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Niedersachsen Neuer Schreck in der Asse: Zehnmal mehr Strahlung
Nachrichten Politik Niedersachsen Neuer Schreck in der Asse: Zehnmal mehr Strahlung
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01:58 11.09.2010
Rund 15.000 Atommüll-Fässer wurden in der Asse falsch deklariert.
Rund 15.000 Atommüll-Fässer wurden in der Asse falsch deklariert. Quelle: dpa
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Was im Landtags-Untersuchungsausschuss schon vermutet wurde, hat jetzt eine traurige Bestätigung gefunden: Im alten Salzbergwerk Asse, das von 1965 bis 1978 als Atommülllager genutzt wurde, ist stärker strahlender Abfall abgekippt worden, als bisher zugegeben wurde. Statt den bisher angegebenen 1300 Fässern enthalten insgesamt knapp 15.000 Fässer mittelradioaktiven Abfall. Das geht aus dem „Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Asse Inventar“ des früheren Betreibers, des Helmholtz-Zentrums München, hervor.

In den insgesamt 126.000 deponierten Behältern sind Abfälle aus Kernkraftwerken und aus dem Forschungszentrum Karlsruhe. Die neuen Zahlen sind am Freitag vom niedersächsischen Umweltministerium bestätigt worden. Danach sind die 28 Kilogramm Plutonium, die in der Asse lagern, nicht wie bisher angenommen auf 21, sondern auf zwei Fässer verteilt.

Viele andere Fässer, die wegen Betonummantelung nach außen nur schwachradioaktiv strahlen, haben allerdings einen mittelradioaktiven Inhalt. „Ein Problem kann bei der Bergung entstehen“, sagte die Sprecherin des Umweltministers. Wenn die äußere Hülle einzelner Fässer porös sei, könne gefährliche Alphastrahlung austreten. Arbeiter, die die Fässer aus dem Bergwerk herausholen sollen, dürften diese Stoffe nicht einatmen und müssten deshalb besonders geschützt werden. „Diese Arbeiten werden jedenfalls nicht einfacher“, sagte die Ministeriumssprecherin. Außerdem wird mit dem Bericht jetzt bestätigt, dass die problematischen Fässer auf mehrere Kammern im Lager Asse verteilt sind.

Der neue Bericht könnte die Debatte wiederbeleben, ob es bei der beschlossenen „Rückholung“ aller 126.000 Fässer bleiben soll – obwohl diese aufwendiger und wohl deutlich teurer werden dürfte als vermutet. Die Rückholung ist beschlossen, weil in das Bergwerk Wasser eindringt und es einzustürzen droht. Der Grünen-Politiker Stefan Wenzel hält die Bergung der Fässer für „alternativlos“, weil eine Verfüllung und Abdichtung des Lagers die Langzeitsicherheit nicht garantieren könne, wie sie das Atomrecht fordere. Immerhin sei jetzt klar, so Wenzel, welche Gefahren in der Asse lauern. Aus Wenzels Sicht sollten die Fässer in ein Zwischenlager kommen, das direkt nahe der Asse gebaut werden solle. Petra Emmerich-Kopatsch (SPD) und Kurt Herzog (Linke) nennen die neuen Daten „nicht überraschend“.

Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Björn Thümler, will an der Räumung der Asse festhalten: „Nur falls sich herausstellen sollte, dass die Fässer im Bergwerk sicherer verwahrt werden könnten, müssten wir über diese Frage neu nachdenken“, sagte Thümler der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Margit Kautenburger und Klaus Wallbaum