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Niedersachsen Was tun mit dem Asse-Müll?
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20:26 04.10.2009
Von Margit Kautenburger
Atomfass
Was passiert mit dem Atommüll in der Asse? Quelle: Nancy Heusel
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Gesucht werde die „sicherste Möglichkeit des Verschlusses“ des vom Einsturz bedrohten früheren Salzbergwerks. Dabei stehe vor allem die Sicherheit der Mitarbeiter der Schachtanlage und der Anwohner im Vordergrund, sagte König. Weitere Bewertungskriterien seien die Langzeitsicherheit, die technische Machbarkeit und der Zeitbedarf.

Das Bundesamt hatte im Frühjahr drei mögliche Alternativen für die Stilllegung genannt und dafür Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Infrage kommen die Bergung der radioaktiven Abfälle, die Verfüllung des Bergwerks mit Spezialbeton oder die Umlagerung des Mülls innerhalb des Bergwerks. König betonte, es sei keine Option dabei, die technisch nicht realisierbar wäre. Das BfS will die Studien bis Ende des Jahres bewerten und Anfang des kommenden Jahres eine Entscheidung bekannt geben. Diese werde dann mit der Öffentlichkeit diskutiert.

König betonte, er wolle ein transparentes Verfahren. Es sei das erste Mal, dass die Öffentlichkeit „von Anfang an in die Stilllegung einer kerntechnischen Anlage einbezogen wird“. Das letzte Wort habe aber die Politik.

In der Asse lagern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Die Grube ist einsturzgefährdet, es dringt Salzlauge ein. Daher sei das „Zeitkorsett“ für die Schließung sehr eng, erklärte König.

Bei dem Konzept der Rückholung müssten die Atommüllfässer ganz oder teilweise geborgen werden. Da bei der Bergung ferngesteuerte Werkzeuge eingesetzt würden, bliebe die Strahlenbelastung nach Angaben der Gutachter unter den zulässigen Grenzwerten. Ein Vorteil dieses Vorgehens ist die Geschwindigkeit. In nur 2,8 Jahren könnten nach den Gutachterberechnungen 70 Prozent des schwachradioaktiven Mülls geborgen werden. Würden hingegen alle Abfälle aus der Grube herausgeholt, dauerte dies 14,6 Jahre. Der große Unterschied liege an den erforderlichen Genehmigungsverfahren, erklärte König.

Der Nachteil der Rückholung: Das Abfallvolumen würde sich nahezu verdoppeln, da auch der Salzgrus, mit dem die Fässer zugedeckt wurden, geborgen werden müsste. Der Atommüll müsste in das im Ausbau befindliche Endlager Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden, der für schwach- und mittelradioaktiven Müll aus den Kernkraftwerken vorgesehen ist und mit dem Asse-Abfall schon bis zu einem Drittel gefüllt wäre. Die Variante Vollverfüllung hat den Vorteil, dass die radioaktiven Abfälle im Bergwerk bleiben könnten. Die Einlagerungskammern würden mit einem Mörtel verfüllt, der die Löslichkeit der radioaktiven Stoffe begrenzt. Die restlichen Grubenhohlräume würden mit einem Spezialbeton ausgegossen. Der Vorteil dieses Vorgehens: Die Strahlenbelastung von Bergleuten und Anwohnern wäre gering. Je weiter die Baumaßnahmen unter Tage fortschreiten, desto weniger gravierende Folgen hätte ein plötzlicher Wassereinbruch. Die Verfüllung würde nach Ansicht der Gutachter etwa acht Jahre dauern. Der Nachteil ist der schwierige Nachweis der Langzeitsicherheit.

Auch bei einer Umlagerung der Abfälle könnte der Atommüll im Bergwerk bleiben. Dazu müssten aber neue Schächte und Strecken aufgefahren werden. Der Nachteil besteht im großen Zeitbedarf: 15 bis 18 Jahre würde die Umlagerung des gesamten Asse-Mülls dauern. BfS-Präsident König hält eine Kombination der verschiedenen Varianten für denkbar. Die Kosten sind sehr unterschiedlich – am teuersten wäre die Rückholung des Atommülls, wie König erklärte. Er habe aber die Zusicherung der Politik, dass der Preis keinen Einfluss auf die Entscheidung habe.

Saskia Döhner 04.10.2009
Hannah Suppa 04.10.2009