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Niedersachsen Alexander Zimbehl will das Weihnachtsgeld für Tausende Beamte zurück
Nachrichten Politik Niedersachsen Alexander Zimbehl will das Weihnachtsgeld für Tausende Beamte zurück
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19:36 28.11.2019
„Ich nenne es Engagement“: Alexander Zimbehl, neuer Vorsitzender des Niedersächsischen Beamtenbundes. Quelle: Michael B. Berger
Hannover

Wenn er etwas durchsetzen will, kann er auch nerven. Immer wieder auf die Sache, um die es geht, zurückkommen. Zweifellos bringt Alexander Zimbehl, neu gewählter Chef des Niedersächsischen Beamtenbundes (NBB) eine Menge Temperament mit ins neue Amt. „Ich nenne es Engagement“, sagt der ehemalige Polizeibeamte und lächelt.

Schon seine Wahl war eine Überraschung. Und knapp. Mit 50,7 Prozent setzte sich Zimbehl vor wenigen Wochen gegen seinen Vorgänger Martin Kalt durch. Der stand nur fünf Jahre an der Spitze des Verbandes, der etwa 66.000 Beamtinnen und Beamte in Niedersachsen vertritt. Zimbehl hatte sich als agiler, mitunter auch als kantiger Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Niedersachsen einen Namen gemacht. Als neuer Vorsitzender des Beamtenbundes will der 46-Jährige seinem Ruf treu bleiben und „deutlicher den Finger in die Wunde legen“.

Das Weihnachtsgeld bleibt ein Problem

Seine Leute haben zum einen ein Problem, das die Regierungsfraktionen von SPD und CDU nur halbherzig gelöst haben. Die Wiedereinführung des 2005 abgeschafften Weihnachtsgeldes. Einen „Einstieg“ hat die Regierung für 2020 versprochen. Beamte bis zur Besoldungsstufe A 8 sollen eine Sonderzahlung von 920 Euro erhalten, alle anderen 300 Euro jährlich, die Pensionäre nichts. „Das ist doppelt ungerecht“, findet Zimbehl. Denn schließlich hätten viele der jetzt Pensionierten das Opfer erbracht.

„Das Land spart jährlich 700 Millionen Euro durch die Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld. 60 Millionen werden jetzt an die Kollegen zurückgegeben – da passt doch die Relation überhaupt nicht.“ Obwohl sich die Regierung ein wenig flexibel gezeigt habe, bleibe der Unmut über die gestrichene Leistung groß. Man werde weiter für ein ordentliches Weihnachtsgeld streiten.

In wenigen Jahren droht Pensionierungswelle

Und dann ist da noch ein anderes, großes Problem, das der neue Beamtenbundvorsitzende angehen will: „Wir müssen den öffentlichen Dienst attraktiver machen – in allen Bereichen.“ Dies sei nicht zuletzt deswegen überlebensnotwendig, weil ab 2026 etwa 30 Prozent der Beamtinnen und Beamten in Pension gingen. „Das ist seit langem klar, aber es gibt nach wie vor kein übergreifendes Personalkonzept, diesen Schwund auszugleichen.“ Dabei müsse der Staat erhalten bleiben, es sei eine Aufgabenkritik nötig, wie sie auch andere einforderten. „Denn die Aufgaben nehmen überall zu, schon durch die Digitalisierung. Und viele Bürger beschweren sich, dass ihre Anliegen wochenlang nicht bearbeitet werden“, sagt Zimbehl.

Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes leide außerdem, wenn die Bürger immer gröber würden und Polizisten, Rettungs- und Verwaltungskräfte beschimpften. „Das ist ja schon fast zur Normalität geworden.“ Zimbehl überlegt, ob man nicht eine Kampagne dagegen setzen sollte. „Das Thema geht uns schließlich alle an“, sagt der ehemalige Polizist, dessen Dienstmütze auch einen Platz in seinem neuen Büro gefunden hat.

Mehr als 26 Jahre hat Zimbehl, der mit einer Patchwork-Familie und zwei kleinen Kindern („meine Frau ist Hebamme“) in Hildesheim wohnt, Dienst bei der Polizei getan, viele Jahre in verantwortlicher Stellung. Nun hat er eine Zäsur gesetzt – und ist neugierig, „sehr vieles neu zu lernen“.

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Von Michael B. Berger

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