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Niedersachsen So sterben Niedersachsens Wälder – 800.000 Bäume wegen Borkenkäfern gefällt
Nachrichten Politik Niedersachsen So sterben Niedersachsens Wälder – 800.000 Bäume wegen Borkenkäfern gefällt
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12:56 19.06.2019
Torfhaus: Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten stehen und liegen im Nationalpark Harz nahe dem Torfhausmoor. In den bewirtschafteten Wäldern der Landesforsten bleiben sie nicht liegen. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Hannover

Niedersachsens Landesforsten schlagen Alarm. Das extreme Dürrejahr 2018 und der anhaltende Klimawandel bedrohen Niedersachsens Wälder. So mussten die Landesforsten im vergangenen Jahr etwa 800 000 Bäume aus dem Wald holen, um eine weitere Ausbreitung der Borkenkäfer zu verhindern, die den ohnehin durch die geschädigten Bäumen schwer zusetzen. Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen führt das 2005 gegründete Unternehmen, das den gesamten Landeswald bewirtschaftet, keinen Gewinn mehr ab, sondern musste das Geschäftsjahr 2018 mit einem Minus von 5, 9 Millionen Euro abschließen. „Wer den Klimawandel bestreitet, muss nur zu uns in den Wald kommen“, sagt der Präsident der Landesforsten, Klaus Merker.

Teufelskreislauf gestartet

Zu dem schlechten Ergebnis hat nach Merkers Worten ein Teufelskreislauf geführt, der nicht so leicht zu stoppen ist. Wegen der Bekämpfung der Borkenkäferplage, die den Fichten zusetze, explodierten die Kosten. Gleichzeitig seien die Holzpreise am Boden und steige der Investitionsbedarf. Vor allem im südlichen Niedersachsen, südlich der Autobahn 2 im Harz und im Solling, seien Wälder bedroht. „Hier gehen in großem Umfang 100-jährige Bestände verloren“, sagt Merker. Mittelfristig müsse man die Wälder umforsten, das Ziel sei in Niedersachsen Zweidrittel Mischwälder zu bekommen, in denen Laubbäume vorherrschen. Doch auch die hätten massive Probleme mit dem Klimawandel.

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Trotz gelegentlichen Regens halte in den Wäldern die Dürre an, da der Regen, wenn er denn falle, kaum in die Wurzelböden gelange. So habe nicht nur die Fichte das Problemjahr 2018 schwer verkraftet. Auch andere heimische Baumarten, die als widerstandsfähiger galten, seien durch die wärmeren Temperaturen angegriffen. So zeigten auch Buchen durch die Trockenheit starke Schäden. Gefährdet sei aber auch die Eiche durch den Eichenprozessionsspinner, der sich aufgrund der Wärme stark vermehre, wie auch die Lerche durch den Lerchen-Borkenkäfer. Der Ahorn wiederum sei durch den Rindenrußpilz angegriffen, die Esche durch das Eschentriebssterben. „Das Wald-Öko-System zeigt insgesamt wie so eine Art Geigerzähler, dass da etwas aus dem Ruder gelaufen ist“, sagt der Präsident der Landesforsten.

Noch sind die Landesforsten liquide

In eine finanzielle Schieflage gerät der Betrieb, der im vorigen Jahr noch einen Gewinn von 5,6 Millionen Euro ausgewiesen hat, nicht – auch wegen einer Risiko-Rücklage von 30 Millionen Euro nicht. „Wir haben noch ausreichend Liquidität.“ Doch könne sich dies mittelfristig ändern. So drücke die aktuelle Negativbilanz noch nicht den ganzen Verlust aus, da Holz, dessen Markwert erheblich gesunken sei, noch zu alten Preisen in den Büchern stehe. Bislang werden 80 Prozent der Umsatzerlöse der Niedersächsischen Landesforsten durch das Holzgeschäft generiert, die Preise beim Fichtensägeholz sind nach Forstangaben indes um 50 Prozent gefallen, die beim Industrieholz aus Nadelbäumen um 30 Prozent.

Zehn Millionen Euro im Jahr investieren die Landesforsten im Rahmen des sogenannten Löwe-Programmes (Langfristige Ökologische Waldentwicklung). „Wir bauen die Wälder seit 1991 um, um die Monokulturen zu beseitigen. Wir haben bereits vor zwei Jahren beschlossen, das zu beschleunigen“, sagt Merker. Aber vermutlich werde man da noch mehr tun müssen. „Vor einigen Jahren war ich noch zurückhaltend, was den Klimawandel betrifft. Aber jetzt ist er ganz klar messbar.“

Von Michael B. Berger