Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Niedersachsen Bauernverband warnt vor Flächenfraß in Niedersachsen
Nachrichten Politik Niedersachsen Bauernverband warnt vor Flächenfraß in Niedersachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:04 31.12.2019
Neue Wohn- und Industriegebiete verdrängen bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen. Quelle: Thomas Warnack/dpa
Anzeige
Hannover

Niedersachsens Bauernverband, das Landvolk, warnt vor Flächenfraß. Alle zehn Tage gehe in Niedersachsen ein landwirtschaftlicher Durchschnittsbetrieb von 70 Hektar wegen der Umnutzung von Ackerflächen verloren, warnt Landvolk-Vizepräsident Holger Hennies: „Tag für Tag verlieren wir sieben Hektar.“ Dies entspreche nicht dem Gedanken der Nachhaltigkeit.

Logistikzentren an den Autobahnen schlucken viel Land

Als Hauptgrund für den Flächenverlust gilt die Schaffung neuer Wohn- und Industriegebiete auf bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen. „Vor allem an den Autobahnen sind riesige Verteilzentren entstanden – zu Lasten von landwirtschaftlich genutzten Arealen“, berichtet Hartmut Schlepps vom Landvolkverband. Er nennt etwa das Fertighausareal Home 24, das vor zwei Jahren bei Walsrode großflächig erweitert worden ist, oder auch das Amazon-Verteilzentrum am Bremer Kreuz, das die Stadt Achim beschlossen habe. Sicherlich entstünden dort neue Arbeitsplätze, aber es ginge auch viel Land verloren.

Am Bremer Kreuz solle ein weiteres Gewerbegebiet entstehen, mehr als 100 Hektar groß. „So ein Bauboom ist in langfristiger Sicht natürlich nicht besonders nachhaltig“, meint der Experte vom Landvolk. In Deutschland gebe es nur noch 1400 Quadratmeter Ackerfläche pro Kopf, weltweit seien es 2000 Quadratmeter.

„Lieber im Dorf bauen als am Ortsrand

Auch Landvolkvizepräsident Hennies mahnt: „Unser Boden und damit die Acker- und Grünlandflächen sind unser wertvollstes Produktionskapital.“ Die Fläche lasse sich nicht mehr vermehren, umso sorgsamer sollte mit ihr umgegangen werden. Hennies wünscht sich bei Planern, Architekten wie auch Bauherren wesentlich mehr Fantasie, um das Bauen auf dem Acker zu vermeiden. So gebe es innerorts viele brachliegende Immobilien, die für Gewerbeansiedlungen genutzt werden könnten, etwa auch militärisch genutzte Flächen. Man sollte lieber im Dorf bauen als am Ortsrand, empfiehlt der Landvolkverband.

Dass die Bundesregierung eine Neuregelung im Baugesetzbuch anstrebt, um Wohnungsbau in ländlichen Räumen zu erleichtern, sieht das Landvolk skeptisch – auch im Hinblick auf den Natur- und Umweltschutz. „Wir haben volles Verständnis für den Wunsch nach mehr und neuem Wohnraum, aber wir erwarten hier ein Umdenken hin zur Nachnutzung innerhalb bestehender Neubauten“, sagt Hennies.

Der Konflikt „Wohnbau gegen Landwirtschaft“ sei nicht neu, sagt Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes: „Das ist ein klassischer Konflikt.“ Doch gebe es hier keine Patentrezepte vom grünen Tisch, sondern es müssten immer wieder Lösungen vor Ort gefunden werden. Manchmal böten auch Landwirte, die bei schlechten Erzeugerpreisen schwer mithalten könnten im Wettbewerb, Flächen zum Verkauf an, merkt Bullerdiek an.

Ministerium beobachtet die Lage

Das Landwirtschaftsministerium in Hannover verfolgt nach Worten von Sprecherin Sabine Hildebrandt sehr aufmerksam die Entwicklungen auf dem niedersächsischen Bodenmarkt. „Das Problem ist uns bekannt, deshalb sieht der Koalitionsvertrag von CDU und SPD die Sicherung einer zukunftsfähigen Agrarstruktur vor“, sagt Hildebrandt. Es seien aber bereits gesetzlich einige wichtige Hürden gesetzt. So müsse gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz vermieden werden, dass landwirtschaftliche Flächen der Nutzung entzogen werden. Und sollte dies dennoch nötig sein, seien umfangreiche Kompensationen vorgesehen. Zu ihnen gehöre etwa auch die Entsiegelung von Flächen.

Lesen Sie auch

Von Michael B. Berger

Einmal die Woche leert Niedersachsen-Reporter Michael B. Berger seinen (satirischen) Papierkorb mit Nachrichten, die liegengeblieben sind.

27.12.2019

Die rot-schwarze Regierungskoalition im Landtag will offenbar eine Erweiterung um 5000 Quadratmeter absegnen. Doch in der Region regt sich Widerstand gegen die Pläne. Die umliegenden Städte und Kreise fürchten um ihren Einzelhandel.

29.12.2019

In Niedersachsen haben rund 2500 Polizisten eine Nebentätigkeit angemeldet, um über die Runden zu kommen. Betroffen sind vor allem junge Beamte, die unter hohen Mieten in den Ballungsräumen leiden. Polizeigewerkschaft und FDP fordern eine bessere Bezahlung.

24.12.2019