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Niedersachsen Umweltminister Sander bereitet Ansiedlung von Rudeln vor
Nachrichten Politik Niedersachsen Umweltminister Sander bereitet Ansiedlung von Rudeln vor
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11:56 23.11.2010
Umweltminister Hans-Heinrich Sander hofft, dass sich auch außerhalb des Wolfsgeheges im Zoo bald ganze Rudel in Niedersachsen ansiedeln.
Umweltminister Hans-Heinrich Sander hofft, dass sich auch außerhalb des Wolfsgeheges im Zoo bald ganze Rudel in Niedersachsen ansiedeln. Quelle: Frank Wilde
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Die Wölfe kommen. Aus dem Osten, aus Polen, rücken sie gen Westen vor. In den meisten Bundesländern ist der Wolf wieder zu Hause, und in manchen haben sich schon wieder ganze Rudel zusammengefunden. Sachsen hat fünf, Brandenburg und Sachsen-Anhalt haben jeweils eins. Aber Niedersachsen wartet noch auf seine erste Wolfsfamilie. Mal hier, mal dort sind seit 2006 einzelne Tiere gesichtet worden, in der Lüneburger Heide, im Wendland und im Solling. Fünf Rüden streifen derzeit schon durchs Land, bis sich das erste Rudel gebildet habe, sei es nur noch eine Frage der Zeit, sagte Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) am Montag bei einer Pressekonferenz vor dem Wolfsgehege im Zoo Hannover: „Die Wölfe kehren zurück, das ist sicher, und sie sind in Niedersachsen willkommen.“

Um ein friedliches Miteinander von Mensch und Wolf zu ermöglichen, hat das Umweltministerium jetzt zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium, der Landesjägerschaft und den Waldbesitzern ein Wolfskonzept verabschiedet. Es soll der Natur ihren Lauf lassen. Ein aktives Auswilderungsprojekt, wie es das Land vor zehn Jahren mit den Luchsen im Harz gestartet hat, ist nicht geplant.

Wölfe seien von Natur aus sehr scheue Tiere, sagte der Präsident der Landesjägerschaft und CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke. Anders als Füchse, die sich in den Großstädten sogar auf Kinderspielplätzen tummeln, gingen Wölfe den Menschen aus dem Weg – es sei denn, sie würden angefüttert oder hätten Tollwut.

Truppenübungsplätze in der Heide gelten nach Expertenansicht als idealer „Siedlungsort“ für Wolfsrudel. Auch in der sächsischen Lausitz war es ein Truppenübungsplatz, auf dem sich im Jahr 2000 – gut 100 Jahre nach der Ausrottung – die erste Wolfsfamilie niederließ. Aus diesem Urrudel sind bislang insgesamt 155 Welpen hervorgegangen.

Im Alter zwischen elf und 22 Monaten müssen junge Wölfe sich ein eigenes Rudel zum Jagen suchen. Die meisten Jungtiere würden sich gen Osten orientieren, sagte Dammann-Tamke, einige kämen aber sicherlich auch nach Niedersachsen. Von jedem Neuankömmling soll sofort ein genetischer Fingerabdruck erstellt werden. So soll verhindert werden, dass sich Wolfshundmischlinge oder an Menschen gewöhnte, illegal ausgesetzte „Problemwölfe“ darunter schummeln.

Minister Sander will vor allem zeigen, dass das Märchen vom bösen Wolf mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Er will mit Wolfsprogrammen in Schulen und Kindergärten aufklären, denn: „Wenn es uns gelingt, den Kindern die Angst zu nehmen, haben wir auch die Eltern gewonnen.“

Schafs- und Ziegenhalter haben trotzdem ihre Bedenken. Was, wenn ein Wolf doch mal eins ihrer Tiere reißt? Dann, verspricht Sander, werde das Land den Schaden ausgleichen.

Saskia Döhner