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Niedersachsen „Gefahr für die Versorgung“: Niedersachsens Behörden müssen Tausende Cyberattacken abwehren
Nachrichten Politik Niedersachsen „Gefahr für die Versorgung“: Niedersachsens Behörden müssen Tausende Cyberattacken abwehren
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15:00 12.09.2019
„Akute und realistische Gefahr“: Im "Blue Room" eines Trainingszentrums in Essen üben Innogy-Mitarbeiter bei einer Simulation die Abwehren von Cyberangriffen auf das Stromnetz. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
Hannover

Die Cyberattacke auf die Verwaltung von Neustadt am Rübenberge vor wenigen Tagen ist kein Einzelfall in Niedersachsen. Auch andere Behörden sind in jüngster Zeit Opfer von Angriffen im Internet geworden. Nach Angaben des Innenministeriums sind dem niedersächsischen Sicherheitszentrum N-CERT in diesem Jahr bereits knapp 90 Sicherheitsvorfälle gemeldet worden, bei denen sich eine Schadsoftware zunächst unerkannt auf Computern installiert hat. Im Jahr 2018 waren es 107 solcher Angriffe.

Behörden wehren monatlich 3000 Angriffe ab

Die Stadtverwaltung in Neustadt ist seit vergangenem Freitag weitgehend lahmgelegt. Am Montag, so die Hoffnung, sollen die Systeme wieder laufen.

In den vergangenen Monaten waren zudem unter anderem die Stadtverwaltung von Burgdorf sowie Unternehmen und Kliniken von Cyberattacken betroffen. So hatte der Heise-Verlag in Hannover im Juni über einen Angriff mit der Schadsoftware Emotet berichtet. Das Landeskriminalamt verzeichnet eine zunehmende Anzahl von Anzeigen von Unternehmen, die von Cyberangriffen betroffen sind.

In den Behörden der Landesverwaltung seien jedoch keine Angriffe bekannt, die die Verwaltungsarbeit lahmgelegt hätten, erklärte das Ministerium. Im Durchschnitt würden monatlich mehr als 3000 Schadprogramme in den Landesbehörden entdeckt und abgewehrt.

Minister warnt vor Gefahren

„Fälle wie diese machen klar, wie akut und realistisch die Gefahr von Cyberattacken auf Bürgerinnen und Bürger, für Verwaltungen, Unternehmen und auch kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Kraftwerke oder Energieversorger sind“, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Digitalisierung fast aller unserer Lebensbereiche beinhaltet viele Chancen, biete aber eben auch zahlreiche Möglichkeiten für Angriffe von außen. „Wir legen seit Jahren einen politischen Schwerpunkt auf das Thema Cybersicherheit“, sagte Pistorius.

Trojaner legt Verwaltung in Neustadt lahm

In Neustadt wurde laut Ministerium von den bisher unbekannten Angreifern ein sogenannter Verschlüsselungstrojaner eingesetzt – und damit die IT-gestützte Verwaltungsarbeit zeitweise zum Erliegen gebracht. Ausgelöst worden sei der Vorfall vermutlich durch eine E-Mail mit einer Schadsoftware im Anhang, mit deren Hilfe sich schnell und in mehreren Stufen bislang unbekannte Angreifer Zugriff auf die IT-Systeme innerhalb der Verwaltung verschaffen und Daten verschlüsseln konnten.

Nach Angaben des Ministeriums sind in diesem Jahr insgesamt bislang mehr als 900 Millionen Schadprogramme bekannt geworden. Die Deutsche Telekom verzeichne bis zu 46 Millionen Cyber-Attacken pro Tag. „Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass jeden Tag Unternehmen und Behörden in Niedersachsen angegriffen werden“, erklärte Ministeriumssprecherin Svenja Mischel. Die Landesverwaltung sei aber insgesamt gut geschützt, für die Kommunen gebe es Unterstützungsangebote.

Attacken auch von Nachrichtendiensten

In vielen Fällen installieren die Angreifer eine Schadsoftware. Dabei können auch Daten wie etwa Passwörter gestohlen werden. Durch sogenannten Ransomware können Systeme von Angreifern zudem unbefugt verschlüsselt werden. Die Täter wollten durch ihre Angriffe im Großteil der Fälle einen finanziellen Vorteil erreichen. Cyberangriffe seien auch Teil der Wirtschaftsspionage oder würden von Nachrichtendiensten betrieben.

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Von Marco Seng

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