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Niedersachsen EKD-Chef und Landesbischof fordern Erkundungsstopp in Gorleben
Nachrichten Politik Niedersachsen EKD-Chef und Landesbischof fordern Erkundungsstopp in Gorleben
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14:55 30.10.2011
Foto: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider (r.), und Hannovers Landesbischof Ralf Meister.
Fordern einen Erkundungsstopp in Gorleben: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider (r.), und Hannovers Landesbischof Ralf Meister. Quelle: dpa
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Gartow

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, und Hannovers Landesbischof Ralf Meister haben einen Erkundungsstopp in Gorleben gefordert. In Gartow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) verlangten beide am Samstag einen Neuanfang bei der bundesweiten Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll. „Die Frage der Endlagerung ist eine nationale Frage“, erklärte Schneider.

Bei den Menschen in der Region sei eine tiefe Vertrauenskrise festzustellen, erklärte der EKD-Präsident zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs im Wendland. Immer wieder seien in Gorleben die Kriterien den jeweiligen Bedingungen angepasst worden. „Wir brauchen einen Neuanfang“, forderte Schneider. Das wollte er auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in einem anstehenden Gespräch mitteilen.

Die evangelische Kirche ist für ihren atomkritischen Kurs bekannt. Erstmals haben nun Schneider und Meister Gorleben besucht. Damit setzten die Kirchenoberen kurz vor einem Spitzentreffen im Bundesumweltministerium zu einem möglichen Neustart der Endlagersuche und dem möglichen Castor-Transport Ende November ein klares politisches Zeichen.

Die bisherige Suche sei eine Geschichte des Unterschätzens, erklärte Schneider. Unterschätzt worden seien die Probleme, die Kosten und der Zeitbedarf.

Bundesweit demonstrierten am Samstag nach Angaben von Castor-Gegnern rund 6000 Menschen in 57 Städten gegen den bevorstehenden Transport nach Gorleben und die Atompolitik der Bundesregierung.

Schneider und Meister führten bei ihrem Besuch in Gorleben am Freitag und Samstag Gespräche mit Atomkraftgegnern aus der Region, mit der Kirchengemeinde Gartow und dem Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg sowie einer Delegation des Bundesamtes für Strahlenschutz unter Leitung von Präsident Wolfram König.

Die Kirchengemeinde Gartow hatte zur Klärung rechtlicher Zweifelsfragen im Oktober 2010 gegen die Fortsetzung der Erkundung des Gorlebener Salzstocks Klage eingereicht. Sie verfügt über Grundstücke und Salzrechte im Erkundungsgebiet. Schneider und Meister versprachen, die Gemeinde bei ihrem Kampf gegen das Endlager zu unterstützen. Die Kirchengemeinde Gartow war im vergangenen April mit ihrem Antrag auf eine vorläufige Unterbrechung der Erkundung von Gorleben als Endlagerstandort für radioaktive Abfälle vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg gescheitert.

Bereits im August 2010 hatte die Evangelische Landeskirche ein Zeichen gegen Atomkraft gesetzt. Der damalige Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen stellte in der Kirchengemeinde Drennhausen (Landkreis Harburg) an der Elbe einen symbolischen Wegweiser auf und bezeichnete die Aktion als „Mahnung zur Bewahrung der Schöpfung“.

„Wir halten die Atomtechnologie für nicht beherrschbar und nicht menschengerecht“, erklärte Jantzen, der damals die Landeskirche Hannovers nach dem Rücktritt von Margot Käßmann als Bischofsvikar geleitet hatte. Anders als ihre Vorgängerin in den Spitzenämtern, Käßmann, hatten Schneider und Meister sich mit politischen Stellungnahmen bisher eher zurückgehalten.

dpa

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