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Niedersachsen Niedersachsens Gemeindebund hält neue Corona-Verschärfungen für überzogen
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Niedersachsens Gemeindebund hält neue Corona-Verschärfungen für überzogen

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15:57 06.01.2021
Kritisiert die neuesten Corona-Verschärfungen: Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes.
Kritisiert die neuesten Corona-Verschärfungen: Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Quelle: Achim Gückel
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Hannover

Der Präsident des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Marco Trips, hält die jetzt angestrebten Kontaktbeschränkungen für überzogen. Die geplante Vorschrift, dass künftig sich noch nicht einmal zwei Paare treffen dürfen, sondern es nur noch eine einzige Kontaktperson geben soll, sei unverhältnismäßig „und kann auch zu gesundheitlichen Schäden führen, etwa zu sozialer Isolation und Vereinsamung“, sagte Trips der HAZ. Die bisher geltenden Kontaktbeschränkungen vom Herbst, die sich auf bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten bezogen, seien wesentlich angemessener gewesen.

15-Kilometer-Regelung weltfremd?

Trips unterstrich, dass angesichts immer noch ansteigender Corona-Zahlen generell Kontaktbeschränkungen geboten seien. Doch müsse man darauf achten, dass man nicht über das Ziel hinausschieße. Das sei bei der geplanten Kontaktbeschränkung auf eine Person der Fall. „Man muss auch aufpassen, dass die Leute sich bei so scharfen Bestimmungen nicht innerlich abwenden und gar nichts mehr akzeptieren“, sagte der Präsident des Gemeindebundes, der die kleineren Kommunen in Niedersachsen vertritt. Für „weltfremd“ hält er den Plan, beim Überschreiten einer Corona-Siebentage-Inzidenz von 200 Infizierten pro 100 000 Einwohner eine Entfernungsbeschränkung von jeweils 15 Kilometer vom Heimatlandkreis einzuführen: „Wer soll eine solch weltfremde Bestimmung denn kontrollieren?“

„Eltern vor fast unlösbare Aufgaben“

Trips sagte, dass die Bevölkerung sich bewusst machen sollte, dass Corona-Einschränkungen mindestens bis Ostern gelten würden. Es sei nach Weihnachten und Sylvester jetzt damit zu rechnen, dass die Infizierten-Zahlen erneut hochgingen. „Das ist gewissermaßen ein Sondereffekt.“ Aber dann würden die Zahlen allmählich wieder sinken, schätzt er. Ähnlich wie der Niedersächsische Städtetag fordert Trips eine verlässliche Schulplanung bis Ostern. Auch der Gemeindebund unterstützt die Forderung, dass die Schulen bis zu den Osterferien im Wechselbetrieb arbeiten sollten. „Im Kita-Bereich sollte es aber bei Appellen bleiben, die Kinder möglichst zu Hause zu lassen. Denn das Distanzlernen zu Hause und die gleichzeitige Betreuung der Kinder stellt viele Eltern vor fast unlösbare Aufgaben.“ Man müsse bei allem auch immer in Betracht ziehen, dass durch die Impfungen in den Pflegeheimen „die Risikopatienten jetzt allmählich aus dem Risiko gezogen werden“.

Von Michael B. Berger