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Deutschland / Welt Wie ein Minister mithilfe von Influencern für seine Politik wirbt
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09:00 19.10.2019
Til Schweiger (334.000 Abonnenten bei Instagram und Gerd Müller (1.900 Abonnenten) stellen in Berlin die bundesweite Kampagne "Entwicklung wirkt!" vor. Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/
Berlin

Es gibt wenige Politikfelder, die in der Bevölkerung einen positiven Ruf genießen. Finanzpolitiker wollen laut Volksmund dem kleinen Mann das Geld aus der Tasche ziehen, Verkehrspolitiker sind schuld an Staus und Schlaglöchern, und Innenpolitiker gehen – je nach Blickwinkel – zu lasch mit Straftätern um oder sind „Law and Order“-Fanatiker.

Grundsätzlich beliebt sind bei den Deutschen die Außenpolitiker, darunter auch der Entwicklungsminister. Er kümmert sich um sauberes Wasser in Afrika, Schulen in Südamerika oder die Hungerbekämpfung auf der ganzen Welt – ist also statt mit innenpolitischen Grabenkämpfen mit der guten Sache befasst.

Entwicklungsminister Müller ist beliebtester Politiker im Internet

So geht es auch Entwicklungsminister Gerd Müller. Der CSU-Mann genießt im Vergleich zu anderen Ministern der großen Koalition einen guten Ruf. In den Sozialen Medien ist Müller sogar der beliebteste Politiker: Laut einer Analyse der Firma Vico Research & Consulting waren von untersuchten 260.000 Social-Media-Beiträge über Müller 70 Prozent positiv.

Dabei hat Müller im Vergleich zu anderen Spitzenpolitikern recht wenige Follower in den Sozialen Medien: Gerade einmal knapp 2000 Menschen folgen dem Minister jeweils auf Facebook und Instagram. Bei Twitter ist Müller nicht aktiv.

Die "größte Social Media Kampagne“

Das könnte sich nun ändern: Von nun an hat Müllers Ministerium einflussreiche Multiplikatoren, um für sein Wirken zu werben. Nichts weniger als die „größte Social Media Kampagne“ Deutschlands kündigte der Minister in dieser Woche auf einer Pressekonferenz in Berlin an - mit Schauspieler Til Schweiger an seiner Seite.

Dahinter steckt eine neue, ungewöhnliche Partnerschaft des Ministeriums: Es unterstützt künftig die von mehreren Hilfsorganisationen und Prominenten gestartete Initiative „Entwicklung wirkt“. Diese will auf die „Wirksamkeit der von Deutschland geleisteten Entwicklungsarbeit“ aufmerksam machen. Viele Menschen behaupteten, dass Geld für Entwicklungshilfe häufig in der Bürokratie versickere und nicht bei den menschen ankomme, sagte Schweiger bei der Kampagnenvorstellung in Berlin: "Das ist einfach falsch!"

Die Kampagne besteht aus Werbevideos, in denen die Promis zeigen, wofür das Geld des Entwicklungsministeriums ausgegeben werden und welchen positiven Effekt diese bereits haben. Sie treffen Ärzte und Profiteure der Entwicklungsgelder in den Regionen vor Ort und lassen sich von diesen die bisherigen Erfolge präsentieren.

So nimmt beispielsweise der 25-jährige Peter Mweke aus Nairobi die Videobloggerin Julia Beautx mit durch die Slums der Stadt. Als Kind lief Mweke selbst als Obdachloser durch die dreckigen Straßen - bis ihn die Kindernothilfe aufnahm. Heute ist Mweke Musiker und kann davon sogar leben. Die elf Videos verbreiten neben der Kampagne selbst die Promis auf ihren eigenen Facebook-, Twitter- und Instagram-Kanälen.

Zielgruppe: 24 Millionen junge User

Müller kann dabei auf die Unterstützung von Promis aus der „analogen“ Welt wie Til Schweiger und Peter Maffay setzen - aber auch auf Internet-Größen wie dem Youtube-Star Gronkh oder die Video-Bloggerin Julia Beautx. Alleine diese beiden Internet-Stars kommen zusammen auf knapp sieben Millionen Abonnenten auf Youtube.

Insgesamt können die Promis, die "Entwicklung wirkt" unterstützen, laut Harald Kischlat von der Organisation „German Doctors“ bis zu 24 Millionen Menschen über ihre Social Media-Kanäle erreichen. Ein Wert, von dem Politiker normalerweise träumen. Zum Vergleich: Das sind rund 2,5 Millionen mehr als in Deutschland das Finale der Fußball-WM 2018 gesehen haben.

Rezo-Video als Impuls

Die Bedeutung von modernen Medien und der Einfluss von Influencern und Videobloggern ist der Politik spätestens seit dem berüchtigten und millionenfach angeklickten Rezo-Video über die „Zerstörung der CDU bewusst. Das Video des jungen Mannes mit den blauen Haaren habe auch bei den Planungen für das neue Projekt eine Rolle gespielt, bestätigt Kischlat: "Es hat uns auf jeden Fall darin bestärkt, für die Kampagne auch Menschen wie 'Gronkh' zu gewinnen."

Das sonst eher unter mangelnder Aufmerksamkeit leidende Entwicklungsministerium steigt damit in eine neue Form der politischen Kommunikation ein. Unter anderem nutzt es dabei als unpolitische geltende Influencer und Stars aus der digitalen Welt als Vermittler seiner Politik. Denn während Prominente wie die Schauspieler Til Schweiger und Jan Josef Liefers schon seit Jahren auch Charity-Projekte unterstützen und durch politische Aussagen auffallen, halten sich YouTuber und Instagrammer damit eher zurück.

Dass sie nun sogar indirekt für die Arbeit der Bundesregierung werben - denn das Ministerium fördert die Organisationen und deren Arbeit -, dürfte Minister Müller deshalb um so stärker dabei nutzen, jüngere Menschen für das vergessene Thema Entwicklungshilfe zu interessieren. Denn die Hilfsorganisationen sind auf die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen. "Wir dürfen bei diesem Thema die Jugend nicht verlieren", sagt der Minister.

Von Marcel Sacha/RND

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