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Niedersachsen Ärger bei der Klosterkammer: Chef von Klosterhotel soll 335.000 Euro veruntreut haben
Nachrichten Politik Niedersachsen Ärger bei der Klosterkammer: Chef von Klosterhotel soll 335.000 Euro veruntreut haben
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17:06 22.11.2019
Hier arbeitete Kai S., der jetzt wegen schwerer Untreue angeklagt wird: Das Klosterhotel Wöltingerode. Quelle: Christian Bohnenkamp
Hannover

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat den früheren Chef des Klosterhotels Wöltingerode, Kai S., jetzt wegen gewerbsmäßiger Untreue in 45 Fällen angeklagt. Das bestätigte Staatsanwalt Sascha Rüegg am Freitag der HAZ. Kai S. war von Dezember 2013 bis zu seiner Abberufung im Juni 2017 nicht nur Direktor des Klosterhotels, sondern auch Geschäftsführer der Cellerar GmbH, einer Tochtergesellschaft der Klosterkammer Hannover. Er soll sich massiv bereichert haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht von einem Gesamtschaden von mindestens 335.000 Euro aus.

Kai S. soll sogar Bargeld von Adventsmärkten abgezweigt haben

Dem ehemaligen Geschäftsführer wird vorgeworfen, seine Stellung ausgenutzt zu haben, um sich persönlich zu bereichern. So habe er die Auszahlung von Tantiemen und Gehältern von ca. 93.000 Euro an sich selbst veranlasst. Ferner soll er laut Anklage hohe Bargeldbeträge aus den Umsätzen des jährlichen Adventsmarktes auf dem Klostergelände abgezweigt haben. Auch soll er laut Anklage Einnahmen der Cellerar-Gesellschaft aus der Teilnahme an Weihnachtsmärkten in Goslar und Hildesheim veruntreut haben.

Privatanschaffungen über Klosterhotel abgerechnet

Der Beschuldigte soll auch private Kosten und Anschaffungen für ein von ihm zwischenzeitlich betriebenes Hotel in Goslar über die Buchhaltung des Klosterhotels Wöltingerode abgerechnet haben – unberechtigterweise. Die Klosterkammer hatte den Geschäftsführer im Juni 2017 abberufen, als sie erfuhr, dass er noch als Geschäftsführer für ein Hotel tätig war, das angeblich seiner Frau gehörte.

Cellerar GmbH macht Minus mit Restaurants

Die Cellerar-Gesellschaft betreibt derzeit noch eine Menge anderer gastronomischer Betriebe und hat 2017 und 2018 erhebliche Defizite produziert – 2017 an die 1,7 Millionen Euro und 2018 knapp 2,6 Millionen Euro. So hat sie noch Pachtverträge für das Restaurant OS im Knochenhaueramtshaus in Hildesheim, für ein Casino im Weltkulturerbe Rammelsberg in Goslar sowie ein Restaurant in Derenburg.

Die Pachtverträge für diese Restaurants sollen zum 31. Dezember 2020 auslaufen, teilte die Landesregierung vor Kurzem mit. Sie hat die Aufsicht über die Klosterkammer, zu deren defizitären Betrieben auch die Altenauer Brauerei im Harz gehört. Die Cellerar-Gesellschaft betreibt auch das Restaurant Zeitfür im niedersächsischen Landtag.

Polizei durchsucht Wohnung nach Bargeld – mit Spürhund

Im Zuge der zweijährigen Ermittlungen gegen Kai S. seien auch die Wohnräume des Beschuldigten durchsucht worden, berichtet Staatsanwalt Rüegg. Hier sei sogar ein auf Bargeld spezialisierter Suchhund zum Einsatz gekommen, der jedoch kein Bargeld erschnüffelte.

Kai S. trug falschen Doktortitel

Im Nachhinein stellt sich nicht nur für die Klosterkammer die Frage, warum Kai S. überhaupt in die Position eines Geschäftsführers kommen konnte, denn das ehemalige CDU-Mitglied war kein unbeschriebenes Blatt. So hatte der studierte Theologe in Rheinland-Pfalz schon einiges Aufsehen erregt. Er hatte sich in der Stadt Landau um das Amt des Oberbürgermeisters beworben, jedoch zurückgezogen, als aufflog, dass er einen falschen Doktortitel trug.

Ein Freund aus einer Studentenverbindung soll ihn nach Informationen der HAZ dann im Kloster untergebracht haben. Sein Expansionskurs im gastronomischen Bereich wurde lange Zeit vom Präsidenten der Klosterkammer, Hans-Christian Biallas, gutgeheißen, der hier einen neuen Erwerbszweig für die Kammer aufbauen wollte. Nun hat er sich als schwere Hypothek erwiesen.

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Von Michael B. Berger

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