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Niedersachsen Mastputenbrüterei setzt Ministerin Grotelüschen unter Druck
Nachrichten Politik Niedersachsen Mastputenbrüterei setzt Ministerin Grotelüschen unter Druck
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20:13 10.08.2010
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Um die familieneigene Mastkükenbrüterei von Niedersachsens Tierschutzministerin Astrid Grotelüschen ist ein heftiger Streit entbrannt. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Report Mainz soll die von ihrem Mann geführte Mastkükenbrüterei Ahlhorn intensive Geschäftsbeziehungen zu Putenhaltungen in Mecklenburg haben, die den Tierschutz verletzen. „Ich habe mit den Mecklenburger Betrieben persönlich oder auch als Familie, als Betrieb, nichts zu tun“, sagte die CDU-Ministerin.

Ihre Aussagen seien „erstaunlich und wenig glaubwürdig“, sagte Christian Meyer, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Grotelüschen als ehemalige Geschäftsführerin der zweitgrößten Mastputenbrüterei in Deutschland nichts von solchen Vorgängen gewusst habe.

Die SPD verlangt Aufklärung im Landtag. „Wir erwarten, dass die Ministerin bei der nächsten Sitzung des Landwirtschaftsausschusses persönlich erscheint“, sagte Andrea Schröder-Ehlers (SPD). Auch Regierungschef David McAllister (CDU) müsse den „erschütternden Anschuldigungen“ entgegentreten. Mc Allister wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die Linke fordert den Rücktritt der Ministerin, die erst rund 100 Tage im Amt ist. Bereits nach ihrer Vereidigung war Grotelüschen wegen ihres privaten Bezugs zur Mastindustrie in die Kritik geraten. „Entweder Frau Grotelüschen tritt selbst zurück, oder McAllister muss sie entlassen“, betonte Marianne König (Linke). Als Agrarministerin sei Grotelüschen ungeeignet, denn Landwirtschaft und Tierhaltung in Niedersachsen seien mehr als Massentierhaltung.

Report Mainz hatte am Montag Filmaufnahmen von verletzten und sterbenden Tieren gezeigt. Die Bilder sollen im April und im Juli von Mitgliedern der Tierschutzorganisation PETA in zwei Putenhaltungen aufgenommen worden sein. Karl Fikuart von der Bundestierärztekammer (BTK) erklärte zu den Aufnahmen: „Das ist eindeutig Tierquälerei“. Die BTK betonte aber, dass sich die Kritik ausschließlich auf die gefilmte Tierhaltung und nicht auf Grotelüschen bezieht.

Auch die Putenerzeugergemeinschaft bestreitet die Vorwürfe der Tierquälerei. „An den Vorwürfen ist nichts dran“, sagte die Betriebschefin Elke Friedrich am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die gezeigten Bilder stimmten nicht mit den Gegebenheiten in den Ställen überein. „Das ist Verleumdung hoch drei“, sagte Friedrich. Die beiden Mäster hätten eidesstattliche Erklärungen abgegeben, dass die Aufnahmen nicht in ihren Ställen gemacht wurden.

Zwischen der Mastkükenbrüterei Ahlhorn und der Mecklenburgischen Putenerzeugergemeinschaft sind miteinander verflochten. So hält Ahlhorn als größter Gesellschafter 30 Prozent an der Erzeugergemeinschaft. „Die restlichen 70 Prozent teilen 25 weitere Teilhaber unter sich auf“, hieß es aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Jeder Betrieb handle aber eigenständig.

Laut Report Mainz bezieht die Erzeugergemeinschaft ihre Küken von dem Unternehmen. Nach eigenen Angaben kontrolliert Ahlhorn die kritisierten Betriebe regelmäßig durch Außendienstmitarbeiter und beauftragte Veterinäre.

Das Agrarministerium in Mecklenburg-Vorpommern bestätigte, dass die beiden Betriebe in der vergangenen Woche auf eine Bitte des niedersächsischen Agrarministeriums hin überprüft wurden. Es habe keine Beanstandungen gegeben, hieß es. Aus der Sicht von PETA sind diese Aussagen nicht wahr. „Lügen von Tätern interessieren uns nicht“, sagte Edmund Hafferbeck der dpa.

dpa