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Niedersachsen Klinikmörder Högel entschuldigt sich für „schreckliche Taten“
Nachrichten Politik Niedersachsen Klinikmörder Högel entschuldigt sich für „schreckliche Taten“
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10:57 05.06.2019
Niels Högel, angeklagt wegen Mordes an 100 Patienten in den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg, sitzt neben seiner Anwältin Ulrike Baumann im Gerichtssaal. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Oldenburg

Niels Högel hat sich am vorletzten Verhandlungstag des Prozesses um hundertfachen Mord in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst erstmals ausführlich bei den Angehörigen seiner Opfer entschuldigt. „Es ist mir immer gegenwärtig, wie viel unfassbares Leid ich durch meine schrecklichen Taten verursacht habe“, sagte der Ex-Krankenpfleger am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg. Er habe unzähligen Menschen das wertvollste genommen, das man haben könne: das Leben. Bei jedem einzelnen wolle er sich „aufrichtig entschuldigen“ für das, was er Angehörigen, Kollegen, Freunden und seiner Familie angetan habe. Högel betonte, dass der Prozess keine Bühne für ihn gewesen sei. „Reue und Scham sind meine täglichen Begleiter.“

Verteidigung fordert Freispruch in 31 Fällen

Zuvor hatte die Verteidigung beantragt, Högel von 31 Mordvorwürfen freizusprechen. In diesen Fällen seien die Taten nicht eindeutig zu beweisen, erklärte Verteidigerin Ulrike Baumann. Als Gründe nannte sie Zweifel der Gutachter oder Erinnerungslücken beim Angeklagten. In 14 Fällen plädierte die Verteidigung auf versuchten Mord. „Eine erfolgreiche Reanimation war in allen Fällen das Ziel von Herrn Högel“, sagte Baumann. In 55 Fällen schloss sich die Verteidigung den Mordvorwürfen der Staatsanwaltschaft an. Die Verteidigung sprach sich für eine lebenslange Haftstrafe aus. Eine Anordnung von Sicherungsverwahrung komme nicht in Betracht.

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Die Staatsanwaltschaft hatte für Högel wegen 97 Morden eine lebenslange Freiheitsstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Nur in drei Fällen sah sie keine hinreichende Beweislage. Der 42-jährige Ex-Pfleger soll von 2000 bis 2005 in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Patienten mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Das Landgericht Oldenburg hatte Högel bereits in sechs Fällen verurteilt, er verbüßt eine lebenslange Haft in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Von Marco Seng