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Niedersachsen IS-Prediger aus Hildesheim soll in Celle vor Gericht
Nachrichten Politik Niedersachsen IS-Prediger aus Hildesheim soll in Celle vor Gericht
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00:16 16.07.2017
Quelle: dpa/HAZ-Archiv
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Hannover/Hildesheim

In Niedersachsen wird offenbar noch im Herbst dieses Jahres einer der spektakulärsten Prozesse gegen einen möglichen Drahtzieher der Terrormiliz IS in Deutschland eröffnet. Die Bundesanwaltschaft habe Anklage gegen den islamistischen Prediger Abu Walaa erhoben, berichtete „Focus Online“ am Donnerstag unter Berufung auf Justizkreise. Der Prozess könnte demnach am 19. September vor dem Oberlandesgericht Celle eröffnet werden.

Der 33-jährige Iraker gilt als die Nummer eins der Terrormiliz IS in Deutschland. Er war im November vergangenen Jahres bei einer Razzia in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim festgenommen worden. Unter Abu Walaa war eine inzwischen von den Behörden geschlossene Moschee in Hildesheim zu einem bundesweiten Hotspot für Islamisten geworden. Den Erkenntnissen der Ermittler zufolge sollen dort Dutzende Muslime radikalisiert worden sein. 25 von ihnen machten sich auf den Weg, um in Syrien oder dem Irak für den IS zu kämpfen.

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Nummer eins der Terrormiliz in Deutschland

Auch der Berlin-Attentäter Anis Amri, der im Dezember 2016 mit einem Lkw in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz raste und elf Menschen tötete, gehörte zeitweilig zu Abu Walaas Anhängerschaft in Hildesheim. Im März dieses Jahres wurde der Moschee-Verein in Hildesheim verboten. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sprach damals von einem wichtigen Schlag gegen islamistische Extremisten.

Die Bundesanwaltschaft wollte die Anklageerhebung gegen Abu Walaa am Donnerstag offiziell nicht kommentieren. Sie verwies auf rechtliche Vorgaben. Zu diesen Vorgaben gehört unter anderem, dass die Behörde sich nicht öffentlich zu einer fertigen Anklageschrift äußern darf, wenn diese dem Beschuldigten noch nicht zugestellt wurde.

Abu Walaa wartet derzeit in der Justizvollzugsanstalt Sehnde auf seinen Prozess. Wie alle anderen Inhaftierten mit dem Verdacht der Zugehörigkeit zur Terrororganisation IS gilt dort für ihn eine hohe Sicherheitsstufe. Er wird nach HAZ-Informationen medizinisch und psychologisch betreut.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Das Oberlandesgericht Celle ist in Niedersachsen für Terror-Strafverfahren zuständig. Auch der Fall der Schülerin Safia S., die im Auftrag des IS im hannoverschen Hauptbahnhof einen Polizisten mit einem Messer attackiert und verletzt hatte, war hier verhandelt worden.

Bei den Razzien im Raum Hildesheim waren im vergangenen Jahr auch vier Männer aus dem engsten Führungszirkel Abu Walaas verhaftet worden - es gilt als wahrscheinlich, dass alle fünf Männer im Alter zwischen 26 und 50 Jahren auch gemeinsam wegen der Bildung eines islamistischen Netzwerks angeklagt werden. Der Prozess dürfte unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Von Heiko Randermann und Tobias Morchner