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Niedersachsen Atomgegner ignorieren Röttgen-Besuch in Gorleben
Nachrichten Politik Niedersachsen Atomgegner ignorieren Röttgen-Besuch in Gorleben
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17:55 01.12.2010
Gegen den Castortransport hatte die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg noch protestiert - den Besuch des Umweltministers will sie ignorieren.
Gegen den Castortransport hatte die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg noch protestiert - den Besuch des Umweltministers will sie ignorieren. Quelle: dpa
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Die Gegner eines Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll in Gorleben wollen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bei seinem Besuch im Wendland die kalte Schulter zeigen. Der CDU-Politiker will am Donnerstag nach Gorleben reisen. Die Einladung des Kreistages zu einer öffentlichen Debatte habe der Minister ignoriert, kritisierten die Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg (BI) am Mittwoch. „Im Gegenzug ignorieren die Gorleben-Gegner den Ministerbesuch und verzichten sogar auf Gegendemonstrationen.“

Röttgen komme nach der Entscheidung, die Arbeiten zur Erkundung in dem Salzstock Gorleben wieder aufzunehmen, „und zwar weiterhin auf der Basis veralteter Planungsgrundlagen, die eine formale öffentliche Beteiligung von Kritikern bewusst ausschlagen“, kritisierte die BI. Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“, sagte, er wolle kein Statist sein in der „Röttgen-Show“.

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte der „Leipziger Volkszeitung“, Röttgens Besuch sei „ein untauglicher Versuch der Selbstinszenierung“. „Zu einem ehrlichen Dialog gehört Offenheit und Aufgeschlossenheit für mögliche Alternativen. Das will Herr Röttgen nicht.“ In Gorleben werde „nichts mehr geprüft oder erkundet, sondern gebaut“.

Bei seinem Besuch in dem niedersächsischen Ort wird sich Röttgen zunächst nur auf dem Gelände des Erkundungsbergwerks aufhalten und dort neben einem Besuch im Salzstock mit Mandatsträgern sprechen. Einziger Termin außerhalb des Geländes ist ein Gespräch mit Andreas Graf von Bernstorff, der seine Grundstücke über dem Salzstock nicht verkaufen will und im Streit um Gorleben aus der CDU ausgetreten ist. Röttgen will als letztes Mittel auch Enteignungen zulassen, um alle Bereiche des Salzstocks, die unter den Grundstücken liegen, erkunden zu lassen. Davon könnte besonders Graf Bernstorff betroffen sein.

„Konsultierende Gespräche hinter Bergwerks-Mauern“ seien nicht der richtige Weg für einen offenen Dialog, sagte die im Wendland lebende Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, der dpa. „Röttgen kommt zu spät“, sagte Atomgegner Stay. Ein solches Gespräch diene nur dem Image des Ministers, sei aber kein ernst gemeinter Dialog. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke sagte: „Nach über 30 Jahren alternativloser Festlegung auf Gorleben, nach 30 Jahren Anpassung der Eignungskriterien an negative geologische Befunde gehört der Standort auf den Misthaufen der Nukleargeschichte.“

Im Oktober war nach einer zehnjährigen Unterbrechung die Erkundung des Salzstocks neu gestartet worden - bis zu einer ersten Vorentscheidung über die Eignung dürfte es bis mindestens 2017 dauern. Mit jedem weiteren Castor-Behälter, der ins Zwischenlager nach Gorleben kommt, sehen die Wendländer ein weiteres Faktum dafür, dass der Atommüll am Ende auch in ihrer Erde vergraben wird. Der Salzstock liegt in der Nähe des oberirdischen Zwischenlagers.

dpa

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