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Niedersachsen Warum zwei Experten über eine Missbrauchsstudie streiten
Nachrichten Politik Niedersachsen Warum zwei Experten über eine Missbrauchsstudie streiten
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00:15 27.06.2019
Josef Lange (li.) sieht sich durch Christian Pfeiffer verunglimpft. Quelle: Karin Kaiser/MHH, Ole Spata/dpa
Hannover

 Sie haben beide einen Ruf über Hannover hinaus: der Kriminologe und ehemalige Landesjustizminister Christian Pfeiffer (75) und der Wissenschaftspolitiker und langjährige Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, Josef Lange (71). Kürzlich hat Lange, seit sechs Jahren nicht mehr im Amt, im Streit mit Pfeiffer ein Disziplinarverfahren wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs gegen sich selbst beantragt.

„Anschein des Amtsmissbrauchs“

„Lange hat versucht, uns auf Kurs der Kirche zu bringen“: Der Kriminologe Christian Pfeiffer. Quelle: Ole Spata/dpa

Pfeiffer erzählte der „Zeit“, wie es 2012 zu dem Zerwürfnis zwischen dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) und der Bischofskonferenz gekommen war. Eigentlich sollte das KFN, dessen Direktor er damals war, eine Studie über sexuellen Missbrauch von Priestern, Diakonen und Ordensleuten abfassen. Doch das Projekt stieß in einigen Diözesen auf Ablehnung und drohte bereits im Herbst 2012 zu scheitern – der Kriminologe beklagte sich mit guten Argumenten über den Versuch der Zensur seitens der katholischen Kirche.

Showdown“ im Ministerium?

Im Interview legte Pfeiffer noch eine Schippe drauf. Die Bischofskonferenz habe ihn „kaufen“ wollen, indem sie anbot, einen Teil des Honorars für die vereitelte Studie doch noch zu zahlen. So sei es im hannoverschen Wissenschaftsministerium am 20. Dezember 2012 zu einem „Showdown“ gekommen. Lange habe als damaliger Wissenschaftsstaatssekretär und „wichtigster Geldgeber“ des KFN versucht, „uns auf den Kurs der Kirche zu bringen“.

Lange sieht das anders. Er habe versucht, als Mediator den ausgebrochenen Streit zwischen dem KFN und der Bischofskonferenz zu schlichten. Er war zu jener Zeit Wissenschaftsberater der deutschen Bischöfe und ist in der katholischen Szene hoch angesehen. Dass Pfeiffer den Eindruck erwecke, er habe als Staatssekretär indirekt damit gedroht, dem KFN den Geldhahn zuzudrehen, sei ehrenrührig.

Treffen in Langes Dienstzimmer

„Es wird der Anschein erweckt, ich hätte mein Amt missbraucht“: Josef Lange, früherer Staatssekretär im Wissenschaftsministerium. Quelle: Katrin Kutter

Lange betont dagegen, dass Pfeiffer ihn angesprochen habe, ob er nicht „helfen“ könne, das Projekt durchzuführen. Das sei zu einem Zeitpunkt geschehen, als sich der Konflikt mit dem Verband der Diözesen Deutschlands (VVD) noch nicht so zugespitzt hatte, sagt Pfeiffer heute. Lange hätte aber als Staatssekretär die ihm Ende November 2012 angetragene Rolle des Mediators nie annehmen dürfen. Man habe ihn nur als Vermittler akzeptiert, weil es sich das KFN nicht mit dem Wissenschaftsministerium verderben wollte.

Trennung im Zorn

Das Ende der Geschichte ist bekannt. Pfeiffer und die Bischöfe schieden im Zorn. Und dass der große Auftrag für die Missbrauchsstudie platzte, sorgte Anfang 2013 für einen riesigen Medienrummel. Nur der Streit zwischen Pfeiffer und Lange ist nicht beigelegt.

Viele Gläser Rotwein – umsonst

Immerhin hat inzwischen das Wissenschaftsministerium erklärt, dass es kein Disziplinarverfahren gegen den Staatssekretär eröffnen wird. Es hätten sich keinerlei tatsächliche Anhaltspunkte gefunden, die den Verdacht eines Dienstvergehens rechtfertigen könnten. Hierfür seien die Äußerungen Pfeiffers in der „Zeit“ nicht hinreichend konkret.

Dafür weiß man jetzt immerhin, dass Pfeiffers „durch viele Verhandlungsgespräche und einige Essen bei gutem Rotwein“ aufgebaute Vertrauensbasis zum Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz wohl endgültig verloren sein dürfte.

Ein kurzer, harter Konflikt

Mitte Juni 2011 bekamen Christian Pfeiffer und das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) von der Deutschen Bischofskonferenz den Auftrag, sexuellen Missbrauch in der Kirche zu untersuchen. Kirchenmitarbeiter sollten unter Aufsicht des KFN sämtliche Personalakten der vergangenen zehn Jahre aufarbeiten, in einigen Bistümern sogar Akten bis ins Jahr 1945 zurück. Doch zu der Studie kam es nicht, weil sich einige Bistümer sperrten, die Akten herauszugeben. Pfeiffer schrieb während des noch schwelenden Konflikts einige Bistümer an, erhielt jedoch keine Auskunft. 2013 kam es zum Bruch. Pfeiffer warf der katholischen Kirche Zensur vor. In einem Gespräch, das der damalige niedersächsische Staatssekretär Josef Lange moderierte, kam es zu harten Auseinandersetzungen. Dem Wunsch der Kirche, über die Gründe für die Beendigung des Auftrages Stillschweigen zu bewahren, kamen Pfeiffer und das KFN nicht nach.

Von Michael B. Berger

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