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Niedersachsen Der „harte Hund“ wird jetzt Minister im Osten
Nachrichten Politik Niedersachsen Der „harte Hund“ wird jetzt Minister im Osten
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19:26 19.04.2013
Von Klaus Wallbaum
Hartmut Möllring (r.) und sein neuer Dienstherr Ministerpräsident Reiner Haseloff.dpa
Hartmut Möllring (r.) und sein neuer Dienstherr Ministerpräsident Reiner Haseloff. Quelle: dpa
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Hildesheim

So kennt man Hartmut Möllring - er fackelt nicht lange, sondern folgt seinem Bauchgefühl. Vorgestern war es, als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) abends beim früheren niedersächsischen Finanzminister anrief. Ob er sich vorstellen könne, fragte Haseloff vorsichtig, „in meine Regierung zu kommen“. Möllring antwortete spontan: „Na, klar!“

Nun wird der Mann, der zehn Jahre lang zu den stärksten Figuren der Landespolitik gehörte, Minister für Wirtschaft und Wissenschaft in Sachsen-Anhalt. In Hannover hat das gestern Abend große Verblüffung ausgelöst. Denn Möllring wollte eigentlich mit der Politik Schluss machen, hatte nicht wieder für den Landtag kandidiert. Zuletzt muss ihn vieles angeödet haben, auch die internen Widersacher in der CDU Hildesheim, die eine Landtagskandidatur seiner Frau Eva blockiert hatten.

„Ich genieße meine Freistellungsphase“, sagte Möllring erst vor ein paar Tagen. Richtig überzeugend klang es nicht. Aber auf dem Sofa zu liegen und Sodoku-Rätsel zu lösen, muss ihm dann doch langweilig geworden sein. Er fing an, den Einkauf zu organisieren - Dinge, die eigentlich seine Frau schon in einer langjährigen Routine allein zu erledigen gewohnt war. Der Anruf aus Magdeburg wirkte in dieser Lage wohl wie eine ganz große Verlockung.

Der Wechsel ins CDU/SPD-Kabinett in Magdeburg ist für ihn auch deshalb reizvoll, weil Möllring sich dort durchaus auskennt. Die Nord/LB, deren Aufsichtsratschef er bis vor wenigen Wochen war, ist die Landesbank für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Über dieses Amt hat er Einblick bekommen in die Leistungskraft des Bundeslandes, für dessen Wirtschaftspolitik er jetzt zuständig wird.

Außerdem hat Möllring gute Kontakte. Staatskanzleichef Rainer Robra kommt aus Celle, der Jurist ist ein alter Bekannter. Der Emsländer Walter Remmers war in den neunziger Jahren Magdeburger Minister - Möllring kennt ihn gut, er hatte seine Karriere in Niedersachsen als sein persönlicher Referent begonnen. Wie gut die Kontakte sind, zeigt sich auch an der Person des Finanzministers Jens Bullerjahn, der starken Figur der SPD im Kabinett. Als Sparpolitiker agiert er ähnlich rigoros wie einst Möllring in Hannover, beide kennen sich aus dem Aufsichtsrat der Nord/LB, und Bullerjahn wurde auch Möllrings Nachfolger als Verhandlungsführer der Länder für den öffentlichen Dienst. „Befreundet“ sei er mit Bullerjahn, berichtet Möllring.

Trotzdem dürfte der Start für den Niedersachsen in Magdeburg nicht einfach werden. Seine Vorgängerin Brigitta Wolff wehrte sich gegen das strenge Sparprogramm für die Hochschulen - die Zuschüsse sollen schrumpfen, möglicherweise werden zwei medizinische Fakultäten, in Magdeburg und Halle, nicht parallel zu halten sein. Bullerjahn wird auf Kürzungen drängen, so wie es Möllring in Hannover früher auch gewohnt war. Aber nun kommt ihm die Aufgabe zu, den Wissenschaftsstandort möglichst vor dem Rotstift zu verschonen. Da ist viel Verhandlungsgeschick nötig, und spannend wird sein, ob das Rauhbein Möllring bei eher empfindlichen Gemütern im Osten gut ankommt.

Bei der Frage, wer bei dieser Personalie im Hintergrund gewirkt haben könnte, wird auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka erwähnt. Sie kennt Möllring aus gemeinsamen Kabinettstagen in Hannover, und sie hat exzellente Kontakte in die CDU Sachsen-Anhalt. Auf Wunsch der Bundesministerin war Möllring just am Donnerstag zu einem Vortrag bei der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn. Der Anruf von Haseloff mit der Bitte, neuer Wissenschaftsminister zu werden, erreichte ihn auf der Rückfahrt nach Hildesheim. Ein Zufall?

Möllrings Frau Eva freut sich auf die neue Zeit: Die Juristin hat einen Lehrauftrag an der Uni Potsdam angenommen.

Klaus Wallbaum 19.04.2013
Klaus Wallbaum 18.04.2013