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Niedersachsen „Nicht die alten Fehler wiederholen“: Wohin mit 1900 strahlenden Castoren?
Nachrichten Politik Niedersachsen „Nicht die alten Fehler wiederholen“: Wohin mit 1900 strahlenden Castoren?
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00:18 20.06.2019
„Wirklich ergebnisoffenes Verfahren“: Wolfram König, Präsident des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Quelle: dpa
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Hannover

Das Zeitalter der Kernkraft ist in Deutschland bald beendet, die Frage nach einem sicheren Endlager für hochstrahlenden Atommüll aber noch keineswegs geklärt. Im Historischen Museum stellte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, am Montagabend den Stand des neuen Standortauswahlverfahrens dar – in einer durchaus kontroversen Veranstaltung.

Gorleben soll sich nicht wiederholen

Gesucht werde ein Lager für etwa 1900 Castoren, erläuterte König. Den Fehler von einst, als Gorleben ohne größere Diskussion ausgewählt wurde, wolle man gerade jetzt nicht wiederholen, betonte der Präsident des Bundesamtes. Dass aber das neue Standortsuchverfahren ausgerechnet am Rande einer Ausstellung zum großen Gorleben-Treck stattfand, mit dem 1979 mehr als 100.000 Demonstranten gegen die damaligen Atomlagerpläne der Regierung Ernst Albrechts (CDU) demonstrierten, fanden Diskussionsteilnehmer aus dem Wendland gar nicht gut. „Dass ausgerechnet diese Ausstellung mit Bildern aus dem Gorleben-Archiv den Background liefert, ist empörend“, meinte ein Diskussionsteilnehmer gleich zu Beginn der zweistündigen Veranstaltung, unter deren Zuhörern neben vielen Abgeordneten auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) war. Die Diskussion sei ein guter Anfang, sagte Lies.

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König wie auch der Chef der Bundesgesellschaft für Endlagerung, Stefan Studt, betonten, dass diesmal das Verfahren wirklich ergebnisoffen sei. Nach fast eineinhalb Stunden Vorträgen war endlich das Publikum dran. Jochen Stay von der Anti-Atom-Initiative „ausgestrahlt“ bezweifelte die Wissenschaftlichkeit des Verfahrens. So lägen über Niedersachsen, in dem es viele Bergwerke und Bohrstätten gebe, wesentlich mehr geologische Daten vor als aus anderen Bundesländern. Auch dass geplant sei, schon bis 2031 ein mögliches neues Lager zu finden, erzeuge einen ungeheuren Druck, der an einem transparenten Verfahren zweifeln lasse. König widersprach und hob den breiten demokratischen Konsens hervor, der das Endlagersuchgesetz möglich gemacht habe.

„Das ist noch keine Bürgerbeteiligung“

Klaus Brunsmeier, stellvertretender Bundesvorsitzender des BUND, sitzt in einem Gremium, das die Endlagersuche kritisch beobachten soll. Er mahnte an, die Bevölkerung wirklich am Suchvorgang zu beteiligen. „Das hier ist nur eine Infoveranstaltung, noch keine Beteiligung.“ Wichtig sei auch die Vorlage eines Geodatenschutzgesetzes, das man für eine faire Suche brauche. Martin Donat von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg bemängelte, dass Gorleben jetzt nicht von vorneherein aus der Suche ausgeschlossen worden sei. König warnte davor, die alten Kämpfe in den alten Fronten weiter zu führen. Schließlich habe die Anti-Atom-Bewegung einen ganz großen Erfolg eingefahren – das Ende der Kernenergie in Deutschland. „Aber heute ist die Gefahr größer, dass sich zu wenige für das Problem interessieren, das wir lösen wollen.“

Von Michael B. Berger