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Deutschland / Welt Wachstum teilen – die G 20 sind weit davon entfernt
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Wachstum teilen – die G 20 sind weit davon entfernt
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10:44 10.11.2010
Seit Montag gilt in Seoul die höchste Alarmstufe. 45.000 Polizisten und Soldaten sichern den Konferenzkomplex, Hotels und Botschaften.
Seit Montag gilt in Seoul die höchste Alarmstufe. Quelle: afp
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Zwanzig Meter groß steht sie da und formt mit den Fingern ein Herz: In Übergröße strahlt Kim Yu-na, Eiskunstlaufstar und international das berühmteste Gesicht Südkoreas, von Seouls Rathaus. „Die Zukunft der Welt öffnet sich in Korea“, lautet der Slogan, mit dem die Schlittschuhprinzessin für das wichtigste Ereignis wirbt, das ihr Land seit den Olympischen Spielen von 1988 ausrichtet: An diesem Donnerstag und Freitag treffen sich die Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der südkoreanischen Hauptstadt, um über weitere Reformen des globalen Wirtschaftssystems zu beraten.

Seit Wochen ist der G-20-Gipfel das bestimmende Thema der koreanischen Medien. Denn die Südkoreaner, die sich von der Welt chronisch unterbeachtet fühlen, wollen die geballte internationale Aufmerksamkeit für einen Imagesprung nutzen und endlich aus dem Schatten ihrer großen Nachbarn treten. Bisher leidet das Land darunter, dass seine Produkte auf dem Weltmarkt zwischen „Made in China“ und „Made in ­Japan“ angesiedelt werden, also als weder besonders billig noch besonders gut gelten. Um neben der politischen auch die wirtschaftliche Elite zu überzeugen, veranstalten die Südkoreaner erstmals neben dem Gipfel der Regierungschefs auch eine Unternehmerkonferenz, an der unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Bosch-Geschäftsführer Franz Fehrenbach teilnehmen.

Übertroffen werden die Werbebemühungen nur noch durch den Sicherheitsaufwand. Seit Montag gilt in Seoul die höchste Alarmstufe. 45.000 Polizisten und Soldaten sichern den Konferenzkomplex, Hotels und Botschaften. Präsident Lee Myung-bak ließ vom Parlament vorab eigens ein temporäres Sicherheitsgesetz verabschieden, das Demonstrationen rund um das Veranstaltungszentrum oder nach Sonnenuntergang verbietet. Doch für einen echten Erfolg braucht der Gipfel vor allem eines: politischen Konsens bei drängenden Fragen. Davon ist bisher wenig zu sehen.

Seit Monaten eskaliert der Streit um Protektionismus und Währungsmanipulation. Vor allem die Volksrepublik China steht wegen ihres künstlich billigen Yuan am Pranger – allerdings nicht mehr allein, seit die US-Notenbank vergangene Woche 600 Milliarden Dollar ins System gepumpt hat. Eine gemeinsame Linie bei den globalen Handelsungleichgewichten ist ebenso wenig zu erwarten. In dem gemeinsamen Kommuniqué der Regierungsoberhäupter, über dessen Formulierungen Vertreter aller Länder bereits seit Montag in Seoul verhandeln, werden deswegen wohl bereits erzielte Erfolge noch einmal neu verkauft werden müssen. Vor allem die Ende Oktober von den Finanzministern erzielte Einigung zur Stimmrechtsreform im Internationalen Währungsfonds wollen sich die Chefs selbst auf die Fahnen schreiben. Bereits beschlossene Sache ist offenbar auch die Verschärfung der Eigenkapitalrichtlinien für Banken – die sogenannten Basel-III-Regeln.

Diskutiert werden sollen darüber hinaus Vorschläge zur Verbesserung der Transparenz von Hedgefonds und privaten Beteiligungsgesellschaften sowie Konzepte zur Kontrolle globaler systemrelevanter Banken und der von ihnen ausgehenden Risiken für die Finanzmarktstabilität. Doch dass in den Gesprächen Durchbrüche erreicht werden, die den Traum der Koreaner von einer epochemachende „Seouler Erklärung“ erfüllen könnten, wird kaum zu erwarten sein. Denn so gut das offizielle Gipfelmotto „Wachstum teilen jenseits der Krise“ auch gemeint ist zum Teilen reist niemand nach Seoul.

G-20-Diskussionen im Währungsstreit stocken

Kurz vor dem G-20-Gipfeltreffen in Seoul sind die Diskussionen über den Abbau globaler Handelsungleichgewichte und eine Beilegung des Währungsstreits festgefahren. Die Unterhändler der G-20-Länder hätten bei Vorbereitungsgesprächen keinen „Mittelweg“ in den strittigen Fragen finden können, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Vorbereitungskomitees am Mittwoch vor Journalisten in Seoul. Die Diskussionen wurden als teilweise hitzig beschrieben.

Bernhard Bartsch/dpa