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Niedersachsen Die ungeliebten Brüder
Nachrichten Politik Niedersachsen Die ungeliebten Brüder
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00:16 06.04.2014
Von Alexander Dahl
Foto: Männliche Eintagsküken werden frisch nach dem Schlüpfen getötet, nur die Weibchen dürfen als Legehennen weiterleben.
Männliche Eintagsküken werden frisch nach dem Schlüpfen getötet, nur die Weibchen dürfen als Legehennen weiterleben. Quelle: dpa
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Hannover

„Wir fordern vom Bund, dieses Problem anzuerkennen. Ziel muss sein, ein bundeseinheitliches Enddatum für diese Praxis festzulegen“, betonte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) am Donnerstag und machte „ethische Gründe“ für seinen Vorstoß geltend. Männliche Eintagsküken werden in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten am Tag des Schlüpfens getötet, weil ihre Aufzucht teurer ist. Die Brüder der Legehennen setzen in der Mast nicht schnell genug Fleisch an.

In Niedersachsen werden jährlich rund 27,2 Millionen frisch geschlüpfte Hähnchen in elf Betrieben, darunter sieben Brütereien mit mehreren Standorten, getötet. Das hat eine aktuelle Umfrage des Landwirtschaftsministeriums bei den für die Überwachung der Tötungen zuständigen Landkreisen und kreisfreien Städten ergeben. Das Agrarland Niedersachsen hält damit den bundesweiten Spitzenwert, denn in ganz Deutschland sterben jährlich etwa 50 Millionen Legeküken. Nur etwa 21 600 Tiere wurden laut Umfrage zwischen Ems und Elbe lebend von den Brütereien abgegeben. Die getöteten Tiere - sie müssen zuvor betäubt werden - dürfen in Niedersachsen nicht von den Tierkörperbeseitigungsanstalten verwertet werden. Sie dienen daher oft als Futter in Zoos oder Reptilienfarmen.

Meyer setzt darauf, dass in Zukunft männliche Küken trotz höherer Kosten als Masthähnchen eingesetzt werden. Vorbild ist die Initiative „Bruderhahn“ von Carsten Bauck aus dem niedersächsischen Seevetal südlich von Hamburg, der seit einigen Jahren auf die Mast von Biohähnchen setzt. Auch andere Biobetriebe in Deutschland haben die Hähnchenmast eingeführt. Sie wird oft mit Bioeiern querfinanziert. Eine Packung mit sechs Eiern kostet etwa 20 Cent mehr, um die Kosten auszugleichen.

Auf der Agrarministerkonferenz in Cottbus, die gestern begann, ist die Massentötung männlicher Küken ein Thema. Meyers Initiative werde bereits von den grünen Landwirtschaftsministern anderer Bundesländer unterstützt, sagt Klaus Jongebloed, Sprecher des Ministeriums in Hannover. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft in Berlin indes ist skeptisch: „Das Projekt der Hähnchenmast ist sicherlich sehr interessant, stellt aber lediglich eine Nischenlösung dar“, sagt ein Sprecher.

Meyer hatte nach dem Amtsantritt im Frühjahr 2013 angekündigt, Niedersachsen zum „Tierschutzland Nummer eins“ in Deutschland machen zu wollen. Der Grünen-Politiker hat strengere Vorgaben zum Bau großer Stallanlagen erlassen, Förderung auf mittlere und kleinere Ställe beschränkt, Schnabelamputationen bei Enten verboten und Jagd mit bleifreier Munition in Landesforsten angeordnet.

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