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Niedersachsen Margot Käßmann übernimmt Gastprofessur in Bochum
Nachrichten Politik Niedersachsen Margot Käßmann übernimmt Gastprofessur in Bochum
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22:54 04.08.2010
Von Thorsten Fuchs
Pendelt bald zwischen Berlin und Bochum: Margot Käßmann.
Pendelt bald zwischen Berlin und Bochum: Margot Käßmann. Quelle: dpa
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Das Audimax der Ruhr-Universität Bochum ist ein Betonbau im Stil der siebziger Jahre, verfügt aber durchaus über repräsentative Qualität. Die Bochumer Symphoniker geben dort Konzerte, es ist ein Saal für die besonderen Anlässe. Und es ist gut möglich, dass eine frühere hannoversche Landesbischöfin dort demnächst zu den Vortragenden gehören wird: Doktor Margot Käßmann.

Die 52-Jährige hat eine neue Aufgabe übernommen: Sie wird am 1. Januar 2011 eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität antreten. Ein Jahr lang soll sie sich der Themen Ökumene und Sozialethik annehmen und beides auch in Lehrveranstaltungen den Studenten näherbringen. „Margot Käßmann hat beispielhaft zum Wissenstransfer theologischer Theorie in die Öffentlichkeit beigetragen und ist daher für die Gastprofessur hervorragend qualifiziert“, sagt Rektor Elmar Weiler. Pressesprecher Josef König erhofft sich sogar einen Nutzen weit über die theologischen Zirkel hinaus: „Wir denken, dass sie unseren Studenten insgesamt wichtige Impulse geben und den Studienstandort Bochum bekannter machen wird.“

Der Bochumer Uni war Margot Käßmann schon lange vor ihrem Rücktritt von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin im Februar eng verbunden. 1989 wurde sie dort promoviert, seitdem sind die Kontakte nie ganz abgerissen. Für die Professur haben die katholische und die evangelische Fakultät die Theologin gemeinsam vorgeschlagen.

Margot Käßmann hat ihre Pläne am Mittwoch nicht kommentiert, sie weilt im Urlaub. Das Profil der neuen Professur dürfte ihr aber gefallen haben: Namensgeber Max Imdahl war Kunsthistoriker, pflegte aber ähnlich breite Interessen wie sie. Außerdem kollidiert die Berufung nicht mit ihren übrigen Plänen. Ihr viermonatiger Lehrauftrag an der Emory University in Atlanta endet vorher. Auch mit ihrem neuen Wohnort ist der Posten vereinbar. Margot Käßmann war erst kürzlich nach Berlin gezogen und plant dort nach Angaben aus ihrem Umfeld auch zu bleiben. Für die Veranstaltungen werde sie nach Bochum pendeln.

Und auch der hannoverschen Landeskirche bleibt die frühere Bischöfin erhalten. Sie sei als Professorin lediglich „abgeordnet“, erklärt Sprecher Johannes Neukirch. Margot Käßmann erhalte weiter ihr Pastorengehalt, den Gastprofessorenlohn überweist die Bochumer Uni an die Landeskirche. Einen Gewinn erziele die Kirche damit aber nicht, sagte Neukirch. Für die Zeit von Januar 2012 an muss sich die Kirche dann wieder selbst Gedanken über einen Posten für seine prominenteste Pastorin machen. „Wir bleiben ständig im Gespräch.“

Ihren ersten öffentlichen Vortrag in Bochum wird Margot Käßmann im Januar 2011 halten. Über einen Raum ist noch nicht entschieden. Das Audimax würde aber zweifellos gut passen: Darin steht die größte Orgel des Ruhrgebiets.