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Deutschland / Welt Was über die Hintermänner von Straches Videofalle bekannt ist
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17:11 23.05.2019
Das Ibiza-Video mit Strache und Gudenus (l.) wurde heimlich aufgenommen. Nun beschuldigt ein Ex-Sicherheitsberater zwei Männer, hinter der Videofalle zu stecken. Quelle: Spiegel online, Süddeutsche Zeitung
Wien/München

Wer steckt hinter dem Ibiza-Video, das Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) zu Fall gebracht hat? Und warum wurde es ausgerechnet jetzt veröffentlicht? Nun meldet sich ein zwielichtiger Kronzeuge und Ex-Sicherheitsberater zu Wort, der einen Wiener Anwalt und einen Münchner Detektiv schwer belastet.

Wie die „Zeit“ berichtet, habe ein „Geflecht an Personen mit unterschiedlichen Zielen“ Strache die Video-Falle gestellt. Schon 2018 hätten Hintermänner versucht, das Video für einen Millionenbetrag an Medien zu verkaufen - allerdings ohne Erfolg.

Auch dem TV-Entertainer Jan Böhmermann sei das Video damals angeboten worden. Nach dessen Anspielung beim österreichischen TV-Preis Romy im April („Ich hänge hier zugekokst mit FPÖ-Geschäftsfreunden in einer Villa auf Ibiza rum“) seien die Hintermänner demnach in Panik geraten. Die FPÖ, deren Minister zu diesem Zeitpunkt in Österreich alle Geheimdienste kontrollierten, sei durch Böhmermann nun gewarnt gewesen. Die Drahtzieher hätten ihre Enttarnung fürchten müssen. Als Folge boten sie das bereits 2017 gedrehte Video kostenlos dem „Spiegel“, und der „SZ“ an, die dieses schließlich (teilweise) veröffentlichten.

„Das Video trägt meine Handschrift“

Aber wer gehört zu diesem „Geflecht der Personen“, die die Videofalle stellte? Im österreichischen TV-Sender Oe24 trat der Ex-Sicherheitsberater Sascha Wandl (Kaugummi kauend) auf. Der Österreicher behauptet, er habe seine „Handschrift“ in dem Ibiza-Video sofort erkannt – und seinen ehemaligen Kompagnon, den Münchner Detektiv Julian H. , Tarnname Julian Thaler.

Laut Wandl sei der Deutsche mit Wohnsitz in der Wiener Innenstadt „Hauptdrahtzieher“ des Videos. H. taucht in dem Ibiza-Video am Rande selbst kurz auf. Wandl behauptet, in der Machart der Video-Falle seine eigene Handschrift zu erkennen. Die eingesetzten Techniken habe er Julian H. einst persönlich beigebracht.

Und noch einem zweiten Namen bringt Wandl ins Spiel. Den des Wiener Rechtsanwalts Dr. M.. Der Jurist mit iranischen Wurzeln brachte den inzwischen zurückgetretenen FPÖ-Funktionär Johann Gudenus, der in Ibiza als Dolmetscher diente, an einen Tisch mit der angeblichen Oligarchen-Nichte aus Lettland, sowie den Detektiv Julian H., der als ihr Vertrauensmann auftrat.

Vorwand für das erste Treffen war das angebliche Kaufinteresse der Oligrachennichte an einem Waldstück bzw. einer Jagd-Hütte, die der Familie Gudenus gehört. Der zurückgetretene FPÖ-Politiker und ehemalige Strache-Vertraute bestätigte das Kaufinteresse.

Kommt die vermeintliche Oligrachen-Nichte aus dem Rotlicht-Milieu?

Wandl, gegen den selbst ein Prozess wegen Industriespionage läuft, schätzt den Preis des Videos auf 300.000 bis 600.000 Euro. Die Anmietung von teuren Fahrzeugen und der Villa gehören ebenso dazu, wie die Bezahlung der „Oligarchennichte“.

Bei ihr handle es sich um eine „semi-professionelle Halbprostituierte“. Die beiden von Wandl beschuldigten Männer hätten gute Kontakte ins Rotlichtmilieu. Für das Video habe man eine gut aussehende Frau gebraucht, die über entsprechende Sprachkenntnisse verfügte und „etwas im Kopf“ haben musste. Für ihre Rolle sei sie dann trainiert worden. Ihr Stundenlohn habe zwischen 300 und 1000 Euro liegen müssen, so Wandl.

Die beiden angeschuldigten Männer sind inzwischen auf Tauchstation gegangen. Sie waren am Donnerstag nicht zu erreichen. Rechtsanwalt Dr. M. wies über seinen Anwalt Richard Soyer Wandls Vorwürfe zurück: „Mein Mandant hat weder strafbare Handlungen gesetzt noch an solchen mitgewirkt. Er weist sämtliche Anschuldigungen und Vorwürfe entschieden zurück."

Möglicherweise gibt es weitere Video-Opfer

Wie die österreichische Plattform EU-Infothek berichtet, soll die Villa auf Ibiza schon seit Längerem (und noch immer) mit zahlreichen Kameras ausgestattet sein. Eine „ergänzende Vertiefung der Videoüberwachung“ sei technisch sehr leicht möglich, alle Voraussetzungen seien gegeben. Dies lasse die Frage zu, ob diese „Video-Zentrale“ nicht auch für andere Zwecke schon mehrmals verwendet wurde. Möglicherweise gebe es weitere Opfer, die in diesem Haus in eine Falle gelockt wurden.

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