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Niedersachsen Ministerpräsident Weil hält an Präsenzunterricht in Schulen fest
Nachrichten Politik Niedersachsen

Corona und Schule: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil will keinen generellen Wechselunterricht

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14:48 30.11.2020
86 Prozent der Schüler sind im Präsenzunterricht, sagt Ministerpräsident Stephan Weil im Landtag.
86 Prozent der Schüler sind im Präsenzunterricht, sagt Ministerpräsident Stephan Weil im Landtag. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat Forderungen eine Absage erteilt, angesichts noch immer hoher Corona-Infektionszahlen die Schulen generell in einen Wechselbetrieb zu schicken. Dabei würde jeweils nur die Hälfte der Schülerinnen direkt im Klassenzimmer unterrichtet. „Diesen Forderungen kann ich persönlich nichts abgewinnen“, sagte Weil am Montag in einer Regierungserklärung vor dem niedersächsischen Landtag.

Erhoben hatte die Forderung Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU), der in seiner Stadt alle Schulen bis zum 18. Dezember in den Wechselbetrieb geschickt hat. Auch Lehrer und Schüler hatten einen schnelleren Wechsel in das sogenannte Szenario B mit Unterricht teils in den Schulen und teils zu Hause gefordert, um das Risiko einer Corona-Ansteckung zu reduzieren.

Weil: Niedersachsen steht gut da in der Pandemie

Weil sagte, im Moment befänden sich 86,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht. Dies zeige, dass der Weg Niedersachsens richtig sei. Niedersachsen sei auch das einzige Bundesland, das ab einem Sieben-Tages-Inzidenzwert von 100 Infektionen pro 100.000 Einwohner und einem Infektionsfall weiterführende Schulen in den Wechselbetrieb schicke und ab einem Wert von 200 generell alle Schulen.

Salzgitters OB hat bei einem Inzidenzwert von 171,4 den Wechselbetrieb aller Schulen in seiner Stadt bis zum 18. Dezember verlängert. Klingebiel forderte, landesweit so zu verfahren.

Weil betonte, dass Niedersachsen bei der Pandemiebekämpfung im bundesdeutschen Ländervergleich gut dastehe und eines der Länder mit den wenigsten Infektionen sei. Allerdings seien die Werte immer noch zu hoch. Deshalb brauche man weitere Beschränkungen bei privaten Kontakten. Der Ministerpräsident sagte, im kommenden Jahr werde die Lage gewiss besser, auch durch Impfungen und mehr Schnelltests für besonders gefährdete Einrichtungen wie etwa Alten- und Pflegeheime.

Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg forderte ebenso wie ihr FDP-Kollege Stefan Birkner eine weiterführende Strategie der Landesregierung über Weihnachten und Silvester hinaus. Es reiche auch nicht, so Hamburg, „nur auf das Private zu schauen“, um die Infektionszahlen zu drücken. Man müsse auch den öffentlichen Personennahverkehr in den Blick nehmen. Immerhin greife die Landesregierung jetzt auch Anregungen der Opposition auf, gebe etwa Millionen frei zur Entzerrung des Schülerverkehrs. 

Birkner sagte, man brauche in der aktuellen Lage mehr Differenzierungen in der Pandemiebekämpfung. Er wünsche sich, dass die Landesregierung mehr Selbstkritik übe.

Modder und Toepffer verteidigen Weils Kurs

SPD-Fraktionschefin Johanne Modder und ihr CDU-Kollege Dirk Toepffer unterstützten den Regierungskurs. „Die Hotspot-Strategie des Kultusministers ist richtig“, sagte Modder. Toepffer sagte, Deutschland und Niedersachsen hätten in der Pandemiebekämpfung „eine gute Figur gemacht“. Beide knöpften sich angebliche Querdenkerinnen vor, die sich unter anderem mit der hingerichteten NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholz verglichen hatten. Dana Guth (AfD) sagte, sie hoffe nicht, dass die Landesregierung „eine Impfpflicht durch die Hintertür“ einführen werde.

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Von Michael B. Berger