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Deutschland / Welt Wikileaks-Gründer Assange zur Fahndung ausgeschrieben
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21:01 18.11.2010
Wikileaks-Gründer Julian Assange
Wikileaks-Gründer Julian Assange Quelle: dpa
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Die von zwei Schwedinnen erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe verfolgen Wikileaks-Gründer Julian Assange. Am Donnerstag verhängte das Landesgericht in Stockholm auf Begehren von Oberstaatsanwältin Marianne Ny Untersuchungshaft gegen den 39-jährigen Australier. Assange wird auch international zur Fahndung ausgeschrieben.

Damit nimmt die Affäre, die im August begann, eine neue dramatische Wendung. Der Internetaktivist hatte sich damals zu einer Vortragsreihe in Schweden aufgehalten, in der er über die Hunderttausenden von Wikileaks veröffentlichten Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg berichtete. Doch dann zeigte ihn die Frau, bei der er während seines Aufenthalts wohnen sollte, wegen sexueller Belästigung an, und eine andere warf ihm Vergewaltigung vor. Assange bestritt beides. Er räumte ein, dass es zu sexuellen Beziehungen gekommen war, jedoch in gegenseitigem Einverständnis.

Die diensthabende Staatsanwältin ordnete seine Festnahme an, tags darauf hob Anklägerin Eva Finne den Haftbefehl wieder auf und stufte nach ersten Verhören die Vorwürfe von Vergewaltigung auf unzulässigen Zwang zurück. Dagegen protestierte der Anwalt der beiden Frauen, woraufhin Oberstaatsanwältin Ny sich der Sache annahm und nun, nach drei Monaten Voruntersuchung, erneut die Verhaftung Assanges beantragte.

Es bestehe „begründeter Verdacht“ auf Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Zwang. Als Grund für den Haftbefehl nannte Ny, dass der Verdächtige verhört werden müsse, dafür aber nicht erreichbar gewesen sei. Nach einem einstündigen Haftprüfungstermin hinter verschlossenen Türen gab das Gericht dem Antrag statt und schrieb Assange zur Fahndung aus.

Wo sich Assange zurzeit aufhält, wollte sein Anwalt Björn Hurtig nicht mitteilen. Sein Klient weise alle Anklagepunkte zurück. Die „falschen Anklagen“ seien „vernichtend“ für Assange und seine Tätigkeit. Dieser wirke global, und seine Arbeit werde durch einen internationalen Suchbefehl unmöglich gemacht. Assange hatte ein Komplott des US-Geheimdienstes für die Vorwürfe verantwortlich gemacht, mit dem seine Glaubwürdigkeit untergraben und Wikileaks geschädigt werden solle. Nähere Erklärungen lehnte er ab, mehrere Interviews brach er ab, wenn die Rede auf die Vergewaltigungsvorwürfe kam. Innerhalb der Organisation ist sein Vorgehen umstritten, führende Mitarbeiter forderten ihn auf, bis zur Klärung der Affäre seine Rolle als Frontfigur aufzugeben. Dies lehnt Assange ab.

In Schweden hatte der Australier auch um Aufenthaltsgenehmigung nachgesucht, um mit einer schwedischen Herausgeberlizenz die Wikileaks-Site dank der dortigen Regeln für Informationsfreiheit besser schützen zu können. In Stockholm steht auch Wikileaks Hauptserver. Die Migrationsbehörde lehnte den Antrag jedoch ab. Assange sagte daraufhin, er könne nur noch in Kuba, Island und der Schweiz leben; in Kuba jedoch nur, solange er keine kubanischen Dokumente veröffentlichte, und in Island fürchte er den Einfluss der Nato. Deshalb denke er an eine Niederlassung in der Schweiz.

Hannes Gamillschegg

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