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Niedersachsen Polizei: Keine Toleranz bei radikalen Castor-Gegnern
Nachrichten Politik Niedersachsen Polizei: Keine Toleranz bei radikalen Castor-Gegnern
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16:50 09.11.2010
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Die Polizei rechnet beim bevorstehenden Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll nach Gorleben nicht mit schweren Krawallen, kündigte aber konsequentes Einschreiten bei Straftaten an. Der federführende Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster sagte am Mittwoch in Hannover, unter den Demonstranten würden weniger als ein Prozent gewaltbereite Autonome sein, die meisten wollten friedlich protestieren.

Die Anti-Atom-Initiativen erwarten am Wochenende mehr als 30 000 Demonstranten im Wendland - das wären so viele wie seit 30 Jahren nicht. Mehr als 16 000 Polizisten aus fast allen Bundesländern sollen im Einsatz sein, um den Transport zu sichern.

Die Polizei hat sich auf die unterschiedlichen Protestaktionen der Atomkraftgegner vorbereitet und will Störer notfalls mit Wasserwerfern auf Distanz halten. In jedem Castor-Einsatz seien diese Spezialgeräte im Einsatz gewesen, sagte Polizeipräsident Niehörster. Es gehe darum, Demonstranten „so etwas wie einen Eimer Wasser über den Kopf“ zu schütten, damit sie bestimmte Plätze räumten. Bei Protesten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 hatte die Polizei mit Wasserwerfern Demonstranten verletzt.

Anti-Atom-Initiativen lehnen einen Einsatz dieser Spezialfahrzeuge ab. Wasserwerfer seien Waffen und gehörten nicht in den Landkreis, sagte ein Sprecher der Bäuerlichen Notgemeinschaft, eine Protestgruppe von Landwirten in Lüchow-Dannenberg. Mit zahlreichen Sitzblockaden wollen Atomkraftgegner die Fahrt der elf Atommüll-Behälter aufhalten und sich gegen die schwarz-gelbe Atompolitik auflehnen. In der Vergangenheit waren Bahnschienen etwa mit Hakenkrallen beschädigt worden, 2008 hatten sich Atomkraftgegner an Betonpyramiden festgekettet. „Wir sind auf alles eingerichtet“, meinte Niehörster.

Atomkraftgegner kündigten außerdem an, sie wollten mehr Traktoren als beim vergangenen Atommüll-Transport 2008 zur Straßenblockade einsetzen. Besonders im Auge haben die Sicherheitskräfte diesmal aber eine Gruppe von Protestierern, die Steine aus dem Gleisbett räumen und so die Fahrt des 2500 Tonnen schweren Zuges verzögern wollen. Mit einer riesig großen Zahl rechne er aber nicht, sagte der hannoversche Bundespolizei-Präsident Thomas Osterroth, der für den Schienentransport der Spezialbehälter bis nach Dannenberg zuständig ist. Das sogenannte Schottern sei eine Straftat, die Polizei werde konsequent dagegen einschreiten. An der Transportstrecke gilt eine Verbotszone im Umkreis von 50 Metern.

Auch mögliche Brandanschläge machten der Polizei Sorge, sagte Polizeipräsident Niehörster. Ein Feuer in der Berliner S-Bahn in dieser Woche geht wahrscheinlich auf Atomkraftgegner zurück. Im Wendland waren vor mehreren Jahren außerdem Polizeiunterkünfte angezündet und ein Funkmast abgesägt worden. Die Blockaden gegen den zwölften Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben sollen nicht nur größer denn je werden, die Polizei stellt sich auch auf neue Protestaktionen ein. „Ich bin gespannt, was man uns als Neukreationen anbieten kann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagte Polizeichef Niehörster, der die Polizei gut gerüstet sieht. „Wir werden diese Behälter an ihr Ziel bringen.“ Niehörster räumte zugleich aber ein, dass der Einsatz bei den Polizisten auf großes Unbehagen stößt. „Dies ist der unbeliebteste Einsatz bei den Polizeibeamten. Es ist eine in Anführungszeichen ätzende Aufgabe, die die Polizei zu erfüllen hat. Aber wir werden sie erfüllen.“

Der Artikel wurde aktualisiert.

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