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Niedersachsen Im Harz entsteht die erste private Grundschule
Nachrichten Politik Niedersachsen Im Harz entsteht die erste private Grundschule
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20:18 04.05.2010
Von Saskia Döhner
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Im staatlichen Schulsystem sieht Daniela Fischer ihre Söhne nicht gut aufgehoben. „Bei 28 Kindern in der Klasse bleibt für individuelle Förderung gar kein Raum“, sagt die 32-Jährige aus Goslar.

Sechs Kinder hat sie, drei von ihnen sind im Schulalter. Der neunjährige Lukas geht in die zweite Klasse, der siebenjährige Bruder Justin in die erste. Die Hochbegabung des Älteren und das ADHS-Syndrom, aber auch das musische Talent des Jüngeren fänden im hektischen Schulalltag nicht genug Beachtung. Justin habe schon vor der Einschulung Angst vor der Schule gehabt und sei lieber noch ein Jahr länger im Kindergarten geblieben, erinnert sich die Mutter, vielleicht auch weil er die schlechten Erfahrungen seines Bruders direkt miterlebt habe. „Es ist viel schiefgelaufen.“

Im Sommer nimmt in Goslar auf dem Energie-Campus, wo schon Teile der Hochschule und das Fraunhofer-Institut angesiedelt sind, nahe des früheren Erzbergwerkes „Rammelsberg“ die erste private Grundschule ihren Betrieb auf. Gegründet wird die „Primaria“ vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD), das sich vor allem um die Hochbegabtenförderung bemüht und in Braunschweig bereits eine Grundschule, ein Gymnasium mit Internat und eine internationale Schule mit angeschlossener Vorschule betreibt.

„Wir haben immer wieder Anfragen von Eltern aus dem Harz gehabt“, berichtet CJD-Sprecher Frank Gottsand-Groß. Die neue private Grundschule nach dem Montessori-Prinzip ist eine Ganztagsschule, die Kinder werden zwischen 7.30 und 16 Uhr betreut. Statt Klassen gibt es sogenannte jahrgangsgemischte Stammgruppen, die jeweils von einem Lehrer und einem Erzieher geleitet werden. „Teamarbeit ist das A und 0“, sagt CJD-Leiterin Ursula Hellert. „Wir haben nicht die Trennung zwischen Schule und Hort. Wer sich nachmittags um die Kinder kümmert, weiß, wie es ihnen am Vormittag ergangen ist.“ Vormittags wird die Schule als Volle Halbtagsschule geführt, ab 13 Uhr übernehmen die Erzieher das Regiment. Dann gibt es unter ihrer Regie das „Werkstattangebot“ mit unterschiedlichen Kursen von Theater, Musik, Malen über Tischlern bis hin zu naturwissenschaftlichen Experimenten. Einmal in der Woche ist „lebenspraktischer Tag“, der sich einem bestimmten Projekt widmet.

Hochbegabte werden genauso gefördert wie Schüler mit einem besonderen musischen oder künstlerischen Talent. „Nicht für alle das Gleiche, sondern für jeden das Beste“ lautet das pädagogische Credo. Jedes Kind lerne in seinem eigenen Tempo, sagt Hellert, und so durchliefen einige die eigentlich vierjährige Grundschule in drei, andere in fünf Jahren. Sitzen bleiben kann man nicht. Ab der 2. Jahrgangsstufe gibt es Fremdsprachenunterricht. Billig ist der Besuch der „Primaria“ nicht. 600 Euro müssen die Eltern im Monat zahlen, hinzu kommen 50 Euro Essensgeld.

„Anders als in anderen Bundesländern gibt es in Niedersachsen in den ersten drei Jahren nach der Neugründung für private Schulen keine staatliche Förderung“, sagt Gottsand-Groß. Daher sei der Elternbeitrag zum Einstieg so hoch, später würden es eher 350 Euro monatlich sein. Andererseits gebe es auch Stipendien, auf die auch die sechsfache Mutter Daniela Fischer hofft.

Lob für die „Primaria“ gibt es auch von der Stadtverwaltung. „Das pädagogische Konzept ergänzt hervorragend das bereits bestehende Angebot in der Bildungslandschaft und ist ein Imagegewinn für Goslar“, sagt Goslars Oberbürgermeister Henning Binnewies (SPD). Von einer „Bereicherung des Schulsystems“ spricht Schuldezernent Burkhard Siebert. Konkurrenz für die neun öffentlichen Grundschulen sieht er nicht.

Klaus Wallbaum 04.05.2010
03.05.2010