Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Niedersachsen Niedersächsische Wirtschaft kritisiert gekürzte Biotech-Förderung
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersächsische Wirtschaft kritisiert gekürzte Biotech-Förderung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:06 29.09.2010
Von Jens Heitmann
Harsche Kritik erntet die Landesregierung von der niedersächsichen Wirtschaft für die Kürzung der Biotech-Förderung.
Harsche Kritik erntet die Landesregierung von der niedersächsichen Wirtschaft für die Kürzung der Biotech-Förderung. Quelle: ap
Anzeige

In der niedersächsischen Wirtschaft wächst die Unzufriedenheit mit der Förderung der Biotechnologie. Die Neuausrichtung der „Landesinitiative Life Sciences Niedersachsen“ mitsamt einem Wechsel der Koordinatoren zu Jahresbeginn habe nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, heißt es in der Branche. „Der Aufwand, den das Land betreibt, ist zu gering“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller.

Die Landesregierung hat die Fördermittel für die sogenannte BioRegioN in diesem Jahr von 400.000 auf 250.000 Euro zusammengestrichen. Gleichzeitig wurde die Geschäftsstelle auf das Zentrum für biomedizinische Technik und Innovation (BiomeTI) in Hannover übertragen. Zu den Gründern gehören die Medizinische Hochschule, die Leibniz Universität, die Tierärztliche Hochschule und das Laser Zentrum Hannover. Zuvor hatte das Management der Bio­RegioN sieben Jahre lang in den Händen der Beratungsfirma Corvay des früheren Solvay-Managers Albrecht Läufer gelegen, der bei der jüngsten Ausschreibung unterlag.

Wissenschaft und Wirtschaft sollten stärker vernetzt werden, um so „zu neuen marktreifen Produkten und wirtschaftlicher Verwertung zu kommen“, erklärte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) Ende 2009. Die Abstriche bei der Förderung begründete er damit, dass ein Teil der Aufgaben künftig von der Marketingfirma NGlobal übernommen werde. Das Konzept gehe jedoch nicht auf, klagt ein Manager: „Wir fallen im Wettbewerb mit anderen Standorten zurück.“

Von Beginn an stießen die Pläne des Landes in der Wirtschaft auf Vorbehalte. „Was Niedersachsen hier macht, ist schlicht nicht bundesligatauglich“, hieß es Anfang des Jahres. Während andere Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg ihre Kräfte bündelten, „verzettelt sich die hiesige Landesinitiative im Klein-Klein“. Diese Befürchtungen hätten sich bestätigt, sagt ein Manager: „Es ist alles noch schlechter geworden.“

Erklärtes Ziel von BiomeTI war es, den Schwerpunkt der Förderung auf die medizinische Biotechnologie und Medizintechnik zu legen. Für gezielte Projekte wolle man Partner aus Forschung und Unternehmen zusammenbringen, „die Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen“, erklärte seinerzeit der Leiter der Geschäftsstelle der Landesinitiative, Ansgar Rudolph. Gleichzeitig wollte man die Beratung stärker regionalisieren. Inzwischen schweigt Rudolph zu den Vorhaben: Zum Monatsende nimmt der Diplom-Ingenieur seinen Hut – über seine Gründe sagt er nichts.

Nach Einschätzung der Chemieindustrie leisten die rund 3000 Biotech-Wissenschaftler in Niedersachsen zwar eine gute Grundlagenforschung – leider profitiere die Wirtschaft davon kaum, sagt Jochen Wilkens, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Chemie Nord: „Es gibt kaum Ausgründungen aus den Universitäten.“ Daraus müsse das Land endlich Konsequenzen ziehen. „Ich würde die Fördermittel lieber direkt in die Wissenschaft investieren“, sagt Wilkens.

Im Wirtschaftsministerium kann man die Kritik nicht nachvollziehen. „Wir machen das, wo wir mit den eingesetzten Mitteln den größten Erfolg erzielen können“, sagt ein Behördensprecher. Neben dem Geld für die BioRegioN stünden bis 2013 noch 12,5 Millionen Euro zur Förderung von Innovationen bereit: „Das ist eine ordentliche Summe.“

Michael B. Berger 29.09.2010