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Niedersachsen Eine politische Großvaterfigur
Nachrichten Politik Niedersachsen Eine politische Großvaterfigur
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00:15 21.02.2014
Von Klaus Wallbaum
Das Gewissen der CDU: Jürgen Gansäuer (70). Quelle: dpa
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Hannover

Die CDU ehrt Jürgen Gansäuer, der am Mittwoch 70 Jahre alt wird, nächste Woche mit einem großen Empfang. Manche Zeitzeugen hatten sich schon etwas gewundert: Nun, da er ohne Amt und Macht ist, erfährt der Mann eine Anerkennung, die ihm zu seinen aktiven Zeiten versagt geblieben war. Denn Gansäuer, ein scharfzüngiger Redner und heller Geist, ist bei den Christdemokraten selten flügelübergreifend gelobt worden. Dafür war er einfach immer zu gern angeeckt.

Es gibt aber eine Erklärung für die plötzliche Verehrung: die Niedersachsen-CDU braucht eine Großvaterfigur, einen Parteiältesten, der an alte, gute Zeiten erinnert. Sie findet ihn in Gansäuer. Früher hatte Wilfried Hasselmann diese Rolle, doch er ist seit zehn Jahren tot. Ernst Albrecht, der erste Ministerpräsident mit CDU-Parteibuch, ist zu krank. Selbst Christian Wulff, obwohl erst 53, wäre an sich als Parteiältester geeignet. Doch er hat sich nach den Umständen seines Rücktritts mit großen Teilen der CDU-Funktionsträger überworfen. Und David McAllister? Er ist erst 43 und noch zu sehr im politischen Tagesgeschäft verhaftet.

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Also bleibt Gansäuer, und der jung gebliebene 70-Jährige steht symbolisch für die beiden erfolgreichsten Perioden der Niedersachsen-CDU - die Ära Albrecht und die CDU/FDP-Koalition von 2003 bis 2013. Zum Ende der Albrecht-Zeit war der gelernte Kaufmann Fraktionschef im Landtag, ein angriffslustiger, geschickter Politiker. Mit Beginn der Oppositionszeit 1990 wäre Gansäuer wohl die Rolle der Nummer eins in der Partei zugefallen - wenn er denn gewollt hätte. Doch er zögerte, wohl auch deshalb, weil die CDU damals noch tief von regionalen und konfessionellen Gräben durchzogen war. Dann kam ein anderer, Wulff, und drängte sich vor.

Gansäuer blieb nichts, als sich einzureihen. Er schaffte einen Imagewechsel - weg vom Wadenbeißer, hin zum nachdenklichen Mahner. Wenn im Landtag die Wogen hochgingen und jemand gefragt war, dessen Gedanken überall Gehör finden konnten, war er der Richtige. Wie kein Parlamentspräsident vor und nach ihm förderte er die Landesgeschichte. Und er sorgte sich um die CDU, kümmerte sich (zuweilen im Konflikt mit Wulff) um die soziale Frage - ein Anliegen, das ihn, der in seiner Jugend in einer Behinderteneinrichtung gearbeitet hatte, immer am Herzen lag. Beim Abschied von der Macht und der Politik zeigte Gansäuer, wie verzichtbar Eitelkeit ist: Er wollte nicht, wie alle seine Vorgänger, in Öl gemalt und als Bild aufgehängt werden. Das passe nicht zu ihm, sagt er.

Und er war sich nicht zu schade, ganz unten in der Hierarchie noch einmal anzufangen - als einfacher Student der Geschichte, frei von allen Statussymbolen. Ganz frei allerdings nicht. Ihn juckt es immer wieder, beispielsweise beim Streit zwischen Hannover und Braunschweig, sich einzumischen. Ein entsprechendes Buch von ihm dazu ist in Vorbereitung.

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