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Niedersachsen Preisverfall verdirbt Bauern Stimmung
Nachrichten Politik Niedersachsen Preisverfall verdirbt Bauern Stimmung
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19:46 21.07.2009
Von Carola Böse-Fischer
Die Getreideernte läuft auf Hochtouren, aber die Landwirte klagen über einen drastischen Preisverfall.
Die Getreideernte läuft auf Hochtouren, aber die Landwirte klagen über einen drastischen Preisverfall. Quelle: Torsten Silz/ddp
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Allerdings zeichnet sich ein Silberstreif ab: In den nächsten zwei bis drei Jahren wird wieder mit einer besseren Entwicklung in der Landwirtschaft gerechnet.

Befragt wurden für die Ermittlung des Barometers, das der Deutsche Bauernverband (DBV) am Dienstag in Berlin präsentierte, rund 1000 Landwirte und Lohnunternehmen. Mit 4,3 Punkten lag der aktuelle Index, der die Lage widerspiegelt, nach Angaben des DBV nur um 0,2 Punkte höher als im ersten Quartal.

Was den Landwirten neben niedrigen Milchpreisen zu schaffen macht, ist der drastische Preisverfall beim Getreide, wie ein Sprecher des Bauernverbandes erklärte. In der laufenden Ernte würden nur noch Preise von durchschnittlich 8 bis 9 Euro je Dezitonne (100 Kilogramm) erlöst – verglichen mit 12 Euro vor einem Jahr und sogar 20 Euro vor zwei Jahren. Grund sei die „gute Versorgung aus der letzten Ernte“ und der Nachfrageeinbruch infolge der weltweiten Rezession. Zudem werden die Erlöse wegen gestiegener Betriebskosten, etwa für Dünger, Energie und Zinsaufwendungen, geschmälert, wie es hieß.

Das erklärt die schlechte Stimmung vieler Acker- und Milchbauern. Nach dem DBV-Barometer schätzen nur die Schweinehalter ihre derzeitige Lage deutlich positiver ein als im ersten Quartal. Immerhin fallen die Erwartungen für die Zukunft erheblich positiver aus als noch im Frühjahr, besonders bei den gebeutelten Milchbauern. Der Bauernverband führt dies auf Anzeichen einer Belebung auf den asiatischen Märkten zurück. „Die Talsohle dürfte erreicht sein“, sagte der DBV-Sprecher.

Dennoch bleibt die aktuelle Lage nicht ohne Folgen für die Investitionspläne vieler Landwirte. Nur noch 37 Prozent wollen in den nächsten sechs Monaten investieren, vor einem Jahr waren es 40 Prozent. Die, die Geld in die Hand nehmen wollen, beabsichtigen allerdings höhere Investitionen, wie der DBV-Sprecher sagte. Geplant sind insgesamt 6,3 Milliarden Euro für die zweite Jahreshälfte, verglichen mit 4,9 Milliarden Euro vor einem Jahr. Weniger Maschinen für den Acker und neue Ställe sind es, die die Bauern anschaffen wollen, um ihre Betriebe zu vergrößern. 3,1 Milliarden Euro gegenüber 1,7 Milliarden Euro vor Jahresfrist sollen in erneuerbare Energien investiert werden, vor allem in neue Biogas- und Photovoltaikanlagen. „Damit wollen sich immer mehr Bauern ein zweites Standbein aufbauen“, sagte der DBV-Sprecher – um die Abhängigkeit von den Preisschwankungen im klassischen Geschäft zu verringern.