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Niedersachsen Weil ruft zur Verteidigung der Freiheit auf
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18:43 06.01.2020
„Wir haben eine Gesellschaft zu verteidigen, in der Kompromiss kein Schimpfwort ist“: Gäste des Epiphanias-Empfangs im Kloster Loccum. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Kloster Loccum

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat in einem Appell im Kloster Loccum die Bürger aufgerufen, unsere „freie, tolerante und respektvolle Gesellschaft“ zu verteidigen. Angesichts des Vormarsches eines ungehemmten Rechtspopulismus „mit einer unübersehbaren Grauzone Richtung Rechtsextremismus“ müsse die freiheitliche Gesellschaft von allen verteidigt werden, sagte Weil auf dem Epiphaniasempfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum bei Rehburg. Man müsse Angriffen gegen die Demokratie entschieden entgegentreten. „Wir haben eine Gesellschaft zu verteidigen, in der Kompromiss kein Schimpfwort ist, sondern eine Tugend.“

Der verzagte Blick der Bürger

Weil lenkte in seiner Rede den Blick zurück auf die Lage vor 75 Jahren, als viele Städte in Trümmern lagen. „Die Zeitgenossen von damals kämen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn sie aus ihrer verzweifelten Situation heraus auf unsere Situation heute hätten blicken können“, sagte Weil. Und dennoch sähen sich heute viele Bürger einem Bündel von Herausforderungen ausgesetzt. Ausdrücklich lobte Weil wie auch später Landesbischof Ralf Meister die Fridays-for-Future-Bewegung, weil sie der Zukunft zugewandt sei. Zum Beleg für den Klimawandel müsse man nicht auf die verheerenden Buschfeuer in Australien hinweisen – „die zerstörten Wälder in Harz und im Solling liegen vor unserer Haustür“.

Auch Hannovers Landesbischof Ralf Meister diagnostizierte, dass sich die heutige Gesellschaft in einer Vertrauenskrise befinde. „Eine der größten Versuchungen, denen Menschen in Vertrauenskrisen erliegen, ist es, die Zukunft aufzugeben.“ Die Menschen suchten dann ihr Heil in der Vergangenheit, manche sogar in nationalistischer Gesinnung. Dabei sei die „Liebschaft mit der Retroperspektive eine verhängnisvolle Affäre: Sie lähmt unsere Gesellschaft.“ Meister forderte die Gesellschaft auf, sich nicht im Rechthaben zu erschöpfen, sondern versöhnende Gesten zu setzen.

Hirschler gibt Amt des Abtes ab

Den Abschluss des Empfanges, zu dem Polizei-,Universitäts-, und Kirchenpräsidenten in Fülle erschienen waren, sowie Ministerinnen und Oberlandesgerichtspräsidentinnen setzte der Abt des Klosters Loccum, der frühere Landesbischof Horst Hirschler. Der 86-jährige Theologe gibt nach 20 Jahren sein Ehrenamt ab – und Krummstab und Mitra an seinen Nachnachfolger Ralf Meister weiter. „Ich habe diese Jahre als Abt unendlich genossen“, sagte Hirschler, der mit Applaus im Stehen verabschiedet wurde.

Das Kloster Loccum

Das Kloster Loccum in der Stadt Rehburg-Loccum ist eine Besonderheit – es ist ein evangelisches Zistersienserkloster, allerdings ohne Mönche. Das Kloster wurde 1163 gegründet und kam erst 1585 (als Folge der Reformation) unter die Obhut welfischer Landesherren. Statt der (ehemals katholischen) Mönche bildeten nun lutherische Geistliche den Konvent des Klosters. Heute sind die Konventualen entweder Geistliche oder ehemalige Juristen des Landeskirchenamtes. Sie wählen den Abt, der in der Regel der hannoversche Landesbischof war oder ist. Der frühere Landesbischof Horst Hirschler bekleidet das Amt des Abtes seit dem Jahr 2000. Hirschler hat sich nachhaltig für den Erhalt und Ausbau des Klosters Loccum eingesetzt, in dem heute mehrere norddeutsche Kirchen ihre Vikarinnen und Vikare ausbilden. Der 1933 geborene Theologe gibt aus Alters- und Gesundheitsgründen die Insignien des Abt-Amtes, Krummstab und Mitra, an seinen Nach-Nachfolger Ralf Meister weiter.

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