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Niedersachsen Land investiert 71 Millionen in Wissenschaftsstandort Osnabrück
Nachrichten Politik Niedersachsen Land investiert 71 Millionen in Wissenschaftsstandort Osnabrück
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20:46 07.09.2009
Aus der Kaserne wird eine Universität: Wo einst britische Soldaten Bücher ausgeliehen haben, proben jetzt die Musikstudentinnen Maruta Sperling (l.) und Franziska Naujok.
Aus der Kaserne wird eine Universität: Wo einst britische Soldaten Bücher ausgeliehen haben, proben jetzt die Musikstudentinnen Maruta Sperling (l.) und Franziska Naujok. Quelle: Lewandowski
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Das Tor der Hauptwache an der Sedanstraße ist verschlossen. Keine Spur mehr von den Soldaten in den „Woolwich Barracks“. Im März hat das britische Militär seine letzten Standorte in Osnabrück geräumt. Besenrein. Statt Soldatenstiefeln und lauten Befehlsrufen dringen Klaviertöne aus einer der Baracken. Maruta Sperling und Franziska Naujok üben am Flügel für ihre Abschlussprüfung. Der Komponist Paul Hindemith steht auf dem Programm. Studenten der Fachrichtung Musik haben mit ihren Hochschullehrern Quartier in der alten Kaserne bezogen. „Library“ (Leihbücherei) steht über der Tür zum Probenraum. Einst versorgten sich hier britische Soldaten und ihre Angehörigen mit Lesestoff.

Nur einen Steinwurf entfernt stehen Erhard Mielenhausen, Präsident der Fachhochschule (FH), und Wilfried Hötker, Vizepräsident der Universität, beisammen. Im Verkaufsraum des früheren Armee-Supermarkts überlegen sie, ob der Hochschulsport vielleicht Verwendung für die mit Fliesen ausgelegte Fläche hat. Als Übergangslösung.

Denn in wenigen Jahren sollen die zumeist einfach gebauten Quartiere der Briten hier verschwunden sein. Ein Fall für den Abrisshammer. Stattdessen sollen auf dem Kasernengelände eine neue Bibliothek, ein Hörsaalgebäude und eine Mensa für die beiden Osnabrücker Hochschulen entstehen. „Früher war das hier für die Osnabrücker verbotenes Gebiet“, sagt FH-Präsident Mielenhaussen. „Und jetzt wird daraus ein großer Wissenschaftsstandort.“ Uni-Vizepräsident Hötker sieht in dem neuen Campus vor allem Entwicklungschancen für die Zukunft der beiden Hochschulen. „Auf unterschiedliche Standorte verteilte Institute können hier zusammengeführt werden“, sagt Hötker. Entlastung auch für die Fachhochschule: Derzeit lagern einige ihrer Bücher sogar in Containern.

Drei Millionen Euro hat das Land für die 52 000 Quadratmeter große Kasernenfläche an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gezahlt. „Insgesamt wollen wir in den kommenden Jahren rund 71 Millionen Euro investieren“, kündigte in Hannover Wissenschaftsminister Lutz Stratmann an. Bereits im nächsten Jahr soll mit dem Bau der neuen Mensa begonnen werden. 1000 Sitzplätze für hungrige Studentinnen und Studenten wird sie einmal bieten. M

it der Umwidmung einstiger Militärgebäude haben die beiden Osnabrücker Hochschulen bereits Erfahrung. Gleich hinter dem Zaun der „Woolwich Barracks“ sind verklinkerte Gebäude zu sehen, die im 19. Jahrhundert für die kaiserlichen Soldaten errichtet wurden. In der einstigen Reithalle und den entsprechenden Stallungen sind heute bereits Wissenschaftler und Studenten zu Hause. Damit sie den ursprünglichen Zweck ihrer modernen Arbeitsräume nicht vergessen, haben die Architekten auf dem Fußboden mit Farbe die Umrisse der alten Pferdeboxen skizziert.

Von Bernhard Remmers

Michael B. Berger 07.09.2009
06.09.2009