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Niedersachsen „Es waren schöne Jahre“
Nachrichten Politik Niedersachsen „Es waren schöne Jahre“
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00:15 29.03.2014
Von Klaus Wallbaum
Foto: David McAllister saß seit 1998 für die CDU im Landtag.
David McAllister saß seit 1998 für die CDU im Landtag. Quelle: dpa
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Hannover

Immer dann, wenn ein bekannter Politiker nach längerer Zeit den Landtag verlässt, ändert sich die Stimmungslage im Parlament schlagartig. Auf einmal besinnt man sich auf die Gemeinsamkeiten, lässt das parteipolitische Klein-Klein für eine Weile außer Acht und wird im Tonfall grundsätzlich und feierlich. So geschah es auch am Mittwoch wieder, als der ehemalige Ministerpräsident David McAllister (CDU) nach 16 Jahren Landtagszugehörigkeit seinen Abgeordnetenplatz räumte.

In zwei Monaten ist Europawahl, die ersten Wahlplakate hängen in Hannover schon. McAllister will künftig im Europaparlament in Brüssel und Straßburg Politik treiben. „Also ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Abschied aus dem Landtag“, erklärte er gestern. Aber was soll man in seiner letzten Rede noch mitteilen? 13 Monate lang, seit der für ihn harten Niederlage bei der Landtagswahl im Januar 2013, hatte er im Landtag nichts mehr gesagt. Als Nicht-Mehr-Ministerpräsident wollte er keine Spekulationen anheizen. Denn jede Meinungsäußerung, meinte er, hätte fehlgedeutet werden können – als unangemessene Kritik am neuen Ministerpräsidenten Stephan Weil oder als mangelndes Autoritätsbekenntnis für die neue Führung der CDU um Fraktionschef Björn Thümler. Also schwieg McAllister monatelang lieber, wirkte dabei aber oft bedrückt, sodass immer wieder gemutmaßt wurde, er habe den Verlust des Ministerpräsidentenamtes noch nicht verwunden.

Jetzt aber musste er reden. Da gab es kein Vertun mehr. Der 43-jJährige entschied sich in seiner zehnminütigen Ansprache für eine klassische Variante: Dank an alle, vor allem die eigene Fraktion, Lob für „spannende, ereignisreiche und schöne Jahre“, Angebot zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit in den wichtigen Fragen (vor allem, was die EU angeht) und Zuwendung zu dem Thema, das ihn künftig beruflich ausfüllen dürfte – die europäische Einigung. In diesem Augenblick zeigt sich, wie weit McAllister gedanklich schon von Hannover entfernt ist. Nur noch einmal blitzt der Schmerz der Landtagswahlniederlage auf, als er – vermutlich ironisch – über sein „besonders emotionales Verhältnis zur FDP seit dem 20. Januar 2013“ spricht. In der CDU halten sich Theorien, wonach die besondere Unterstützung der Christ- für die Freidemokraten vor der letzten Landtagswahl mitverantwortlich gewesen sei für das knappe Scheitern von Schwarz-Gelb.

Dann bittet McAllister noch jene um Verzeihung, die er angegriffen und beleidigt haben mag (sieben Ordnungsrufe hatte er in 16 Jahren kassiert), und ganz zum Schluss sagt er: „Machen Sie’s gut. Auf Wiedersehen.“
Später, in kleiner Runde, nachdem ihm jede Menge Glückwünsche, vier Blumensträuße, etliche Präsentkörbe und manches doppeldeutiges Geschenk überreicht wurden, freut er sich über die Spekulationen, die er mit seinem Schlusswort ausgelöst hat. Heißt „Auf Wiedersehen“, dass er vielleicht wiederkommt – womöglich als CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2017 oder 2018? McAllister feixt, weil er seine Zuhörer erfolgreich verwirrt hat: „Das Wort ,Tschüss’ war mir zu förmlich.“

Die Grünen haben ihm Marschverpflegung für Brüssel mitgegeben: Ein paar Flaschen Oettinger-Bier (ein versteckter Hinweis auf den gleichnamigen EU-Kommissar) und ein Spanisch-Wörterbuch – damit er künftig dem EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia angemessen widersprechen kann.

Klaus Wallbaum 23.03.2014