Kommentar: Niedersachsen spart bei Hochschulen an der falschen Stelle
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Niedersachsen Kommentar zu Kürzungen bei Unis: Gefährlicher Sparkurs
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Kommentar: Niedersachsen spart bei Hochschulen an der falschen Stelle

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16:00 05.12.2020
Zwei Passanten gehen auf einem Fußweg zur Leibniz Universität in Hannover. Quelle: Silas Stein/dpa
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Hannover

An Niedersachsens Hochschulen rumort es: Nach den Plänen der Landesregierung sollen sie Millionen Euro einsparen. Vor dem Aus stehen zwei Hochschulen und mehrere Studiengänge. Viele Stellen sollen gestrichen werden, Hunderte Studienplätze wegfallen. In vielen Städten protestieren Studierende auf der Straße gegen die Pläne, vor dem Landtag in Hannover droht der Streit zu eskalieren. Das war im Herbst 2003.

In den 17 Jahren danach hat sich an den niedersächsischen Hochschulen sicher viel verändert, die grundsätzlichen Probleme aber sind geblieben. Wieder drohen Einsparungen, die drastische Auswirkungen auf das Studienangebot, die Forschung und die universitäre Ausbildung im Land haben könnten. Und es gilt offenbar nach wie vor die ungeschriebene Regel: Wenn eine Landesregierung den Rotstift im Haushalt ansetzt, stehen die Unis immer ganz weit vorne auf der Liste.

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Katerstimmung bei Exzellenz

Selbst die Katerstimmung des vergangenen Jahres, als kein einziger Bewerber aus Niedersachsen den Titel einer Exzellenzuniversität schaffte, hat offensichtlich nicht zu einem generellen Umdenken geführt. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hatte damals eingeräumt, dass die ungleiche Verteilung der Exzellenzen in Deutschland wohl der Realität der Universitätslandschaft entspreche. Das dürfe das Land dann aber nicht zufriedenstellen, fügte er hinzu. Wie man mit Einsparungen in die Eliteliga aufsteigen soll, hat er nicht erklärt.

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Natürlich ist Exzellenz nicht alles. Niedersachsen hat hervorragende Hochschulen, ist in vielen Bereichen gut aufgestellt: Medizin, Hörforschung, maritime Forschung, um nur Beispiele zu nennen. Hannover ist in vielen Bereichen ganz vorne dabei. Um mit den Hochschulen im Süden und Westen finanziell konkurrieren zu können, reicht das aber nicht. Für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen oder Nordrhein-Westfalen haben die Universitäten offenbar einen höheren Stellenwert.

Kein Geld für Klimaforschung

Vollkommen absurd wird es, wenn durch die Kürzungen jetzt an der Leibniz-Universität Hannover die Meteorologie bedroht ist, die sich mit der Anpassung der Städte an den Klimawandel beschäftigt. Dabei hat die Landesregierung jüngst angekündigt, dass sie in den kommenden vier Jahren eine Milliarde Euro in den Klimaschutz investieren will. Da sollten doch auch ein paar Millionen für die Klimaforschung drin sein.

Ausgaben für universitäre Forschung sind Grundlage der Innovation in Deutschland. Ohne ausreichende Finanzierung schwinden Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit – gerade auch im internationalen Vergleich. Notwendig wäre deshalb eine dauerhafte, von politischen Haushalts- und Interessenlagen unabhängige Finanzierung der Hochschulen. Landesregierungen in Niedersachsen tun sich damit allerdings schon bei vollen Kassen schwer. Die Corona-Krise lässt Schlimmes befürchten.

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Von Marco Seng