte die Brandenburger Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann, Karp habe seinerzeit von ihr eine „Aufwandsentschädigung“ erhalten, von weiteren Helfern an Karps Seite wisse sie aber nichts.

Die Fraktion der Linken im Landtag forderte unterdessen einen Untersuchungsausschuss zur Aufhellung der Vorgänge. „Es erhärtet sich der Verdacht, dass es sich hier um Vetternwirtschaft, persönliche Begünstigungen und illegale Parteienfinanzierung handelt“, sagte die Fraktionsvorsitzende Kreszentia Flauger.

Klaus Wallbaum und Ulrich Franke