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Deutschland / Welt Venezuelas Präsident Hugo Chavez ist tot
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Venezuelas Präsident Hugo Chavez ist tot
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07:31 06.03.2013
Hugo Chávez ist tot. Er erlag am Dienstag seinem Krebsleiden.
Hugo Chávez ist tot. Er erlag am Dienstag seinem Krebsleiden. Quelle: dpa
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Caracas

Die Linken in Lateinamerika trauern um ihr Idol Hugo Chávez. Der venezolanischen Staatschef starb am Dienstag an den Folgen seiner schweren Krebserkrankung. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff würdigte Chávez als einen „großen Lateinamerikaner“. Der Leichnam des Präsidenten soll am Mittwochvormittag (Ortszeit) vom Militärhospital Carlos Arvelo in die Militärakademie übergeführt und aufgebahrt werden. Am Freitag wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs zur offiziellen Trauerfeier nach Caracas kommen, um Chávez die letzte Ehre zu erweisen.

Mehrere Länder Lateinamerikas, darunter Argentinien, Bolivien und Kuba verhängten eine mehrtägige offizielle Staatstrauer. In Venezuela gilt eine siebentägige Staatstrauer. Laut Verfassung müssen binnen 30 Tagen Neuwahlen ausgerufen werden. Eigentlich müsste Parlamentspräsident Diosdado Cabello die Amtsgeschäfte des Präsidenten bis dahin führen. Doch machte Außenminister Elías Jaua klar, dass Vize-Präsident Nicolás Maduro die Interimspräsidentschaft übernimmt. Maduro sei auch der Kandidat der Regierung für die anstehende Präsidentschaftswahl.

Kuba reagierte mit Trauer auf die Todesnachricht. Für Revolutionsführer Fidel Castro sei Chávez wie ein „echter Sohn“ gewesen und für Staatschef Raúl Castro ein „herzlicher Freund“. „Chávez ist auch Kubaner“, hieß es einer Mitteilung der Regierung. Chávez war in Kuba seit Juni 2011 viermal operiert worden und war erst am 18. Februar nach über zwei Monaten von Havanna nach Caracas zurückgekehrt. Die sozialistische Karibikinsel wird von Venezuela massiv wirtschaftlich mit verbilligten Öllieferungen unterstützt.

Maduro bezeichnete seinen Ziehvater Chávez als „comandante eterno“ (ewigen Kommandanten). Chávez selbst hatte den 50-jährigen Maduro nach der gewonnenen Wahl im Oktober vergangenen Jahres als Vizepräsidenten berufen und ihn als Wunschnachfolger präsentiert. Der frühere Außenminister hatte den Tod des Staatschefs am Dienstag in einer Rundfunkansprache mitgeteilt. Kurz zuvor hatte er bei einem Krisentreffen der Regierung erklärt, dass die Krankheit von Chávez möglicherweise auf eine gezielte Infizierung durch Feinde des Landes zurückzuführen sei.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte das Interesse der USA an konstruktiven Beziehungen zu Venezuelas Regierung. „Während Venezuela ein neues Kapitel in seiner Geschichte beginnt, engagieren sich die Vereinigten Staaten weiter für eine Politik, die demokratische Prinzipien, Rechtsgrundsätze und den Respekt für Menschenrechte unterstützt“, erklärte Obama. Venezuela hatte erst am Dienstag zwei US-Militärattachés wegen mutmaßlicher Verwicklung in „konspirative Pläne“ des Landes verwiesen. Die USA wiesen die Behauptungen als abwegig zurück.

Venezuela unter Präsident Chávez

Der linksgerichtete Politiker Hugo Chávez führte Venezuela seit 14 Jahren. Seine Amtszeit im Überblick:

Februar 1992 - Der noch unbekannte Oberstleutnant Hugo Chávez führt einen Putschversuch gegen den Präsidenten Carlos Andrés Pérez an. Er scheitert und kommt für zwei Jahre ins Gefängnis. 

Dezember 1998 - Chávez gewinnt die Präsidentenwahl mit deutlicher Mehrheit. Im Februar 1999 übernimmt er mit 44 Jahren als bisher jüngster Präsident das Amt des Staatschefs. 

Juli 2000 - Chávez wird als Staatspräsident mit absoluter Mehrheit bestätigt. Die Neuwahl war nach dem Inkrafttreten der neuen „Bolivarischen Verfassung“ notwendig geworden. 

April 2002 - Chávez wird nach blutigen Massenprotesten durch einen Putsch, der von einer militärisch-bürgerlichen Bewegung angeführt wird, gestürzt. Nur zwei Tage später erobert er die Macht zurück. 

