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Deutschland / Welt „Lass meinen Arm los“ – die letzten Minuten von Khashoggi
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17:42 20.11.2018
Der regierungskritische saudische Journalisten Jamal Khashoggi wurde vor sieben Wochen im Istanbuler Konsulat ermordet. Quelle: Virginia Mayo/AP/dpa
Istanbul

Sieben Wochen nach dem Mord am regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Landes hat eine türkische Webseite die ersten Zitate aus den türkischen Aufnahmen von der Tat veröffentlicht. Auf den Bändern sei zu hören, wie Khashoggi ruft: „Lass meinen Arm los, was denken Sie, was Sie da tun“, heißt es in dem Bericht des Mediums „Habertürk“, den die große Zeitung „Hürriyet“ am Dienstag aufgriff. „Habertürk“ berief sich auf Quellen aus Sicherheitskreisen.

Türkischen Quellen zufolge soll ein aus Saudi-Arabien angereistes 15-köpfiges Spezialkommando Khashoggi getötet und seine Leiche beseitigt haben.

Dem Medienbericht zufolge dokumentieren die Tonaufnahmen zunächst eine sieben Minuten lange Auseinandersetzung zwischen Khashoggi und vier Angreifern. Den Bändern zufolge sei Khashoggi dann in einen anderen Bereich des Hauses, die „Abteilung B“, gebracht worden - eine Version, die früheren Darstellungen widerspricht, wonach Khashoggi bereits kurz nach Betreten des Hauses tot gewesen sein soll.

Aufnahme von verbaler Auseinandersetzung mit Khashoggi

Eine zweite Aufnahme aus diesem Teil des Hauses sei vier Minuten lang, berichten „Habertürk“ und „Hürriyet“ weiter. Zu hören sei nun eine weitere verbale Auseinandersetzung mit Khashoggi, aber auch die Geräusche eines Kampfes, dann die von „Schlägen“ und „Folter“. Die Aufnahmen seien aber auch fast zwei Stunden langen unterbrochen worden, vermutlich von Störgeräten der Saudis.

Insgesamt seien die Stimmen von sieben Männern zu hören. Türkischen Sicherheitsquellen zufolge, so heißt es weiter, sei einer der Sprecher als Mahir Mutrib identifiziert worden. Er soll gesagt haben: „Verräter. Du wirst zur Rechenschaft gezogen werden.“ Das Stimmprofil wurde laut „Hürriyet“ mit Stimmproben verglichen, die bei der Einreise des Mannes von Grenzbeamten aufgenommen worden seien. US-amerikanische Medien hatten Mutrib als regelmäßigen Begleiter des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman identifiziert.

Gespräche mit dem persönlichen Berater des Kronprinzen

Mutribs Stimme sei auch in 19 Telefongesprächen mit Saudi-Arabien zu hören, berichten die beiden türkischen Medien weiter. Vier dieser Gespräche seien mit dem persönlichen Berater des Kronprinzen, Saud al-Kahtani, geführt worden. Sollte das zutreffen, würde sich der Verdacht auf eine Beteiligung höchster saudischer Regierungkreise bis hin zum Thronfolger erhärten. Die „New York Times“ hatte jüngst von einem Telefonanruf aus dem Konsulat berichtet, bei dem Mutrib dem Gesprächspartner nach der Tat gesagt haben soll, er solle „seinem Chef“ Bescheid geben.

Lesen Sie auch: Vielfältige Hinweise auf saudischen Kronprinzen

Riad hatte Berichte zur Verstrickung Mohammed bin Salmans erst am Montag erneut vehement zurückgewiesen. „Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind“, sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubair der von Saudi-Arabien finanzierten Tageszeitung „Al-Sharq al-Awsat“. König Salman und der Thronfolger seien eine „rote Linie“, warnte Al-Dschubair. „Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer.“ Bei den Vorwürfen handele es sich um Medienberichte, Offizielles aus den USA gebe es dazu nicht.

USA kündigen umfassenden Bericht an

Die „Washington Post“ hatte unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe Mohammed bin Salman als Drahtzieher hinter dem gewaltsamen Tod Khashoggis. Das Außenministerium in Washington stellte aber klar, es sei noch keine abschließende Bewertung getroffen worden. Präsident Donald Trump hatte einen „umfassenden Bericht“ zu der Ermordung angekündigt, der bis zu diesem Dienstag vorliegen soll.

Ende der Woche soll der Kronprinz dann erstmals seit Beginn der Khashoggi-Affäre ins Ausland reisen. Von Freitag an besuche er die engen Verbündeten der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten, bevor er zum G20-Gipfel nach Argentinien fliegen werde, hieß es am Dienstag aus diplomatischen Kreisen in Riad. Auf der Agenda stünden Gespräche über den Krieg im Jemen, den Kampf gegen den Terror und die Stärkung der bilateralen Beziehungen mit den Verbündeten.

Von RND/dpa/lf

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