Ein Drittel der Schüler wird Opfer von Gewalt, Mobbing oder sexueller Belästigung
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Niedersachsen Ein Drittel der Schüler sind Opfer von Gewalt, Mobbing und sexueller Belästigung
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Ein Drittel der Schüler wird Opfer von Gewalt, Mobbing oder sexueller Belästigung

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19:00 20.12.2020
Immer häufiger werden Schülerinnen Opfer von Cybermobbing, wie auch eine Studie des KFN zeigt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Von den Jugendlichen an niedersächsischen Schulen ist ein Drittel schon Opfer von Gewalt geworden. Meist handelt es sich dabei um Körperverletzung, teils auch um sexuelle Belästigung. Jeder fünfte Schüler ist schon einmal gemobbt worden, auch das sogenannte Cybermobbing ist ein sehr häufiges Problem. Dies sind Ergebnisse des jüngsten Forschungsberichtes des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN). Für dessen „Niedersachsensurvey“ haben die Kriminologen im vergangenen Jahr 12.444 Schülerinnen und Schüler zu Erfahrungen in der Schule und ihrem Umfeld befragt und festgestellt: Das Risiko, Opfer zu werden, steigt wie in den Jahren zuvor, weiter leicht an.

Schülerinnen häufiger Opfer von Anzüglichkeiten

Seit 1998 befragt das KFN regelmäßig Neuntklässler zu deren Erlebnissen und liefert so eine Dunkelfeldstudie über Dinge, die nicht immer in den Kriminalitätsstatistiken auftauchen. Seit 2013 wird regelmäßig der alle zwei Jahre erscheinende „Niedersachsensurvey“ erstellt. Beim jüngsten Forschungsbericht stellten die Forscherinnen und Forscher um die Politikwissenschaftlerin Yvonne Krieg eine leicht steigende Tendenz bei Gewaltakten unter Schülerinnen und Schülern fest. Klares Ergebnis: Bei Körperverletzung und Raub sind Jungen häufiger Täter und Opfer. Mädchen hingegen sind deutlich häufiger Opfer von sexuellen Anzüglichkeiten, Belästigungen und Angriffen.

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Sexuelle Belästigungen werden nur selten zur Anzeige gebracht

So gaben 25 Prozent der Schülerinnen an, in ihrem Leben schon einmal sexuell belästigt worden zu sein und 5,6 Prozent berichteten, sogar sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Bei den Schülern berichteten 28,9 Prozent, von einem Einzelnen körperlich verletzt worden. 9,4 Prozent gaben an, von mehreren Personen traktiert worden zu sein. In gut 56 Prozent aller Fälle waren die Täter zwischen 14 und 17 Jahre alt.

Nach Körperverletzung und sexueller Belästigung wurde Raub als häufigstes Delikt genannt. 8,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler gaben an, schon einmal Opfer eines Raubes geworden zu sein – ein Delikt, das mit 37,7 Prozent vergleichsweise häufig zur Anzeige gebracht worden ist, wie die KFN-Forscherinnen und -Forscher notierten. Ganz im Gegensatz zur sexuellen Belästigung (6,7 Prozent). Sexuelle Gewalt wurde in jedem fünften Fall angezeigt.

Schule wird häufiger geschwänzt

„In der Tendenz steigt zwar die Kriminalität unter Jugendlichen für einige Delikte leicht an, sie ist aber auf einen längeren Zeitraum betrachtet nicht so hoch wie vor zwölf Jahren, als das KFN eine deutschlandweite Befragung gemacht hat“, sagt Projektleiterin Yvonne Krieg. Die Studie sei differenziert zu betrachten und es sollten nicht gleich die Alarmglocken schellen.

Das Forschungsinstitut hat auch herausgefunden, dass Schüler im Jahr 2019 häufiger die Schule schwänzten als in allen Befragungsjahren zuvor. So haben etwa ein Drittel der Neuntklässler angegeben, mindestens einmal geschwänzt zu haben, wobei nur ein Bruchteil (7,6 Prozent) der Jugendlichen der Schule mehr als fünf Tage fernblieb.

Verachtung für Hartz-IV-Empfänger

Positiv verzeichnet Yvonne Krieger. dass die Neuntklässler von heute weniger rauchten als früher und weniger körperliche Gewalt von ihren Eltern erführen. Auch das „Koma-Saufen“ komme immer mehr aus der Mode, obwohl insgesamt der Alkoholkonsum leicht zunehme. Bedenklich sei die Einstellung gegenüber Hartz-IV-Empfängern, die fast jeder dritte Jugendliche abwertend betrachte. Menschenfeindliche Einstellungen fänden sich bei jedem zehnten Jugendlichen – hier sei die Tendenz aber abnehmend.

Von Michael B. Berger