Februar 2003 - Ein im Dezember 2002 begonnener Generalstreik wird nach 63 Tagen von der Oppositionsbewegung beendet, ohne den Rücktritt von Chávez erreicht zu haben. 

August 2004 - Internationale Wahlbeobachter bestätigen den Sieg des Präsidenten bei einer Volksabstimmung über seinen Verbleib im Amt. 

Dezember 2005 - Bei der von den wichtigsten Oppositionsparteien boykottierten Parlamentswahl gewinnt die Regierungskoalition alle 167 Sitze in der Nationalversammlung. 

April 2006 - Kuba, Bolivien und Venezuela unterzeichnen in Havanna ein Handelsabkommen, mit dem sie ihre Gegnerschaft zu den USA verstärken. Die Bolivarische Alternative für Amerika (Alba) war von Chávez und Kubas Präsidenten Fidel Castro geschaffen worden, um vor allem das US-Projekt einer Freihandelszone für den gesamten Kontinent auszuhebeln. 

Dezember 2006 - Chávez wird für eine weitere sechsjährige Amtszeit gewählt. Kritiker werfen ihm einen diktaturähnlichen Regierungsstil vor. 

Januar 2007 - Chávez will Strom und Telekommunikation seines Landes verstaatlichen, weil es sich um strategische Bereiche handele. Er erhält vom Parlament Sondervollmachten und wird so zum unumschränkten Gesetzgeber in nahezu allen Bereichen. Im Dezember scheitert er bei einem Referendum mit dem Versuch, den Sozialismus in der Verfassung zu verankern und sich sein Amt auf Lebenszeit zu sichern. 

Mai 2007 - Per Dekret werden die Ölfelder im Orinoco-Streifen, wo die größten Reserven der Welt vermutet werden, verstaatlicht. Im Februar 2010 sichert Venezuela ausländischen Öl-Multis die volle Rechtssicherheit bei anstehenden Milliardeninvestitionen zu. 

Mai 2008 - Chávez verstaatlicht den wichtigsten Stahlproduzenten des Landes, Ternium Sidor. 

Februar 2009 - Bei einem Referendum stimmt die Mehrheit für eine Verfassungsänderung, wodurch alle gewählten Amtsinhaber beliebig oft zur Wiederwahl antreten dürfen. 

November 2009 - Chávez und Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekräftigen in Caracas ihre „strategische Allianz“. 

Dezember 2009 - Kuba und Venezuela vereinbaren in Havanna Projekte im Umfang von umgerechnet mehr als 2,1 Milliarden Euro. 

April 2010 - Russland und Venezuela bauen ihre Partnerschaft aus. Russlands Regierungschef Wladimir Putin bringt eine erste Lieferung von Mi-17-Militär-Helikoptern mit. Venezuela hatte im September 2009 in Russland Panzer und Abwehrraketen gekauft und dafür von Moskau einen Kredit in Milliardenhöhe erhalten. 

September 2010 - Chávez erhält bei der Parlamentswahl einen Dämpfer. Die Sozialistische Einheitspartei Venezuelas (PSUV) geht zwar als Sieger hervor, die Zwei-Drittel-Mehrheit verpasst sie aber. 

Oktober  2012 - Chávez setzt sich in der Präsidentenwahl mit gut 55 Prozent der Stimmen durch. 

Dezember 2012 - Der an Krebs erkrankte Staatspräsident wird am 11. Dezember zum vierten Mal innerhalb von eineinhalb Jahren in Kuba operiert. Im Juni 2011 war bei ihm ein Krebsgeschwür in der Beckengegend gefunden worden. 

Januar 2013 - Die am 10. Januar geplante Vereidigung Chávez’ für die neue, bis 2019 dauernde Amtszeit wird wegen seines labilen Gesundheitszustandes verschoben. Das Oberste Gericht entscheidet, dass seine Regierung auch ohne Vereidigung im Amt bleiben kann. 

Februar 2013 - Am 18. Februar kehrt Chávez nach mehr als zwei Monaten in Kuba nach Venezuela zurück. Er wird in das Militärkrankenhaus  Dr. Carlos Arvelo gebracht. 

März 2013 - Am 1. März bestätigt Vize-Präsident Nicolás Maduro, dass Chávez erneut mit Chemotherapie behandelt wird. Am 4. März berichtet Informationsminister Erneste Villegas von einen „neuen schweren (Atemwegs-) Infektion“ infolge des geschwächten Immunsystems. Hugo Chávez stirbt am Dienstag im Alter von 58 Jahren.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.