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Niedersachsen Im Fall eines Atomunfalls: Zu wenig Jodtabletten für Menschen in der Region Hannover?
Nachrichten Politik Niedersachsen Im Fall eines Atomunfalls: Zu wenig Jodtabletten für Menschen in der Region Hannover?
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09:00 30.11.2019
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Kernkraftwerks Grohnde in Emmerthal auf. Die Stadt Hannover ist nur 60 Kilometer entfernt – und im Ernstfall schlecht versorgt mit Jodtabletten, sagen die Grünen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Ist die Region Hannover im Falle eines Atomunfalls ausreichend mit Jodtabletten versorgt? Die Grünen im Landtag bezweifeln das stark und fordern, die Tabletten künftig direkt an die Bürger auszugeben oder in Apotheken zur Abholung bereit zu legen. Innenminister Boris Pistorius (SPD) hält die Region Hannover für weniger gefährdet und verweist auf die Zuständigkeit des Bundes bei der Organisation der sogenannten Jodblockade.

Kreis Cloppenburg hat 3,4 Millionen Jodtabletten

Hintergrund für den Streit ist eine Anfrage der Grünen-Fraktion an die Landesregierung zum Katastrophenschutz in der Umgebung der beiden niedersächsischen Atomkraftwerke Grohnde (Kreis Hameln-Pyrmont) und Lingen (Kreis Emsland). Aus der Antwort des Innenministeriums geht hervor, dass bei den zuständigen Katastrophenschutzbehörden in der Region Hannover – trotz der Nähe zu Grohnde – nur 264.000 Jodtabletten vorrätig sind. In Stadt und Umland von Hannover leben insgesamt mehr als 1,1 Millionen Menschen.

Der Landkreis Cloppenburg verfügt dagegen über rund 3,4 Millionen Jodtabletten, obwohl er weiter von einem Atomkraftwerk entfernt ist. Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind es nur 502.000 Tabletten, im Kreis Grafschaft Bentheim dagegen 1,3 Millionen Tabletten. Insgesamt verfügt Niedersachsen über rund 11 Millionen Jodtabletten.

Die Jodtabletten verhindern das Einlagern von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. Bei rechtzeitiger Einnahme von Jodtabletten ist die Schilddrüse bereits mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, bevor radioaktives Jod durch Einatmen aufgenommen werden kann. Mit dieser „Jodblockade“ sollen die Bürger vor einer erhöhten Gefahr geschützt werden, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Grüne: Versorgung ist nicht gesichert

„Die hinreichende Versorgung mit Jodtabletten für die Bevölkerung in der Region Hannover ist aktuell nicht gewährleistet“, sagte Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte der HAZ. „Ich frage mich, wie man im Katastrophenfall auswählen will, wer welche bekommt und wer leer ausgeht.“ Staudte verwies darauf, dass Nordrhein-Westfalen auf eigene Kosten bereits Jodtabletten beschafft und an die Bevölkerung verteilt habe.

Das Innenministerium betonte, dass für die lokale Notfallversorgung bisher ein Radius von 25 Kilometern um Kernkraftwerke zur vorsorglichen Einnahme von Kaliumjodidtabletten angesetzt worden sei. Danach sei etwa die Region Hannover im Vergleich zum Kreis Grafschaft-Bentheim – im Radius von Lingen – „kaum betroffen“, erklärte Ministeriumssprecherin Simone Schelk. Die lokale Vorhaltung richte sich auch nach der Anzahl der Einwohner in dem betroffenen Gebiet und der Bevölkerungsstruktur (Personen unter 45 Jahre).

Bund empfiehlt Radius von 100 Kilometern

Staudte verwies dagegen auf ein Empfehlung des Bundesumweltministeriums aus dem Jahr 2016, die eine Jodblockade in einem Radius von 100 Kilometern vorsieht. Die Stadt Hannover liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich von Grohnde.

Laut Ministerium hat der Bund den Ländern Tabletten zur ortsnahen Lagerung übergeben und halte darüber hinaus zentrale Lagerstandorte vor. Die Verantwortung werde aber nun auf das Land übergehen und die Gesamtplanung komplett überarbeitet, erklärte Schelk. „Die niedersächsische Landesregierung plant über die neuen Empfehlungen hinaus, eine Vorhaltung und Einsatztaktik für die Jodblockade zu etablieren.“

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