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Niedersachsen Pfeilschnell durch den Tunnel
Nachrichten Politik Niedersachsen Pfeilschnell durch den Tunnel
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11:27 09.10.2010
Mit 400 km/h durch den Tunnel: Mit dieser Simulationsanlage testen Göttinger Forscher das Verhalten von Hochgeschwindigkeitszügen.
Mit 400 km/h durch den Tunnel: Mit dieser Simulationsanlage testen Göttinger Forscher das Verhalten von Hochgeschwindigkeitszügen. Quelle: dpa
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Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen hat am Freitag eine weltweit einzigartige Versuchsanlage zur Entwicklung von neuen Hochgeschwindigkeitszügen in Betrieb genommen. Die Wissenschaftler wollen damit das Fahrverhalten von bis zu 400 km/h schnellen Zügen in Tunneln untersuchen. Der besondere Clou der Tunnelsimulationsanlage besteht in der Verbindung von modernster Messtechnik mit Wehrtechniken der Antike. Ähnlich wie römische Torsionsgeschütze katapultiert die neue High-Tech-Anlage die Zugmodelle auf eine Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern. Zum Vergleich: Vor über 2000 Jahren erzielten die alten Römer mit der Katapulttechnik bereits eine Pfeilgeschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern. Die „abgeschossenen“ Zugmodelle landen am Ende der rund 60 Meter langen Versuchsstrecke in einer Schüttung aus Styroporkugeln.

Mit einer weiteren Versuchsanlage können die DLR-Spezialisten simulieren, welche Kräfte und Drücke bei Seitenwind auf einen Zug wirken. Der DLR-Standort Göttingen sei mit diesen neuen Anlagen zur europaweit bedeutendsten Forschungseinrichtung für die Aerodynamik von Schienenfahrzeugen geworden, sagte der Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, Josef Lange. Vor allem mit der Tunnelsimulationsanlage hat sich die Göttinger Forschungsanstalt bis hin zur Weltspitze katapultiert: „Bisher gibt es weltweit keine einzige Einrichtung, in der untersucht werden kann, was mit Zügen passiert, wenn sie mit hohem Tempo in einen Tunnel fahren“, sagte der Leiter des DLR-Instituts für Aerodynamik und Strömungsmechanik, Professor Andreas Dillmann.

Die Einfahrt in einen Tunnel ist bei Hochgeschwindigkeitszügen ein besonderes Problem. Dabei entsteht eine Druckwelle, die ähnlich wie bei Überschallflugzeugen Knallgeräusche auslösen kann. Ziel der Forschungen ist es, eine entsprechende Zugform und Gestaltung des Tunnelportals zu finden, die eben diesen Knall verhindert. Das zweite große Problem – vor allem für doppelstöckige Hochgeschwindigkeitszüge – ist der Seitenwind. Schon bei Tempo 300 wird die Spitze entlastet, bei starkem Seitenwind könnte dann der Triebkopf trotz eines Zuggewichts von hunderten von Tonnen kippen. Die Forscher suchen mit der neuen Anlage nach Wegen, wie sich diese Empfindlichkeit verringern lässt.

Um mit dem Flugzeug konkurrieren zu können, müssen die neuen Hochgeschwindigkeitszüge nicht nur bis zu 400 km/h schnell sein, sondern auch größere Passagierkapazitäten zur Verfügung haben. Zudem sollen sie sparsamer sein.

Heidi Niemann