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Deutschland / Welt Warum Trump Partei für Saudi-Arabien ergreift
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Warum Trump Partei für Saudi-Arabien ergreift
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08:35 17.10.2018
Donald Trump mit dem Kronprinz Mohammed bin Salman in Washington. Quelle: imago/ZUMA Press
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Washington

Wer die jüngsten Pirouetten des Weißen Hauses verstehen will, sollte einen Blick in eines der teuersten Luxushotels der US-Hauptstadt werfen. Das historische Gebäude, wenige Schritte von der Regierungszentrale entfernt, wird von Alteingesessenen noch immer als „Old Post Office“ bezeichnet. Offiziell heißt es seit drei Jahren jedoch „Trump International Hotel“. In kürzester Zeit entwickelte sich der sanierte Prachtbau zu einem Treffpunkt all derjenigen, die in Washington auf die Schnelle ein großes Rad drehen wollen. Überproportional stark vertreten sind unter den illustren Gästen Reisende aus Saudi-Arabien. Allein im Jahr 2017 sollen sich deren Rechnungen im Trump-Hotel auf etwa 250.000 Euro summiert haben.

Es zählt zu den vielen Ungereimtheiten der gegenwärtigen US-Administration, dass der Präsident an so vielen in- und ausländischen Gästen ganz unmittelbar verdient, die in Washington das Gespräch suchen. Recht ungeniert lassen saudische Diplomaten und Geschäftsleute denn auch Bemerkungen über den guten Service im Trump-Hotel fallen.

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50 Millionen Dollar von den Saudis?

Seltener erwähnt werden erwartungsgemäß frühere Deals zwischen saudischen Scheichs und der Familie Trump. So kaufte ein Prinz 1991 Trumps Superjacht – ausgerechnet in einer Zeit, als der damalige Geschäftsmann wegen seiner Spielcasinos in Atlantic City in finanzielle Turbulenzen geriet. Als guter Deal erwies sich offenbar auch der spätere Verkauf eines Appartements in New York, für das die Saudis laut Recherchen der „New York Times“ 4,5 Millionen Dollar zahlten.

Wie es in übereinstimmenden Berichten heißt, steht die saudische Oberschicht nach den russischen Oligarchen offenbar auf Platz zwei der Kundenliste der „Trump Organization“.

Noch 2015 sprach Trump im Wahlkampf in Alabama ganz offen davon, wie er von saudischen Geschäftspartnern 40 bis 50 Millionen Dollar für den Verkauf von Wohnungen erhielt.

Ob die engen Geschäftsbeziehungen der ausschlaggebende Punkt waren, dass Trump auf seiner ersten Auslandsreise als Präsident 2017 Riad ansteuerte? Das Weiße Haus weist Spekulationen dieser Art strikt zurück und hebt hervor, dass es diesem Partner mit zu verdanken sei, dass sich beispielsweise Israels Beziehungen zu einigen arabischen Staaten spürbar verbessert hätten. Außerdem seien bei Trumps Besuch Waffenverkäufe im Wert von etwa 100 Milliarden Euro vereinbart worden, die der amerikanischen Rüstungsindustrie zugute kämen.

Tatsächlich war es keineswegs Trump, der das Tor nach Riad aufstieß. Der Präsident wandelt lediglich auf Wegen, die längst von diversen westlichen Geschäftsleuten breit getreten worden sind. Gilt Saudi-Arabien der US-Regierung als bedeutender strategischer Partner, sind die Scheichs in vielen Ländern vor allem als Investoren gern gesehen. Vom Fahrdienst Uber bis zu Tesla steckt nicht zuletzt in jungen Firmen saudisches Geld. Da ist es kein Wunder, dass auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der es ebenfalls im Immobiliengeschäft zu einem dreistelligen Millionenvermögen brachte, einen engen Draht zu Kronprinz Mohammed bin Salman pflegt.

Nichtsdestotrotz betonte Trump am Dienstag, keinerlei finanzielle Interessen mit Blick auf Saudi-Arabien zu verfolgen. Sämtliche Spekulationen seien „Fake News“. Fast im selben Atemzug bot der 72-Jährige eine unerwartete Erklärung für den dubiosen Vorfall in Istanbul an: Vielleicht sei der verschwundene Journalist Opfer eines Mörders geworden, der auf eigene Rechnung arbeitete, mutmaßte der Präsident. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP betonte Trump: „Da haben wir es schon wieder – man weiß, man ist schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist.“ Ohne Zögern verglich er den Fall Chaschukdschi mit den Vorwürfen sexueller Nötigung gegen den inzwischen an den Obersten Gerichtshof berufenen Richter Brett Kavanaugh.

Warnung vor Mohammed bin Salman

Trumps Neigung, in schwierigen Debatten urplötzlich zu anderen Themen zu wechseln, oder Konflikte miteinander zu vermengen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, ist in Washington mittlerweile hinlänglich bekannt. Ob er mit dieser Strategie auch im Fall Chaschukdschi durchkommt, erscheint allerdings fraglich. So veröffentlichte die „Washington Post“ in der Nacht zum Mittwoch diverse Details über die mutmaßlichen Geheimdienstleute, die sich zeitgleich mit dem verschwundenen Journalisten im saudischen Konsulat in Istanbul aufhielten. Demnach handelte es sich unter anderem um Personen, die zum engeren Umfeld des Kronprinzen zählen und – unter anderem – dessen früheren Reisen in die USA begleiteten.

Durch die neuen Erkenntnisse dürfte sich auch Lindsey Graham bestätigt fühlen. Der Senator, der eigentlich zu Trumps engen Gefolgsleuten zählt, warnt in einem Fox News-Interview vor dem Kronprinzen: „Saudi-Arabien, wenn ihr zuhört, es gibt eine Menge gute Leute, die ihr auswählen könnt, aber MBS (Mohammed bin Salman) hat euer Land und sich selbst befleckt.“

Von Stefan Koch/RND

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