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Niedersachsen Bundeswehrstandorte schrumpfen
Nachrichten Politik Niedersachsen Bundeswehrstandorte schrumpfen
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23:13 10.06.2012
Die Bundeswehrstandorte in Niedersachsen sehen dem Abbau mit gemischten Gefühlen entgegen.
Die Bundeswehrstandorte in Niedersachsen sehen dem Abbau mit gemischten Gefühlen entgegen. Quelle: dpa
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Hannover

Nach den Plänen des Verteidigungsministeriums sind zahlreiche Standorte in Niedersachsen von der Neuausrichtung der Bundeswehr betroffen. Einige werden komplett aufgelöst, andere müssen zum Teil drastische Kürzungen hinnehmen. Am Dienstag will Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) den Zeitplan für das Konzept vorstellen.

„Eine Ära geht zu Ende“, sagte einer der befragten Bürgermeister, deren Gemeinden und Städte in Zukunft von der Reform der Bundeswehr betroffen sein werden. Die Aussage beschreibt die Grundstimmung bei vielen Menschen in Niedersachsen.  Einige bedauern die Streichungen, andere bereiten sich schon seit Jahren auf die immer kleiner werdende Bundeswehr vor, wieder andere können der Streichung auch positive Seiten abgewinnen. Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

In Schwanewede können noch keine festen Pläne geschmiedet werden. Die Kaserne mit bisher 1130 Dienstposten in der Gemeinde bei Bremen soll zwar geschlossen werden, die Zukunft des Übungsplatzes auf dem Kasernengelände ist aber noch ungeklärt. „Wenn schon, dann möchten wir insgesamt Bundeswehr-frei werden“, sagte Bürgermeister Harald Stehnken (SPD). Neben übenden Panzern ließe sich schließlich kein Gewerbe ansiedeln, auch für die Anwohner sei es eine Belästigung.

Mit der Reform muss Delmenhorst eine Halbierung der Dienstposten verkraften. Dort werde die Reduzierung auf 1380 Stellen sehr bedauert, sagte Stadtsprecher Timo Frers. Die Bundeswehr sei schließlich einer der größten Arbeitgeber. „Eine zivile Nutzung von Teilen des Kasernengeländes ist unwahrscheinlich, da die Bundeswehr öffentlich mitgeteilt hat, dass die für die Stadt attraktiven Flächen vom hier stationierten Logistikbataillon selbst benötigt werden.“

Lüneburg bereitet sich nach den Worten von Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) schon seit Jahren auf den Truppenabzug vor. „Dazu gehört die alternative Nutzung ehemaliger Kasernenflächen für Uni, Gewerbe, Wohnen.“ Mit der Bundeswehr und dem Bund führe man gute Gespräche. Auch mit der Informationspolitik ist er zufrieden. „Aber das ist auch eine Holschuld. Man muss sich immer darum kümmern.“

Heinz-Werner Windhorst, parteiloser Bürgermeister im ostfriesischen Aurich, ist enttäuscht wegen der Stellenreduzierung. „Aurich ist historischer Garnisonsstandort“, sagte Windhorst. Zur Bundeswehr gebe es seit langem enge Verbindungen. Ganz pessimistisch sei er aber nicht, wenn nach der Reduzierung nur noch 110 von jetzt 550 Dienstposten vorhanden sein sollen. Für einen Teil der Beschäftigten werde die Bundeswehr Lösungen finden. Ein anderer Teil werde sicherlich am nahen Standort in Wittmund eine Stelle bekommen. „Hier werden definitiv nicht alle von einen auf den anderen Tag arbeitslos sein.“

Im benachbarten Wittmund sollen nach dem Stationierungskonzept von ehemals 1660 Dienstposten 730 Stellen übrig bleiben. Die Umstrukturierung laufe aber bereits seit längerem, sagte Bürgermeister Rolf Claußen (CDU). Der Kaufkraftverlust werde nicht gravierend sein. „Viele der Soldaten sind sowieso von außerhalb in die Kaserne gependelt.“ Claußen hofft außerdem darauf, dass durch die Ansiedlung des neuen „hochtechnischen“ Eurofighters dementsprechend hoch qualifizierte Dienstposten angesiedelt werden. 

dpa

Gabriele Schulte 08.06.2012
Klaus Wallbaum 07.06.2012